Döpfner, Precht und die Freiheit zu schwafeln

Fernsehen Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner war am Sonntag zu Gast bei “Precht”, der ZDF-Sendung von und mit dem Star-Philosophen Richard David Precht. Die beiden debattierten zum Thema “Gefährliche Freiheit?”, was eigentlich mit “Freiheit in Gefahr?” besser umschrieben gewesen wäre. Das dreiviertelstündige Gespräch macht einmal mehr klar, dass Springer-Chef Döpfner eine eloquente Ausnahme-Erscheinung unter deutschen Medienmanagern ist. Ansonsten hielt sich der Erkenntnisgewinn jedoch in engen Grenzen.

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In dem dreiviertelstündigen Gespräch der beiden intellektuellen High-Flyer zu sehr später Stunde (0.05 Uhr) ging es um den Begriff von Freiheit, um soziale Gerechtigkeit, um militärische Interventionen, um den arabischen Frühling und so vieles mehr. Ja, Krieg ist schlimm, aber manchmal dann doch nötig. Hitler und die Appeasement-Politik wurden gestreift, der Islamismus sowieso und das Internet überhaupt.

Das Internet soll laut Dr. Döpfner anarchisch bleiben. Denn, so Döpfner:  “Digitale Medien haben eine unglaubliche Kraft, Hierarchiehürden zu überwinden.” Aber auch: “Zugleich kann das Internet eine Freiheitsverhinderungsmaschine sein. Das Internet in der Hand einer Diktatur, das Internet in der Hand der Chinesen ist eine Super-Überwachungsmaschine.” Deutliche Worte des Springer-Chefs, der so bald offenbar keine verlegerische Expansion nach China plant.

Im Folgenden ging es u.a. um unsere liebe, westliche Kultur im Allgemeinen und im sehr Speziellen darum, was denn nun schlimmer sei: ständig Pornografie konsumieren müssen (= westliche Kultur), oder Frauen steinigen, die ein außereheliches Verhältnis haben (= Islamismus) – eine selbstverständlich rein rhetorische Frage des Springer-Chefs, bei der er sich genüsslich zurücklehnte. Selbstsicher, gegenüber dem Schlaumeier Precht jetzt mal einen Punkt im Debatten-Ping-Pong gemacht zu haben.

Precht konterte späte mit einem flotten Dürrenmatt-Zitat zur Unfreiheit der Schweiz, bei dem Dr. Döpfner nur noch bedenklich mit dem Kopf wackeln konnte. Gleichstand! Am Ende blieb dann nur die Erkenntnis, dass Geld alleine auch nicht glücklich und frei macht. Döpfner erklärte, er kenne viele Millionäre die “unfreie Würstchen” seien. So ist das also! Begriffe wie Meinungsfreiheit, Verantwortung von Medien oder gar “Leistungsschutzrecht” fielen im Laufe der Sendung übrigens kein einziges Mal. Schade.

Die "Precht"-Sendung mit Dr. Mathias Döpfner in der ZDF-Mediathek

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