Das Unbehagen der Post-Steve-Jobs-Ära

Ein Jahr ist es her: Am 5. Oktober 2011 verstarb Steve Jobs. Die Welt verneigte sich vor dem größten Tech-Pionier der vergangenen hundert Jahre. Doch in die kollektive Trauer mischten sich gleichzeitig die Zweifel, wie es mit Apple ohne seinen visionären CEO weitergehen würde. Zwölf Monate später steht der iPhone-Hersteller unter Führung von Tim Cook besser da als es notorische Skeptiker befürchtet haben. Und doch schwingt zum ersten Todestag von Steve Jobs das Unbehagen mit, ob Apple Kurs halten kann.

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Ein Jahr ist es her: Am 5. Oktober 2011 verstarb Steve Jobs. Die Welt verneigte sich vor dem größten Tech-Pionier der vergangenen hundert Jahre. Doch in die kollektive Trauer mischten sich gleichzeitig die Zweifel, wie es mit Apple ohne seinen visionären CEO weitergehen würde. Zwölf Monate später steht der iPhone-Hersteller unter Führung von Tim Cook besser da als es notorische Skeptiker befürchtet haben. Und doch schwingt zum ersten Todestag von Steve Jobs das Unbehagen mit, ob Apple Kurs halten kann.

Die bittere Nachricht kam nach Handelschluss. Steve Jobs, sechs Wochen zuvor als CEO von Apple ausgeschieden, erlag den Folgen seines schweren Krebsleidens. So wenig überraschend das traurige Ende auch war, so sehr berührte es auch jenseits der Apple-Gemeinde.

Keine Frage: Steve Jobs war der Thomas Alva Edison unserer Zeit. "Einer wie Picasso und Mozart", wie es Web-Unternehmer Marc Andreessen formulierte. US-Präsident Barack Obama ging noch weiter: "Steve Jobs ist eine der seltensten Heldentaten in der Menschheitsgeschichte gelungen: Er hat die Art und Weise, wie wir die Welt sehen, verändert."

Tim Cook bewahrt Steve Jobs’ Erbe

Ein Jahr später hat sich die Welt, in der wir leben und weiter Apple-Geräte benutzen, kaum merklich verändert: iPhones, iPads und Macs sind Bestseller, die nach immer neuen Rekordmarken streben. Ein Rekordquartal jagt das andere. So wie die Apple-Aktie, deren Wert sich in den vergangenen zwölf Monaten fast verdoppelt hat.
Das ist natürlich zum einen das Verdienst von Tim Cook, der als neuer CEO aus dem Schatten seines Vorgängers getreten ist, Apple bis zum iPhone 5-Launch ohne Fehl und Tadel geführt hat und in seinem ersten Amtsjahr sogar einige neue Akzente in der Kommunikation und Beziehung zur Wall Street – mit der Einführung einer Dividende – setzen konnte.   
Zum anderen wirft das Ökosystem, um das Steve Jobs seine iWelt gezimmert hat, fast automatisch immer reichere Erträge ab. Wie in einem Fünfjahresplan wird unter minimalen Anpassungen ausgeführt, was noch unter dem langjährigen Apple-CEO erarbeitet worden war – selbst beim iPhone 5 soll Jobs bis zu seinem buchstäblich letzten Tag die Finger im Spiel gehabt haben.

Steve Jobs und Tim Cook: Höchst unterschiedliche Krisenkommunikation

Und doch sind erste Risse erkennbar geworden – ausgerechnet in den Tagen vor dem traurigen Jubiläum. Das Desaster um Apples eigenen Kartendienst hat Spuren hinterlassen: Wäre eine solche stümperhafte Version des mobilen Betriebssystems auch unter Steve Jobs ausgeliefert worden?

Gleichzeitig ist die "Mapocalypse" Tim Cooks "Antennagate"-Moment. Sein Umgang mit der Krise unterscheidet sich fundamental mit Steve Jobs’ Auftreten nach den Empfangsschwierigkeiten nach dem iPhone 4-Launch. Ein genervter Jobs hielt eine legendäre Pressekonferenz ab und erklärte Kunden zum iPhone-Gebrauch: "Dann halt’s halt anders." Tim Cook entschuldigte sich öffentlich in Schriftform: Es tue ihm "äußerst leid", war im Offenen Brief zu lesen. Die PR-Szene lobte Cook für seine Krisenkommunikation, die Börse indes senkte den Daumen und strafte die Apple-Aktie ab.

Wie sieht Apple im Jahr 2015-2020 aus?

All das ist aber nicht mehr als ein Vorgeschmack auf das, was Apple in den kommenden Jahren erwartet, je länger der Schatten von Steve Jobs wird. Tim Cook ist der Bewahrer, der Jobs’ Erbe verteidigt und ausführt, was ihm sein Mentor mit auf den Weg gegeben hat.

Was kommt, scheint absehbar: Ein iPad mini, um den Tablet-Markt auch im unteren Preissegment abzusichern, ein modifiziertes iPhone 5S – und dann, vermutlich Ende nächsten Jahres, der nächste große Knall: Das lang erwartete iTV, das in seinem Prototyp in Cupertino längst bis zum Exzess gestestet werden dürfte. 

Die Frage ist weniger, wie die nächsten 12 Monate für Apple ausfallen werden und ob die Apple-Aktie, jetzt bei 666 Dollar, nach einem weiteren 50 Prozent Kurssprung in einem Jahr bei 1000 Dollar stehen wird. Sondern: Wie das Apple des Jahres 2015 aussieht, wenn der Techpionier in sein Raumschiff-Campus umzieht. Oder das Jahr 2020, wenn die nächste Manager-Generation um Scott Forstall oder Jony Ive übernehmen könnte?

Was würde Steve Jobs tun?

Die Mainstream-Presse hat in den vergangenen Tagen nach dem Mapocalypse-Debakel die üblichen Abgesänge gestartet, die seit Jahren zu hören sind, wenn der Kultkonzern aus Cupertino einmal Kratzer abbekommen hatte. "Hat Apple seinen Zenit überschritten?" fragte sich New York Times-Blogger Joe Nocera. Der renommierte Vermögensverwalter Doug Kass, der 2009 exakt das Ende der Finanzmarktkrise vorausgesagt hatte, erklärte bei TheStreet.com, Apple habe "seinen Antrieb und seine Bedeutung" verloren. Das Eine ist so spekulativ wie das Andere wenig bewiesen.

Eine Frage indes bleibt, und sie stellt sich ein Jahr danach mehr denn je: Was würde Steve Jobs tun? So ungerecht und so relativ das am Ende des Tages ist – Tim Cook und künftige CEOs müssen mit dem überlebensgroßen Erbe des Apple-Gründers leben. Dieses Unbehagen, den Kurs des größten Managers aller Zeiten möglicherweise nicht halten zu können, bleibt.

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