Kachelmann, der Spiegel und die Kakerlake

Publishing Jörg Kachelmann und seine Frau Miriam Kachelmann veröffentlichen am 22. Oktober ihr Buch “Recht und Gerechtigkeit - ein Märchen aus der Provinz”, in dem es um Kachelmanns Erfahrungen während seiner U-Haft in Mannheim und dem Vergewaltigungsprozess gegen ihn geht. Als ersten PR-Coup gab das Ehepaar Kachelmann nun dem Spiegel ein großes Interview, in dem beide mit der deutschen Justiz und den Medien abrechnen. Und dem Spiegel ein ekliges Geschenk überreichen…

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Jörg Kachelmann hat dem Spiegel-Redakteur Thomas Tuma ein Geschenk aus seiner Zeit in der Mannheimer Justizvollzugsanstalt mitgebracht: eine tote Kakerlake in einer ausgespülten, durchsichtigen Plastikschachtel. Kachelmann habe die Kakerlake höchstselbst aus der U-Haft herausgeschmuggelt, um sie aus Dankbarkeit für die kritische Spiegel-Berichterstattung eines Tages zu überreichen. So erzählt es Thomas Tuma im zum Interview gehörigen Video der Spiegel-Digitalausgabe. Und hält auch gleich die tote Kakerlake als Beweisstück A ins Bild.

Im Interview selbst erfährt man dann wenig Neues, außer, dass die Zellen in der JVA Mannheim sehr “versifft” gewesen seien. Und dass Jörg Kachelmann und seine Frau sich ihr geschlossenes Weltbild als Justiz- und Medienopfer mittlerweile offenbar detailliert ausgearbeitet haben. Laut Kachelmann und seiner Frau haben wir es zumindest in Deutschland mit einer latent männerfeindlichen Justiz zu tun. Frauen dagegen hätten ein “Opfer-Abo”. Kachelmann: “Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind.”

Im “Bereich Missbrauch und Vergewaltigung” seien Falschbeschuldigungen zum Massenphänomen geworden, gibt Kachelmann im Spiegel zu Protokoll und lässt es auch zu, dass der Spiegel Vergleiche zieht zu den Fällen von Dominique Strauss-Kahn (der sich wie Kachelmann als unschuldig erwies) und Wikileaks-Gründer Julian Assange, obwohl jeder Fall für sich sehr speziell und komplett anders ist. Bei Julian Assange gibt es bislang noch nicht einmal einen Prozess, da er sich den schwedischen Behörden bislang durch Flucht entzieht.

Für Frauen, so Kachelmann, sei Verleumdung mittlerweile eine effektive Waffe im Arbeits- und Familienrecht geworden. Will heißen: Wenn eine Frau in einem Scheidungsprozess das Sorgerecht will, müsse sie nur behaupten, sie sei missbraucht worden. Gleiches gilt nach Kachelmanns Logik für Abfindungen. Miriam Kachelmann versteigt sich schließlich sogar zu der “ultrafeministischen” Aussage, es sei schon Sexismus, “wenn man Frauen bestimmte Arten von Verbrechen nicht zutraut und sie zum Opfer machen möchte.”

Jörg und Miriam Kachelmann kündigen darum an, eine Stiftung zu gründen, mit der sie zu Unrecht beschuldigten Männern und Frauen, die tatsächlich Opfer einer Vergewaltigung wurden, bei Prozessen zur Seite stehen. Keine Frage: Jörg Kachelmann wurde fälschlich beschuldigt und erst nach einem quälend langen und stellenweise dilettantisch geführten Prozess freigesprochen. Dass er nun seinen Fall im aktuellen Spiegel-Interview verallgemeinert und Frauen kollektiv unterstellt, auf ein “Opfer-Abo” zu setzen, das ist, um es mit einem Kakerlaken-Terminus zu sagen, schäbig. Echten Opfern, egal ob Männer oder Frauen, erweist er damit einen Bärendienst.

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