Lobo, Passig & die Zähmung der Web-Debatte

Publishing Sascha Lobo und Kathrin Passig haben, vermutlich ohne einen Funken Selbstdisziplin, die Dinge doch mal wieder geregelt gekriegt und legen mit “Internet - Segen oder Fluch” am 5. Oktober ein neues gemeinsames Buch vor. In einem Essay im aktuellen Spiegel verraten die beiden Autoren, was sie mit damit bezwecken wollen: die Debatte rund um das Internet beruhigen. Ein erfreulich unaufgeregter Ansatz und ganz nebenbei warten sie noch mit einer kleinen E-Book-Revolution auf.

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Sascha Lobo und Kathrin Passig haben, vermutlich ohne einen Funken Selbstdisziplin, die Dinge doch mal wieder geregelt gekriegt und legen mit “Internet – Segen oder Fluch” am 5. Oktober ein neues gemeinsames Buch vor. In einem Essay im aktuellen Spiegel verraten die beiden Autoren, was sie mit damit bezwecken wollen: die Debatte rund um das Internet beruhigen. Ein erfreulich unaufgeregter Ansatz und ganz nebenbei warten sie noch mit einer kleinen E-Book-Revolution auf.

Wer das Hardcover von “Internet – Segen oder Fluch” kauft, erhält nämlich ohne Mehrkosten die E-Book-Ausgabe dazu, noch dazu ohne elektronischen Kopierschutz. Als Leser muss man diesen überfälligen Schritt begrüßen. Danke, lieber Rowohlt Verlag! Bislang ist es nämlich sehr ärgerlich und unverständlich, warum man für ein und dasselbe Buch zweimal bezahlen soll, will man es sowohl als gedrucktes Werk, als auch als E-Book lesen. Langfristig wäre bei dieser Herangehensweise vermutlich das gedruckte Buch der Verlierer.

Und auch die elektronischen Kopierschutzmaßnahmen bei E-Books sind in erster Linie Ärgernisse für ehrliche Kunden. Verhindern sie doch, dass man ohne halb-illegale Maßnahmen z.B. offiziell gekaufte E-Books des weit verbreiteten ePub-Formats in ein Format konvertieren kann, das Amazons Kindle darstellen kann. Raubkopien und illegale Scans von Büchern und E-Books werden damit nicht verhindert, sondern befördert und nebenbei die monopolartige Stellung von Amazon gestärkt.

Inhaltlich will das eingespielte Autoren-Duo (“Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin”) Passig/Lobo zur Versachlichung in der Internet-Debatte aufrufen. Der nervige Dauerstreit zwischen Internet-Gegnern und Internet-Befürwortern soll damit entschärft werden, dass bei der jeweiligen Gegenseite um Verständnis für die andere Position geworben wird. Dazu heißt es u.a. im Vorwort: “Das fünfte Kapitel widmet sich der Disruption, also der schöpferischen Zerstörung und dem Umstand, dass es zwar aus der Ferne lustig anzusehen ist, wenn sie den Stummfilm oder irgendeine andere Branche dahinrafft, in der man nicht selbst tätig ist. Bis man kurz nicht aufpasst und der eigene Arbeitsplatz durch eine iPhone­App für neunundneunzig Cent überflüssig gemacht wird.”

Der Streit ums Netz, so argumentieren Passig und Lobo, sei außerdem gar nicht so neu. Im Kern gehe es um existenzielle Fragen, die schon seit Jahrhunderten debattiert werden, etwa um den Gegensatz von Freiheit und Sicherheit oder auch um Informationsüberflutung – ebenfalls ein im Kern altes  Phänomen. Dass sich hier zwei Leute aufmachen und einen Beitrag zur Zivilisierung und Zähmung einer Debatte leisten wollen, die mit den Einlassungen von Leuten wie Hirn-Professor Manfred Spitzer (“Digitale Demenz”) oder Piraten-Politikern Julia Schramm (“Klick mich”) zunehmend schrille Töne angenommen hat, kann man nur begrüßen.

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