Lanz-Kritiken: „Es war ein klarer Punktsieg“

Fernsehen Die Meinung zur großen Show-Premiere von Markus Lanz bei seiner ersten Ausgabe von "Wetten, dass..?" nach Thomas Gottschalk gehen auseinander: "Zu wenig kreative Funken" nahmen Kritiker wahr, zu wenig seien die Gästen zu Wort gekommen, zu leise seien seine Gags gewesen, doch hätte man eine "Verbesserung gegenüber Gottschalk" erkannt und sieht die "Chance zur Entwicklung" bei dem Südtiroler, der über 13 Millionen Zuschauer am Samstagabend vor dem Fernseher versammelte. Die TV-Kritiken im Überblick.

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Karolin Jacquemain für Hamburger Abendblatt: "Bleibt die Frage: Wenn es doch offensichtlich ranghohe Mitarbeiter im ZDF gibt, die von ‚Wetten dass ..?"‘ und Lanz überzeugt sind – warum ist denen so wenig eingefallen, die Show emotionaler, spannender, ungewöhnlicher zu machen? Stattdessen gab es unwichtige Neuerungen bei Schnickschnack: Beim Einlaufen der Gäste halten die Prominenten ihre jeweiligen Wettkandidaten an der Hand – dann sitzen doch wieder nur die auf dem Sofa (orange-grau statt rot! Kein Gummibärchen mehr!), die jeder kennt, die anderen hat man irgendwo in den Kulissen versteckt."

Martin Jäschke für stern.de
: "Was bleibt nach der 200. Ausgabe von ‚Europas größter TV-Show‘? Der unangenehme Eindruck, dass das ZDF mit Bülent Ceylan als Gast, Cindy aus Marzahn als Assistentin, einem deplatzierten Michael Kessler als Günther Jauch und einer missglückten ‚Schlag den Lanz‘-Variante zu sehr sein wollte wie RTL und Pro Sieben. Der nicht ganz so unangenehme Eindruck, dass Markus Lanz sich nicht nur bei allem und jedem "sehr, sehr herzlich" bedankt, sondern sich auch sehr, sehr anstrengt und bestimmt bald ganz, ganz herrlich in die Sendung reinfinden wird."

Ruth Schneeberger für Süddeutsche.de: "Zum Entertainer ist er nicht geboren, dazu wirkt er zu beflissen, den muss er noch üben. Aber es ist eine deutliche Verbesserung gegenüber Gottschalk, dass er eben nicht ständig Altherrenwitz reißt und sich als Gastgeber nicht laufend und gelangweilt über seine Gäste stellt.  Wenn er jetzt nicht den Fehler macht, nach der ersten noch deutlich angestrengten Show beim nächsten Mal mehr den Gottschalk zu mimen, sondern einfach nur etwas lockerer wird, dann könnte das durchaus noch was werden mit Lanz und der großen Samstagabendunterhaltung."

Gerd Klee für Wiesbadener Kurier: "Alles in allem: Lanz hat einen braven, engagierten Auftritt hingelegt. Das mag manchem zu wenig sein; für den Moderator war es ein klarer Punktsieg. Er wird das besser machen – mit weniger Distanz, ganz sicher. Das Butterbrot ist geschmiert – die Marmelade kommt noch."

Judith Luig für die Berliner Morgenpost: "Es sollte nicht mehr nur um Eigenwerbung der Stars, um ihre neuen Platten und ihre neuen Filme gehen, dafür redet Lanz nun in der ersten Talkrunde mit Karl Lagerfeld und Rolando Villazón über Nasenhaare und Pferdeschwänze. Überhaupt macht er aus der Wettshow eine Talkshow. Wer nicht gerade neben ihm sitzt, wie eben Lagerfeld, oder Sylvie und Rafael van der Vaart, der kommt nicht so recht zum Zug. Als Campino oder Wotan Wilke Möhring zwischendurch etwas sagen wollen, das nicht im Skript steht, schaltet die Technik gar nicht schnell genug das Mikro ein. Nur wer nichts sagen will, wie die Wettkandidaten zum Beispiel, der wird zugesendet."

Michael Hanfeld für die FAZ: "Hier geht es um eine in die Jahre gekommene Unterhaltungsshow und nicht um das Himmelreich. Es geht um einen Moderator, der bei der quälenden Suche dritte Wahl war (nach Hape Kerkeling und Jörg Pilawa), der nett daherkommt, aber alles andere als schlagfertig und witzig ist, dafür ein guter Geschäftsmann. Er moderiert ‚Wetten, dass ..?‘ nämlich nicht nur, er produziert die Show auch. Das lohnt sich. ‚Sind wir spät geworden?‘ wollte Lanz zum Abschluss wissen. Ja, spät war’s, so gegen halb zwölf. Es steht zu befürchten, dass das im Zweiten jetzt häufiger passiert."

Ulli Tückmantel für RP Online: "Er setzte gute eigene Pointen, die aber zu leise waren für eine so laute Sendung. Zwar nahm er seine berüchtigten Moderations-Karten nur selten in die Hand, aber er arbeitete die Fragen an seine Gäste streng ab. Das wird in den nächsten Sendungen besser werden. Nur: Vor allem muss die Redaktion bessere Gäste laden."

Jörn Lauterbach für Welt: "Er hat keine Gummibären gefuttert und auch ansonsten wenig Werbung für irgendwelche Produkte betrieben. Er hat aber auch wenig kreative Funken versprüht und die komische Seite vorsichtshalber an (zu viele) Comedians ausgelagert. Gottschalk hatte sich für diese Sendung wie ein Pfau angezogen, um die Größe der Halle halbwegs zu füllen, er hat große Gesten gemacht und viel geredet, aber wenig gesagt. Lanz wippt zuweilen etwas verloren im weiten Rund und sagt gern: ‚Das ist interessant, darüber wird zu reden sein‘ und tut es dann doch nicht. Aber er hat, auch das hat er in Düsseldorf gezeigt, jede Chance zur Entwicklung – wenn die Last der Premiere weg ist und die Liebe zu diesem schwierigen Format, das doch so leicht daherkommen soll, in ihm wächst."

Stefan Kuzmany für Spiegel Online: "Nein, die einzige wirkliche Neuigkeit an der Traditionsshow im neuen Gewand ist ihr neuer Moderator und das durch diesen verkörperte Menschenbild des ehrgeizigen Arbeiters. Und diese Herangehensweise an die Unterhaltung eines Millionenpublikums am Samstagabend macht es bei allem Respekt vor der Anstrengung des Debütanten und bei allem Verständnis für den hohen Druck, unter dem Markus Lanz zweifellos stand, nicht leicht, seine Sendung und ihn wirklich zu mögen."

Andreas Böhme für DerWesten: "Wenn das ZDF die Show ein wenig strafft, sie zuschneidet auf ihren neuen Moderator. Und wenn Lanz selbst ein paar der Vorlagen aufnimmt, die ihm seine Gäste zuspielen, um sie zu einem Gag zu verwandeln. Dann ist er vielleicht doch, wofür Frank Elstner ihn schon lange hält: ‚Der richtige Mann für ‚Wetten, dass?!“."

Bild.de
: "In Medienkreisen heißt es, Gottschalk hätte sich seinerzeit mit vier Leuten beraten, damit er in der Show richtig witzig ist. Fakt ist jedenfalls: Am nächsten Tag redeten alle über Gottschalks freche Sprüche. Das ist bei Lanz jetzt auch so: nur negativ."

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