Die Zeitung Junge Welt ringt um Existenz

Publishing Die linke Tageszeitung Junge Welt, einst die auflagenstärkste Zeitung der DDR, fürchtet um ihre Existenz. Wie der Verlag mitteilt, wird sich allein in diesem Jahr ein Fehlbetrag von 140.000 Euro ansammeln. Das weitere Erscheinen sei "nicht mehr gesichert", schreiben die Mitarbeiter ihren Lesern in einem Offenen Brief. Nun greift die Redaktion zu einem Mittel, das auch bei der taz geholfen hat: dem Rettungs-Aufruf an die Leser. Sie sollen in den kommenden zehn Wochen die Einstellung verhindern helfen.

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"Die Zeitung ist nur noch zu retten, wenn ausreichend zusätzliche Abonnenten gefunden werden können. Dazu müßte allerdings in den nächsten 10 Wochen einiges bewegt werden", teilte der Geschäftsführer des Verlags Dietmar Koschmieder am Freitag in Berlin mit. Sparmaßnahmen kämen nicht in Frage, weil die journalistische Qualität sonst in Mitleidenschaft gezogen würde, sagte Chefredakteur Arnold Schölzel.
Die Junge Welt wurde drei Jahre nach ihrer Einstellung 1995 wiederbelebt und versteht sich als "unabhängige linke, marxistische Tageszeitung". Der Verfassungsschutz ordnet das Blatt als "bedeutendes Printmedium" der radikalen Linken in Deutschland ein, heißt es in einer Pressemitteilung in eigener Sache. Darum bereiteten dem Verlag auch "juristische Angriffe von staatlichen Stellen, Einzelpersonen und politischen Organisationen" Probleme. Nach Verlagsangeben liegt die Auflage bei täglich 17.000 Exemplaren.
Für Personal gebe die Zeitung mehr aus als noch vor zwei Jahren, zudem seien Zeilengelder für Autoren verdoppelt worden. Redakteure hätten bisher auf Lohnerhöhungen verzichtet. Gleichzeitig sinke aber die Finanzkraft der Abonnenten. Die Technik in der Redaktion bedürfe einer Modernisierung, sie sei veraltet.  

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