Die rätselhaften “Flair”-Verkaufszahlen

Publishing Spiegel-Mitarbeiter werfen uns auf Twitter “dümmliche Niedertracht” und “viel Meinung, null Recherche” vor, weil wir über das Interview von Stefan Niggemeier mit Jan Fleischhauer zum Kohl-Titel berichtet haben. Petra Gerster hat im “heute journal” “alarmierend” und “alarmistisch” verwechselt. Die neue Promi-News-Agentur von Spot on ist eine echt bunte und witzige Truppe. Und beim Grosso wundert man sich über die fabelhaften Verkaufszahlen der neuen Klambt-Zeitschrift Flair.

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Das neue Spiegel-Blog macht ja wirklich ernst in Sachen Selbstkritik. Das schonungslose Interview, das Stefan Niggemeier dort mit Jan Fleischhauer zu der schlimmen Kohl-Titelstory von dieser Woche geführt hat, ist ein bemerkenswertes Dokument der Binnen-Hygiene. Unsere Berichterstattung darüber hat den einen oder anderen Spiegel-Mitarbeiter so sauer gemacht, dass man uns auf Twitter “dümmliche Niedertracht” und „Bösartigkeit“ (Mathieu von Rohr, Spiegel-Büro Paris) und “viel Meinung, null Recherche” (Spiegel-Ressortleiter Holger Stark) vorwarf. Meine Herren, bewahren sie doch bitte die Contenance! Mittlerweile hat es der Spiegel ja sogar geschafft, das Spiegel-Blog auf seiner Homepage zu verlinken. Der Link fehlte in den ersten Tagen und sorgte auch für Nachfragen via Twitter. Nun ist das Spiegel-Blog, recht unscheinbar zwar, auf der Homepage von SpOn vertreten. Wir begrüßen das alles ausdrücklich und sind gespannt, wie die neue Selbstkritik-Welle beim Spiegel weitergeht.

“Die Studie ist alarmierend.” So moderierte Petra Gerster in der “heute"-Sendung vom 20. September einen Beitrag über die Genmais-Studie des Franzosen Gilles-Éric Séralini an. “Die Studie ist hoch umstritten”, wäre womöglich die bessere Anmoderation gewesen. Ergebnis der zitierten Studie ist, dass der Verzehr von Genmais bei Versuchsratten zu einem deutlich höheren Krebsrisiko führt. Allerdings ist die Studie in Wissenschaftskreisen umstritten. Auch Wissenschaftler, die keine Verbindung zu der Genmais-Firma Monsanto haben, um die es in der Studie geht, zweifeln die Ergebnisse an. Kein Wort dazu allerdings in dem doch sehr alarmistischen “heute journal”-Beitrag. Ein Verweis auf die Kritik an der Studie hätte für die Zuschauer ein vollständigeres Bild abgegeben.

Da hat die dapd für ihre neue Promi-News-Agentur Spot on aber eine echt bunte Truppe zusammengewürfelt. Chefredakteur Tobias Lobe war mal Politik-Ressortleiter und Chefredaktionsmitglied bei Bunte. Der frühere Bunte-Textchef Norbert Lewandowski soll als Editor-at-Large den Newsdesk steuern und Ex-Bunte-Autor Christian Schommers soll den Chef beraten. Als einen der ersten Kunden hat das Ex-Bunte-Team die WAZ an Land gezogen und beliefert sie u.a. mit Spitzen-Witzen wie diesem hier:

Kurz nachdem Burda für seine neue Frauenzeitschrift Cover 105.000 verkaufte Exemplare gemeldet hatte, meldete der Klambt Verlag für seine neue Frauenzeitschrift Flair via Pressemitteilung 102.000 verkaufte Exemplare. Da scheint ja noch ordentlich Luft zu sein, im monatlichen Frauenmarkt. Im Handel wundert man sich allerdings so ein bisschen, wie die fabelhaften Flair-Zahlen zustande kommen. Wie aus mehreren Quellen aus Grosso-Kreisen zu hören ist, soll der Grosso-Verkauf von Flair deutlich unter 40.000 gelegen haben. Rechnet man noch großzügig rund 10.000 Exemplare aus dem Bahnhofsbuchhandel dazu und üppige 5.000 aus dem Auslandsverkauf, landet man bei maximal 50.000 bis 55.000 Exemplaren. Was mit dem Rest der als verkauft gemeldeten Flair-Auflage passiert ist? Klambt-Pressesprecher Jonas Schmieder hat ganz andere Zahlen. Er sagt, im Grosso- und Bahnhofsbuchhandel habe Flair zwischen 60.000 und 65.000 Exemplare verkauft. Der Rest sei Bordauflage und Abos. Wieviele Abos genau von Flair jetzt schon verkauft worden sind, konnte er nicht beziffern. Irgendjemand scheint sich da verrechnet zu haben.

Und zu guter Letzt hier noch ein kleiner Schnappschuss von den Österreichischen Medientagen, den wir Ihnen auf gar keinen Fall vorenthalten wollen:

Schönes Wochenende!

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