Die Bewegtbild-Strategie von Burda Media

Fernsehen Der TV-Produzent Rainer Laux, seit kurzem Director TV bei Hubert Burda Media, plant eine Bewegtbild-Offensive für das Medienhaus. "Es gibt im Moment nichts Spannenderes, als aus einem Verlag heraus TV und Bewegtbild zu machen", sagt Laux im MEEDIA-Interview. Gerade entwickelt Burda einen Piloten für ein TV-Format von Burda Style, das internationale TV-Sender ansprechen soll. Zudem produzieren künftig 20 Videoreporter Promi-Beiträge, die Burda wie eine Agentur auf einer Plattform anbietet.

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Laux´ Wechsel zu Hubert Burda Media bzw. zur Tochter Burda Intermedia Publishing (BIP) ist erst wenige Wochen alt, da hat der ehemalige Endemol-Produzent (u.a. "Big Brother", "Wer wird Millionär") gemeinsam mit BIP-Chef Holger Feist und den neuen Kollegen schon eine Reihe von Projekten vorzuweisen. Am Montag ist Laux zur TV-Branchenmesse Mipcom nach Cannes aufgebrochen, um Gespräche mit Programmchefs von TV-Sendern zu führen. Denn bei Burda will man nicht nur Bewegtbilder für den Eigenbedarf entwickeln. Das Geschäftsmodell sieht vor, Videoformate sowohl national wie international an unterschiedliche Abnehmer zu verkaufen. Das Medienunternehmen wird damit zum TV-Produzenten und zur Bewegtbild-Inhalteagentur – und das könnte so etwas wie eine kleine Revolution in München bedeuten. Laux – und mit ihm der Burda-Vorstand – sieht die Zeit reif für neue Geschäftsmodelle. Damit steht Burda Media nicht allein – auch Gruner+Jahr arbeitet offenbar an solchen Konzepten. Mit MEEDIA hat Laux erstmals über seinen neuen Job gesprochen.

Herr Laux, warum arbeiten Sie als TV-Produzent ausgerechnet für ein Medienunternehmen, das sein Geld auch in Zeiten der Digitalisierung vor allem noch mit gedruckten Inhalten verdient?
Es gibt im Moment nichts Spannenderes, als aus einem Verlag heraus TV und Bewegtbild zu machen. Wir können hier Infotainment mit Kompetenz machen, das ist eine große Herausforderung. Ich denke, alles hat seine Zeit. Die Zeit für das, was Burda vorhat, ist gekommen. Ich bin gerade auf dem Weg nach Cannes, um erste Gespräche mit Vertretern von TV-Sendern zu führen – die sind an journalistisch erstklassigen Inhalten und an exklusiven Produktionen, wie sie in unserem Verlag täglich entstehen, sehr interessiert.

Die Bewegtbild-Kompetenz von Verlagen war bisher nicht übermäßig hoch.
Es wurde schon oft versucht, Print-Marken ins TV zu überführen. Dabei agieren die Redaktionen aber meist noch völlig getrennt voneinander, es gibt kaum Synergien. Bei Burda aber spüre ich eine große Offenheit gegenüber der gemeinsamen Entwicklung von Bewegtbild-Konzepten. Und im Übrigen weiß der moderne Medienmanager, dass er alleine auf verlorenem Posten steht und dem Multichannel-Ansatz die Zukunft gehört.

Was haben Sie denn konkret vor?

Zunächst habe ich mir gemeinsam mit dem Verlag Formate angeschaut, die international erfolgreich sind. Als ersten Titel haben wir Burda Style ausgewählt, der in 90 Ländern in 16 Sprachen erscheint. Wir werden einen Piloten in sechs Sprachen produzieren und TV-Sendern anbieten. Die Kunst ist, die Marke zu verlängern und ein lukratives Geschäft zu entwickeln. Also: einmal pilotieren und produzieren, in mehrere Länder verkaufen. In den nächsten zwei bis drei Jahren wollen wir das mit fünf Zeitschriftenmarken rund um Living und Lifestyle probieren.

Wer produziert diese Formate?
Wir produzieren bereits mit der Focus TV GmbH erfolgreiches Infotainment. Wir werden darüber hinaus eine zweite Sparte gründen, die Bewegtbild-Formate in den Gebieten Prominente, Unterhaltung und Special Interest entwickelt und macht.

Wie gut sind die Inhalte auch für Web-Plattformen geeignet?
Natürlich sind unsere Inhalte auch für Online-Plattformen interessant. Darum bieten wir künftig einzelne Video-Beiträge als Rubriken an. Das bedeutet beispielsweise: Wir begleiten alle Interviews und Fotoshootings der Zeitschrift Cover mit Kamerateams. Zum Erscheinen der Zeitschrift bieten wir diese Beiträge TV-Sendern sowie Betreibern von Online-Plattformen an. Zunächst national, später vielleicht auch international.

Sie bauen derzeit ebenfalls ein Netzwerk von Videojockeys (VJs) auf. Was hat es damit auf sich?
Wir wollen bundesweit mit etwa 20 VJ’s (Videojournalisten, d. Red.)eine Promi-Berichterstattung im Bewegtbild aufbauen. In verschiedenen deutschen Städten werden Kollegen Termine abdrehen, beispielsweise an roten Teppichen. Auch Homestories sind geplant. Diese Inhalte werden wir als Agentur anbieten, wir nennen das Projekt Burda Footage. Die fertigen Stücke können sich andere Redaktionen herunterladen – immer nur das, was sie haben wollen. Abgerechnet wird sekundengenau.

Plant Burda auch ein eigenes Online-Promiportal? 
Im Moment ist Burda Footage nur als B2B-Agentur geplant. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir aus dem Material ein eigenes Magazin oder ein eigenes Format entwickeln können, das wir wiederum anderen Abnehmern anbieten.

YouTube hat heute den Start von weiteren 60 Kanälen angekündigt, darunter sind auch je zwei Angebote von Endemol-Deutschland und der UFA – ist YouTube eine Chance für Medienunternehmen oder eher Konkurrenz?
YouTube bietet uns als meistgenutzter Distributionskanal der Welt natürlich riesige Chancen, die wir auch nutzen werden.
 

Zur Person: Rainer Laux ist studierter Jurist und war für ARD, ZDF und ProSieben als Reporter, Redakteur und Ressortleiter tätig. Ende 1998 übernahm er die Leitung der Magazine bei Pro Sieben. Im Jahr 2000 wechselte er zu Endemol, wo er u.a. für die Formate "Big Brother" und "Wer wird Millionär" verantwortlich war. 2010 verließ Laux die Produktionsfirma. Zuletzt war er Head of African Productions and Mobile Content bei der Modern Times Gruppe.

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