“Wetten dass..?”: der Samstagabend lebt

Fernsehen Markus Lanz und das ZDF dürfen nach der Premiere der ersten “Wetten dass..?”-Show der Nach-Gottschalk-Ära aufatmen. Um mit den Worten von Bild zu sprechen: Er kann’s, der Lanz. Sein “Wetten dass..?”-Einstand war eine große, unterhaltsame Show, die tatsächlich das alte “Wetten dass..?”-Feeling am Samstagabend wieder aufleben ließ. Skurrile, spektakuläre Wetten, gut aufgelegte Top-Stars und ein souveräner Moderator mit Hang zur Selbstironie. Besser hätte es nicht laufen können.

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Schon zu Beginn der Show zeigten Lanz und das ZDF mit einem Einspielfilm, dass sie hier im Begriff waren, alles richtig zu machen. Markus Lanz kam mit einem präparierten Renntaxi an die Halle gefahren, am Steuer Ralf Schumacher. Am Eingang wurde er von einem der Klitschkos empfangen und dann war da noch Frank Elstner, der hinter Bühne an einer Wärmflaschen-und Traktorreifen-Aufblaswette tüftelte. Und die Starköche Tim Mälzer und Alfons Schubeck bastelten an einer Wette mit einem Spielzeug-Bagger und rohen Eiern. Das alles war witzig und locker und zeugte vom festen Willen, sich selbst und die Show nicht ganz so ernst zu nehmen. “Wetten dass..?”-Erfinder Elstner saß später in der ersten Reihe und wurde von Lanz mit Handschlag begrüßt. Das wiederum hatte Stil.

Die dicke Ulknudel Cindy aus Marzahn entstieg als Michelle-Hunziker-Ersatz einem Wohnwagen und machte dabei überraschend bella figura. Die Promis und Wettkandidaten kamen gemeinsam gleich zu Beginn alle raus und nahmen im neuen Studio Platz. Die Idee, für die Wettkandidaten eine Lounge im Saal einzurichten und alle Promis zu jeder Wette wetten zu lassen (liegen sie richtig, erhalten ihre Kandidaten jeweils 1.000 Euro), sorgte für nette Kommunikation zwischendurch.

Karl Lagerfeld kapierte zwar offenbar nicht immer so recht, worum es ging – das war bei Gottschalk aber schon genauso. Irgendwann kam dann noch Jennifer Lopez wie bestellt und nicht abgeholt für eine Stippvisite aus der Kulisse getappt und durfte sich typischen Lanz-Fragen stellen, etwa ob sie ihrem jungen Tänzer-Boyfriend auch weiterhin ein Gehalt bezahlt. Markus Lanz hatte tatsächlich für alle Gäste ein paar Fragen vorbereitet und versuchte mittendrin, stets so ein kleines Interview zu führen. Lagerfeld etwa wurde unvermittelt gefragt, ob er ein Testament hat und warum er keine Kinder hat. Star-Tenor Rolando Villazón durfte Auskunft geben, wann er sich zuletzt die Nasenhaare geschnitten hat.

Aber dem Lanz nahm das augenscheinlich keiner übel. Die Promis waren glänzend aufgelegt, besonders der spaßige Villazón und “Tatort”-Kommissar Wotan Wilke-Möhring, der sich bei seiner Wette als kongenialer Lanz-Sidekick erwies. Seine Wettkandidatin, Frau Taler, versuchte, anhand von Hundehaaren Rassen zu erfühlen. Ein unfreiwillig komischer Loriot-Moment. Die Stimmung in der Halle in Düsseldorf war riesig. Schon zu Beginn wurde Lanz mit frenetischem Applaus begrüßt.

Die Wetten selbst wirkten durchaus origineller als zuletzt. Da war ein Slackliner, der auf seinem schmalen Balancier-Band Tore mit Fallrückzieher schoss, ein Mann, der mit wackelnden Ohren Morsezeichen gab, ein Ruder-Achter, der einen Wakeboarder im Düsseldorfer Medienhafen zog und, in bester “Wetten dass..?”-Manier, ein Österreicher, der einen Riesen-Traktor auf nur zwei Rädern steuerte. Leider war die Traktor-Wette aus Sicherheitsgründen nach ein paar Sekunden schon wieder vorbei und verloren.

Alles blinkte und blitzte. Die Bilder vom Medienhafen waren spektakulär und Michael Kessler von “Switch Reloaded” als Günther Jauch spielte den Außenreporter. Die ganze Show steckte voll mit solchen schönen Details. Bei der Slackliner-Wette tauchte zum Beispiel unvermittelt Torwart-Legende Sepp Maier im Einspielfilm auf, ohne dass dies groß erwähnt wurde. Und auch die Stadt-Wette, bei der 500 Düsseldorfer nackt und angemalt das Vereinslogo von Fortuna Düsseldorf nachbildeten, ergab durchaus tolle Bilder.

Beim ZDF hatten sie sich sichtlich Mühe gegeben und alles aufgefahren, was irgend ging, um Markus Lanz zu einer tollen Premiere zu verhelfen. Und da liegt auch der einzige wirkliche Kritikpunkt an der Show: Sie war viel zu lang. Erst gegen halb Zwölf lief der “Wetten dass..?”-Dampfer langsam in den Zielhafen ein. Aber daran lässt sich ja noch arbeiten. Am Ende hatte man eine unterhaltsame, spektakuläre und lange “Wetten dass..?”-Show gesehen und einen sichtlich abgekämpften aber bestimmt auch glücklichen Moderator.

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