Mosley – die tickende Zeitbombe für Google

Publishing Der frühere Chef des Formel-1-Verbandes FIA, Max Mosley, und Bettina Wulff haben etwas gemeinsam: Beide haben ein Problem mit Google und klagen in Deutschland gegen den Internet-Konzern. Frau Wulff will verhindern, dass Google ihren Namen mit Rotlicht-Gerüchten verknüpft. Mosley will, dass Google aufhört, auf illegale Bilder von Sex-Parties mit ihm zu verweisen. In der Zeit erklärte er nun, dass er notfalls bis zur letzten Instanz gehen will. Für Google ist der Prozess eine tickende Zeitbombe.

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Tippt man in die Suchmaske bei Google den Namen der Ehefrau von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, “Bettina Wulff”, ein, dann schlägt die Suchmaschine allerlei Zeugs zum Rotlicht-Milieu vor. Tippt man bei Google den Namen des ehemaligen Formel-1-Chefs Max Mosley ein, dann wird sein Name von Google schnell mit den Begriffen “Party” und weiteren diffamierenden Begriffen ergänzt. Die illegalen Fotos wurden in Großbritannien von News of the World veröffentlicht, jener Zeitung, die wegen des Telefon-Abhörskandals mittlerweile eingestellt wurde.

Mosley führt seither einen Kampf vor Gerichten, um die weitere Veröffentlichung der Bilder zu verhindern. Im Zuge dessen hat er in der Vergangenheit auch schon die Bild-Zeitung verklagt, die Fotos aus einem illegalen Video mit Mosley nachdruckte. Später einigte man sich auf einen Vergleich. Mittlerweile ist aber ein Prozess wichtiger als alles andere und der dürfte nicht mit einem Vergleich enden: Vor dem Landgericht Hamburg verklagt Mosley Google. Er will das gleiche, wie Bettina Wulff: Die Suchmaschine soll aufhören, Nutzer bei der bloßen Eingabe seines Namens mit der Nase auf den alten, illegalen Schmuddel zu stoßen.

Google argumentiert in beiden Fällen gleich: Es sei nicht der Konzern, der diese Stichworte bereitstelle, sondern die Nutzer selbst. Google bilde mit einem Algorithmus nur das ab, was besonders viele Menschen in Zusammenhang mit “Max Mosley” und “Bettina Wulff” suchen. Es sei nicht Googles Problem, dass das halt Bilder von vergangenen Eskapaden oder böse Gerüchte sind. Google ist bereit, illegale Inhalte nach Bekanntwerden aus den Suchergebnissen zu entfernen, wehrt sich aber gegen eine Vor-Zensur durch Privatpersonen.

Und dies hat handfeste Hintergründe: Theoretisch wäre es zwar schon möglich, dass Google zum Beispiel die Mosley-Fotos vorfiltert. Das würde aber nach dem Stand der Dinge eine manuelle Nachkontrolle verlangen, will man auf Nummer Sicher gehen. Will heißen: Google müsste Mitarbeiter einsetzen, die kontrollieren, dass auch wirklich kein illegales Mosley-Foto mehr online von der Suchmaschine gezeigt oder verlinkt oder gefunden wird. Das mag bei den zur Debatte stehenden Fotos einer einzelnen Person noch ganz gut gehen. Was aber, wenn weitere Privatpersonen klagen, weil sie im Netz beleidigt wurden, wenn weitere Menschen klagen, weil es Bilder von ihnen gibt, die ihre Persönlichkeitsrechte verletzten etc.?

Sollten Max Mosley und Bettina Wulff Recht bekommen, käme solchen Urteilen ein Vorbild-Charakter zu. Am Ende einer solchen Entwicklung könnten tausende Prozesse stehen und unzählige Fälle, in denen Google Inhalte aus seinen Suchergebnissen vorfiltern muss. Das würde die Funktion der Suchmaschine unter Umständen einschränken und wäre zudem extrem teuer. Mit anderen Worten: Das Kerngeschäft von Google, die Internet-Suche, stünde zur Debatte. Die Klage von Max Mosley ist nun darum so gefährlich für Google, weil Mosley glaubhaft versichert hat, dass er den Prozess bis zum Ende ausfechten will. In der aktuellen Zeit sagte Mosley: “Ich werde soweit gehen wie ich muss. Nötigenfalls auch zum Bundesverfassungsgericht und zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.” Dass diese Instanzen in einer solchen zentralen Frage im Sinne von Google entscheiden würden, kann keineswegs als ausgemacht gelten. Für den Internet-Konzern ist der Mosley-Prozess eine tickende Zeitbombe.

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