Und noch ein PR-Debakel für Facebook

Mark Zuckerberg hat es nicht leicht: Der total verunglückte Börsengang macht dem weltgrößten Social Network seit Monaten zu schaffen, die Analysten bemängeln eine fehlende Mobilstrategie, und nun stellen Nutzer Facebook erneut an den Pranger. Der Vorwurf, das Social Network hätte Privatnachrichten vor 2009 in einzelnen Fällen öffentlich gemacht, scheint haltlos. Doch dass Nutzer und Medien auf den Zug aufspringen, unterstreicht das Glaubwürdigkeitsproblem, das Facebook längst hat.

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Mark Zuckerberg hat es nicht leicht: Der total verunglückte Börsengang macht dem weltgrößten Social Network seit Monaten zu schaffen, die Analysten bemängeln eine fehlende Mobilstrategie, und nun stellen Nutzer Facebook erneut an den Pranger. Der Vorwurf, das Social Network, hätte Privatnachrichten vor 2009 in einzelnen Fällen öffentlich gemacht, scheint haltlos. Doch dass Nutzer und Medien auf den Zug aufspringen, unterstreicht das Glaubwürdigkeitsproblem, das Facebook längst hat.

Was haben Bettina Wulff und Facebook gemeinsam? Beiden wurden Dinge nachgesagt, die sich als haltlos erwiesen haben. Doch in beiden Fällen scheint es so, als wäre trotzdem nicht alles wie vorher.   

Facebooks Bettina-Wulff-Moment kam diese Woche, als sich die Neuigkeit wie ein Lauffeuer verbreitete, dass private Nachrichten plötzlich auf der Pinnwand landen würden – nicht aktuelle, sondern längst vergangene aus den Jahren vor und um 2009. Das Gossip-Blog Gawker und TechCrunch hatte Meldungen in den Online-Ausgaben der französischen Tageszeitungen Le Monde, Le Matin und Metro France aufgegriffen, die von dem Vorfall berichteten.

Wurden private Nachrichten öffentlich?

Auslöser der Nachrichtenverwirrung war die Anpassung der alten Profile auf den im vergangenen Jahr eingeführten neuen Timeline-Standard, der offenbar in den vergangenen Tagen in der französischen Version von Facebook übergreifend vollzogen wurde.

Der Beschwerdeschwarm brach los: "Facebook berichtet mir, dass 2007 1200 Leute und 2008 1500 Leute auf meine Pinnwand geschrieben hätten. Als ich mir die Nachrichten noch mal angeschaut habe, wurde mir klar, dass das private Nachrichten von heutigen Professoren und Übersetzern waren, die damals Sex wollten. Toll und sehr, sehr, sehr persönlich. Verpiss Dich, Facebook", schreibt eine Nutzerin im Gästebuch bei Gawker.   

Auch Bild.de will Nachrichtenfehler beobachtet haben

Nun ist es mit der Wahrnehmung der Realität so eine Sache – besonders, wenn sie vier und fünf Jahre lang zurück liegt. Tatsächlich haben sich die Nutzungsgewohnheiten seitdem geändert: 2007 oder 2008 wurden persönliche Botschaften wie Verabredungen oder sogar Telefonnummern fraglos öfter an die Pinnwand geschrieben. Aber Sex-Angebote?

Die Nachprüfbarkeit von anonymen Nutzerkommentaren tendiert fraglos gegen null. Alarmierend für Facebook muss allerdings sein, dass sich der Aufruhr um die vermeintlich unterwanderte Privatsphäre rund um den Globus verbreitete: Auch Leser von TechCrunch oder Bild.de wollen Nachrichten in ihrer Timeline entdeckt haben. "Auch in der Bild-Redaktion taucht der Fehler auf", ist bei Bild.de seit gestern Nachmittag zu lesen.

Facebooks Dilemma: "Ein Problem lösen, das es nicht gibt"

Facebook selbst wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe und erklärte nach umgehenden Nachprüfungen, man sei "zufrieden, dass es zu keinem Verstoß der Privatsphäre" gekommen wäre. Das muss man Facebook abnehmen: Für ein börsengelistetes Unternehmen, wie es das weltgrößte Social Network seit Mai ist, wäre eine solch eklatanter Missachtung von Datenschutz-Richtlinien ein absoluter Super-GAU, der fraglos Klagen jeglicher Art nach sich ziehen würde. Technisch ist der Bug auch nicht gerade naheliegend.  

Rechtlich und inhaltlich hat Facebooks also wohl nichts zu befürchten. Doch damit ist die Sache nicht bereinigt: "Facebook hat ein schwelendes Problem und keine Lösung dafür", legt der Business Insider den Finger in die Wunde. "Das sind schreckliche Neuigkeiten für Facebook. Wenn es ein Software-Problem gebe, könnte Facebooks eine Programmierlösung finden. Aber es kann kein Problem lösen, das es nicht gibt", so die fatale Schlussfolgerung des US-Techblogs.

Nur allzu deutlich zeigt sich in dem Nachrichtenwirrwarr, das keines ist, Facebooks eigentliches Dilemma – das Glaubwürdigkeitproblem. Zu lange und zu oft hat Facebook seine Nutzer über die Jahre mit unklaren und undurchschaubaren Produktupdates verwirrt, bei denen manches, was privat war, nun öffentlich wurde und gelernte Anwendungen durch neue Voreinstellungen zu öffentlicheren Mitteilungen führten als gewohnt oder gewollt. 

Für das weltgrößte Social Network, das in diesen Tag die eine Milliarde-Nutzer-Grenze überschreiten könnte, sind das beunruhigende Nachrichten. Wieder einmal. 

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