Das allzu geschmeidige FAZ-Porträt

Publishing Die Frankfurter Allgemeine Zeitung porträtierte den Klambt-Verleger Lars Rose mit ganz geschmeidigen Worten. Facebook feierte die magische Zahl von einer Milliarde Mitgliedern weltweit mit einem Werbespot, in dem sich das Netzwerk mit einem Stuhl vergleicht. Die dapd-Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke verkündeten selbst die Pleite ihrer Agentur gewohnt lautstark und die Elefantenrunde der Medientage München präsentiert sich diesmal ein kleines bisschen zurechtgestutzt.

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Der Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gilt als äußerst kompetent. Und er ist es ja auch. Anfang der Woche setzten die Kollegen dort allerdings einen neuen Standard in Sachen “geschmeidiges Unternehmer-Porträt”. Da wurde der Klambt-Geschäftsführer Lars Joachim Rose so wortreich bewienert, dass einem direkt ein bisschen schwummrig werden konnte bei der Lektüre. “Der 43 Jahre alte Verleger spricht klar über die Lage der Branche”, hieß es da. Und: “Fast alle der 50 Zeitschriften sind profitabel, nur in zwei der jüngsten Titel steckt der Verlag weiter Geld. Dazu zählt das Mode- und Einrichtungsmagazin ‘Flair’, der neueste Schrei des Hauses, das im ersten Anlauf mehr als hunderttausend verkaufte Exemplare ausweist.” Daraufhin wurde der FAZ-Text geradezu poetisch: “Das gehört zum Prinzip des Verlags, der fest in Familienhand ist: Seit langem säen sie wie frische Bäume immer neue Titel, damit sie weiter den Erfolg ernten können – so erst haben sie ihr Umsatzwachstum möglich gemacht.” Das sind mal Sprachbilder: Die Roses säen "Titel wie frische Bäume", um "Erfolg zu ernten". Muss man erst mal drauf kommen. Rose “schritt stetig voran: Objektleiter, Verlagsleiter, Geschäftsführer. Abrupt folgte der finale Schritt zum geschäftsführenden Gesellschafter der Unternehmensgruppe.” Und schließlich: “Aus seinem Haus stammt eine Innovation, die ihresgleichen sucht: Klambt startet vor einem Jahr ‘my social petwork’, ein soziales Netzwerk für Tiere.” Nichts gegen den tollen Herrn Rose und seinen tollen Klambt-Verlag. Aber, liebe FAZ-Leute: Ein ganz kleines bisschen weniger dick auftragen beim nächsten Mal, meint ihr das geht?

Ganz schön dick aufgetragen hat auch Facebook in dieser Woche. Um zu feiern, dass sie jetzt eine Milliarde Mitglieder haben, veröffentlichten die Facebook’ler einen super-emotionalen Werbespot von ihrer Agentur Wieden & Kennedy. Das Filmchen, in dem Facebook u.a. mit einem Stuhl verglichen wird, schafft tatsächlich, so etwas wie Gänsehaut-Feeling aufkommen zu lassen. Und danach ist man sich ganz sicher: Facebook rettet die Welt! Oder doch eher Hans Zippert?

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Die Knallernachricht der Woche in der von uns allen so heiß geliebten Branche war natürlich die Pleite der Nachrichtenagentur dapd. Da weiß man ja gar nicht, was man zuerst machen soll: Rätselraten, warum die beiden Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke noch vor kurzem offenbar in dapd investiert und die Expansion weiter vorangetrieben haben oder doch lieber den Kopf schütteln über die Großmäuligkeit, mit der die beiden in der Vergangenheit dapd als modernes, Superduber-Medienunternehmen gehypt haben. Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter, die tatsächlich an das Unternehmen glaubten. Offenbar anders als die windigen Eigentümer.

Jetzt hamma auch schon wieder Oktober und unaufhaltsam, ja fast bedrohlich, nahen die Medientage München. Diesmal unter dem gefühlt schon vieltausendfach gehörten Motto: “Weichen stellen. Die neuen Gesetze der Medienwelt”. Kleiner Tipp: Irgendwas mit “Digital” hätte man vielleicht noch reinschreiben können. “Digitale Weichen” stellen beispielsweise oder: “Die neuen digitalen Gesetzte …” Über die Bühne geht die lieb gewonnene Laberei jedenfalls vom 24. bis 26. Oktober. Den Auftakt macht wie immer die so genannte “Elefantenrunde”, in der traditionell Großkopferte der Branche ritualisiert ihre sattsam bekannte Argumente austauschen. Neu ist diesmal, dass die Elefantenrunde von zwölf auf acht Teilnehmer gestutzt wurde. Das ist schon mal ein guter Ansatz, denn zwölf Teilnehmer waren schon immer viel zu viele. Diesmal sind dabei: Conrad Albert (Legal-Vorstand bei ProSiebenSat1), Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen, Thomas Kreuzer von der Bayerischen Staatskanzlei, Telekom-Chef René Obermann, WDR-Intendantin Monika Piel, RTL-Chefin Anke Schäferkordt und Stefan Tweraser von Google. Moderiert wird die Runde von Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel. Laut Medientage-Geschäftsführer Johannes Kors soll der Kongress diesmal überraschender werden als bisher, bzw. “noch überraschender” wie es offiziell natürlich heißt. Richtig überrascht hätte es freilich, hätte man den aus rein inhaltlichen Gesichtspunkten stets überflüssigen Vertreter der bayerischen Landesregierung auch noch aus der Elefantenrunde rausgeschmissen. Aber – schon klar – das ginge dann doch zu weit. A bisserl Proporz gehört halt dazu im schönen Bayernland.

Schönes Wochenende!

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