Ernst Elitz‘ wirre Rätsel-Rede beim BDZV

Publishing Ernst Elitz, der frühere Intendant des Deutschlandradios, hielt beim Kongress des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) eine Keynote zum Thema Qualität im Journalismus. Was der kurzfristig für Stefan Aust eingesprungene Elitz den versammelten Verlegern zu sagen hatte, sollte wohl kritisch sein. Seine Ansprache war aber voll mit Plattitüden und rätselhaft wirren Bemerkungen. Und gipfelte in einem Vorschlag, der an Realitätsferne kaum noch zu überbieten sein dürfte.

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Angestrengt schnaufend versuchte Professor Ernst Elitz, den anwesenden Zeitungsverlegern die Leviten zu lesen. Es war keine besonders dankbare Aufgabe, denn Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust war eigentlich für den Vortrag eingeplant gewesen, hatte aber kurzfristig abgesagt. Nachdem man Elitz‘ Einlassungen zur Qualität im Journalismus gehört hat, muss man zum Schluss kommen, es wäre besser gewesen, die Zeitungsverleger hätten die Rede ganz gestrichen und wären gleich zum Mittagessen übergegangen.

Elitz echauffierte sich über die Mohammed-Karikaturen in der Pariser Zeitschrift Charlie Hebdo und der Titanic, die ja “auch irgendwie zur Branche” gehörten. Mit dem Mohammed-Schmähvideo hätten Rechtsradikale den Ton vorgegeben, andere folgten nun mit dem Zeichenstift. “Peinlicher war Journalismus selten”, so Elitz. Er meinte, man hätte auch die fundamentalistischen Videomacher “aufs karikaturistische Korn” nehmen können. Bei aller Steilheit dieser These: Dass die Titanic gar keine Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hat, war ihm wahrscheinlich entgangen. Elitz’ verquaste Schlussfolgerung: “Wer als Journalist blind dem Mainstream folgt, kann sich schnell in trüben Gewässern wiederfinden.” Wollte er damit die Urheber des Mohammed-Schmähvideos als Mainstream bezeichnen? Was meinte der Mann damit?

Als nächstes spießte Elitz die Wulff-Affäre auf. Also die alte Affäre mit dem Hauskredit, nicht die neue mit dem Buch. “In dieser Affäre hat sich der Journalismus als Meister des Copy-and-Paste Verfahrens erwiesen. Die einen recherchieren, die anderen drucken das Recherchierte freihändig nach und geben als eigene Leistung den erhobenen Zeigefinger des Kommentators dazu.” Recherche koste Geld, die Empörung sei “wohlfeil” und “Billig-Journalismus”, so Elitz. Nur: Wen meinte er? Wer soll da in der Wulff-Affäre von wem abgeschrieben und sich “wohlfeil” empört haben?

Bei der Guttenberg-Affäre wiederum warf er den Journalisten vor, die Recherche-Arbeit den “netzaffinen Laien” überlassen zu haben. ”Mit Qualität und Relevanz hat dieser journalistische Dämmerzustand nichts zu tun.” Noch bevor man mit dem Stirnrunzeln nachkommen konnte, leitete er über zu einer wieder rätselhaften Kritik an Pseudo-Kommunikation mit Lesern. Elitz: “Ich wundere mich manchmal, was die Kollegen den ganzen Tag über treiben, die ihre Leser mit der Bekanntgabe ihrer E-Mail-Adresse zu einem dauerhaften Dialog auffordern. Mal ehrlich, entweder meldet sich keiner, oder der Redakteur kommt gar nicht mehr zum Schreiben, oder es ist tatsächlich so, dass das Redaktionsbudget so angelegt ist, dass ein Tag in der Woche für eine wirklich substanzielle Leserkommunikation freigeschaufelt ist.” Laut Elitz führe jedes unbesetzte Telefon, jede “E-Mail-Funktion ‘Bin nicht zu erreichen’, jede Endlos-Warteschleife die vom Heiligenschein umkränzte Dauerkommunikation mit dem Leser ad absurdum.” Erneut drängte sich dem Zuhörer die wohlfeile Frage auf: Hä? Der ehemalige Deutschland-Radio-Intendant forderte noch sattsam Bekanntes, wie Verständlichkeit (die für ihn offenbar vor allem “Komplexitätsreduktion” bedeutet), weniger Politiker-Interviews und: “Selber schreiben ist kreativ.”

Dann aber kam der verstörende Teil seiner zehnminütigen Ansprache. Ernst Elitz wandte sich dem Thema Online zu. Online gebe der Zeitung endlich die Chance, in puncto Aktualität mit den elektronischen Medien gleichzuziehen. Online sei ein Segen. Und: “Gewinnen wird der, der schon während eines Ereignisses Einordnung und Kommentierung bietet. Diese Schnelligkeit macht neben Komplexitätsreduzierung und Verständlichkeit die Qualität des Journalismus aus: Welterklärung im Minutentakt.” Das ist nun ganz was Neues: Schnell aus der Hüfte geschossene Kommentare, möglichst in Simpel-Sprache, sind also die neue Qualitätsmaxime? Hat Professor Elitz da nicht eine Kleinigkeit vergessen: Nämlich, dass das auch alles möglichst stimmen sollte, was man da im Minutentakt an “Welterklärung” so hinausposaunt?

Für die Elitz’sche “Welterklärung im Minutentakt” seien seiner Meinung nach die “mäßig bezahlten Mitarbeiter” der Online-Redaktionen aber die Falschen. “Da müssen die älteren, erfahrungsreichen Kollegen ran, die geprüften Welterklärer.” Er hat das tatsächlich gesagt: “geprüfte Welterklärer”. Die Jüngeren seien besser eingesetzt, wenn sie mit längerer Überlegung die Ausgaben für den nächsten Morgen “auffrischen”. “Alt ins Netz, Jung in den Print (sic!), das wäre doch mal was. Das würde die Online-Auftritte der Blätter und auch das Gedruckte journalistisch relevanter machen.”

So schloss Ernst Elitz seine Ansprache vor den deutschen Zeitungsverlegern. Kein Wort von den echten Herausforderungen und Problemen der Zeitungsbranche, von denen es ja nun wahrlich nicht wenige gibt. Was ist mit dem Spardruck in den Redaktionen (Beispiel WAZ), was ist mit der ungeklärten Frage nach Digital-Erlösen? Wie löst man das Problem, dass bei der schnelle Taktung der Digitalmedien Fact-Checking und Qualität oft auf der Strecke bleiben, was ist mit dem unseligen Leistungsschutzrecht? Kein Wort dazu. Stattdessen eine unvergleichliche Formulierung wie “Welterklärung im Minutentakt”. Ernst Elitz’  Schlusssätze in dieser Keynote waren nicht mehr wirr und rätselhaft, sondern nur noch ein Zeugnis erschütternder Realitätsferne.
Hier gibt es einen Audio-Mitschnitt der Rede.

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Alle Kommentare

  1. Hallo Herr Winterbauer, glauben Sie ernsthaft, dass Sie noch jemand ernst nimmt ? der “ Mainstream“ ist schon an vielen unglaublichen DIngen beteiligt zb Kriegshetze, Volksverhetzung usw, also Sie sind garnicht in der Position irgend jemanden zu kritisieren. Recherchieren Sie bevor Sie etwas schreiben und nicht umgekehrt…Sie übernehmen anscheinend einfach nur Meldungen die man Ihnen zuwirft (unter zwang) alle müssen anscheinend das gleiche berichten…an was erinnert mich das nur 😉

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