Abbitte vor “Roche & Böhmermann”

Fernsehen Die allererste “Roche & Böhmermann”-Sendung haben wir bei MEEDIA verrissen. Die beiden Talk-Azubis würden Chancen für interessante Gespräche in einer Überdosis Pennäler-Ironie ertränken. Nun, man muss auch mal zugeben, wenn man gewaltig daneben lag. Und es gilt, Abbitte zu leisten: “Roche & Böhmermann” ist wohl das Überraschendste und Frischeste, was man im Fernsehen derzeit schauen kann. Die gestrige Vor-Halloween-Sendung mit Roberto Blanco und Christoph Lauer war das beste Beispiel.

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Haben “Roche & Böhmermann” jetzt also ihr Format gefunden, war die Sendung am Anfang schlecht und ist jetzt plötzlich lustig? Nee. Zugegebenermaßen war die Sendung vermutlich schon gleich zu Beginn lustig und unsereins bloß zu borniert und/oder doof, um das zu kapieren. Wer tatsächlich “interessante Gespräche” bei “Roche & Böhmermann” sucht, ist schief gewickelt. Die Show ist pure Unterhaltung und vor allem Überraschung.

Wenn Roberto Blanco unverblümt nach seinen dreisten Gagen-Forderungen (2.000 Euro, wovon er dann 1.000 bekam) für den Talkshow-Auftritt gefragt wird, ist das ein kleiner Tabubruch im Fernsehen. Umso interessanter zu sehen, wie souverän Blanco darauf reagierte. Oder eine “Halloween”-Sendung am letzten September-Sonntag anzukündigen. Oder diese geheimnisvolle kleine Kiste, auf die während der Show mehrfach mit bedrohlicher Musik gezoomt wurde. Ganz am Ende, als sich die beiden Gastgeber in gewohnt offener Manier (“Christoph Lauer – unglaublich arrogant”) über die Gäste unterhielten, wurde die Kiste und der dazugehörige Schlüssel, der die ganze Zeit über um Jan Böhmermanns Hals baumelte, angesprochen – natürlich wurde nicht aufgelöst, was drin ist.

Im Gedenken an Christoph Schlingensief verordnete sich die Runde am Ende der Show noch zwei Minuten Schweigen. Tierfilmer Andreas Kieling wisperte “Das schneiden die doch eh raus…” und wurde von Böhmermann zur Ruhe gemahnt. Wieder ein toller Moment, alleine wenn man sich vorstellte, dass jemand durch Zufall genau in dieser Sekunde am späten Sonntagabend aus Versehen zdf.kultur einschaltet und sieht, wie Roberto Blanco, Andreas Kieling, Schauspieler Christian Berkel und Anna Thalbach an einem Tisch sitzen und nichts sagen.

Überhaupt ist es mit das größte Vergnügen an der Show, das Mienenspiel der Medienprofis am seltsamen Dr.-Seltsam-Tisch zu beobachten. Die sichtliche Irritation bei Kieling, wenn seine Geschichten über Elefantenfriedhöfe abgewürgt werden. Oder dass der Piraten-Politiker Lauer die ganze Sendung über penetrant raucht und keiner verliert ein Wort darüber. Wahrscheinlich auch wieder eine ironische Anspielung auf Political Correctness oder eine Reminiszenz an alte Talkshows aus den 70ern, bei denen ja auch geraucht wurde, oder einfach nur … was weiß ich, egal.

Der Fehler, den man beim Zuschauen von “Roche & Böhmermann” machen kann, ist in alles etwas hineininterpretieren zu wollen. So auch bei der ersten MEEDIA-Besprechung zu Show. Dabei sollte man einfach nur zuschauen und sich freuen, dass man am Sonntagabends eine Stunde lang fernsehen kann, ohne dass man vorher weiß was passiert und einem sturzlangweilig dabei ist. Das ist doch schon viel.

Die Sendung vom 30. September in der zdf.mediathek

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