Dapd-Krise: „Nur ohne diese Eigentümer“

Publishing Das Interesse der dapd-Eigentümer Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, der insolventen Nachrichtenagentur dapd eine Zukunft zu ermöglichen, scheint nur gering ausgeprägt zu sein. Wie MEEDIA erfuhr, soll bereits Ende September Führungskräften der dapd Holding betriebsbedingt gekündigt worden sein. Dies ließe sich so interpretieren, dass die Agentur entweder verkauft werden kann oder Anfang Dezember in Berlin die Lichter ausgehen. Der Unmut über den Radikalschnitt der Eigentümer ist riesig.

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In der Holding, zu der 24 Tochterunternehmen gehören, arbeiten die Vorstände Martin Vorderwülbecke (Vorsitzender und Miteigentümer), Cord Dreyer (Geschäftsführer und Chefredakteur – abgetreten am 2. Oktober), Enno Bernzen (kam im November 2011) und Wolfgang Zehrt (dapd Video, ddp direct). Finanzvorstand Leonard Reznicek ist nach MEEDIA-Informationen bereits seit einigen Monaten nicht mehr im Unternehmen, die Hintergründe sind unklar. Seine Aufgaben hatte Eduard Regele übernommen. Ein halbes Dutzend weiterer Personen sind in der Holding tätig. Dem Vernehmen nach sollen bereits Ende September eine Reihe von betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen worden sein. Dies könnte bedeuten, dass seitens der Eigentümer wenig Interesse besteht, die Agentur weiterleben zu lassen. Es sei denn, es fände sich ein Käufer. Dies erscheint angesichts der schwierigen Marktlage für klassische Nachrichtenagenturen äußerst fraglich.
Fraglich ist derweil auch, ob beispielsweise das von der Insolvenz bisher nicht betroffene Frankreichgeschäft weiter betrieben werden kann oder soll. Die Bildagentur SIPA und AP Frankreich, die beide von der dapd Holding übernommen wurden, arbeiten angeblich beide mit negativen Zahlen. In Deutschland sind derweil zunehmend Stimmen aus dem Unternehmen zu hören, die ein Weitermachen mit neuem Konzept ohne Löw und Vorderwülbecke fordern. Eine Nachfrage von Kundenseite bestehe. "Es geht weiter nur ohne diese Eigentümer", sagt ein leitender Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will. Gefordert sei nun die Unabhängigkeit des Insolvenzgeschäftsführers Wolf von der Fecht. Der allerdings von den Eigentümern bestellt wurde. Eine Arbeitsgruppe, die dem neuen Geschäftsführer der insolventen Unternehmen zuarbeitet, besteht aus Enno Bernzen, Eduard Regele und Cord Dreyer. Alle sind aber Teil des alten Systems.
Die Eigentümer haben erstaunlicherweise bis zuletzt in das Unternehmen investiert. Nur ein Beispiel: Geplant war offenbar, nach dem Vorbild des dpa newslab ein Innovationslabor für neue digitale Geschäftsmodelle aufzubauen. Dessen zuständiger Chef Stefan Altenkamp, der seit 2010 die IT der Unternehmensgruppe verantwortete, gehört nach MEEDIA-Informationen zu den gekündigten Managern in der Holding.
Auch wegen solcher Pläne wird weiter gerätselt, warum die Eigentümer gerade jetzt den Stecker ziehen. Die Angaben über die Geldverbrennung im Unternehmen schwanken. Ein Insider rechnet mit rund 20 Millionen Euro Miesen für das vergangene wie für das laufende  Jahr. Die hohe Burn Rate war für die Eigentümer allerdings nichts Neues oder gar Überraschendes. Sie selbst haben diese seit dem Expansionskurs, den sie 2010 einschlugen, um den Rivalen dpa aus dem Feld zu schlagen, in Kauf genommen.
Einen möglichen Grund für die Hauruck-Entscheidung sehen Beobachter in der derzeitigen Entwicklung der Adler Modemärkte AG. Die Finanzinvestoren Löw und Vorderwülbecke halten über ihre Firma BluO unter anderem dieses Unternehmen. Im ersten Halbjahr verbuchte Adler einen Nettoverlust von 7,1 Millionen Euro und ein EBITDA von nur noch 0,7 Millionen Euro. Ob und wie die BluO-Beteiligungen und deren Entwicklung sich auf die Entscheidung, mit dapd in die Insolvenz zu gehen, ausgewirkt haben, ist allerdings völlig unklar.

Bereits im September hatte die dapd Nachrichtenagentur GmbH ihren Angestellten kein Gehalt mehr gezahlt. Das Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit reicht darum nur noch bis Ende November. Freie Mitarbeiter erhalten zunächst kein Geld. Die Wahrscheinlichkeit, dass die 300 bisher betroffenen Mitarbeiter am Ende ohne eine Perspektive dastehen, ist groß. "Anfang Dezember gehen hier die Lichter aus", prophezeit ein Mitarbeiter.

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