Wie sich die Zeitungsverleger positionieren

Publishing "Wir müssen die Jugend ansprechen" – Verlegerpräsident Helmut Heinen hat den Zeitungskongress in Berlin mit einem Appell an seine Kollegen eröffnet. Auftrag: "Mehr Mut zur Emotion", "näher an die Lebenswirklichkeit rücken", aber: "Zeitungen dürfen nicht den Politclown geben." Apropos Politik: Von der fordern die Verlage Rahmenbedingungen, um ihre Geschäftsmodelle erfolgreich weiterzuführen. Also: Leistungsschutzrecht und Reform der Pressefusionskontrolle olé, Tagesschau-App und Google pfui.

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Der Verlegerverband positioniert sich seit einigen Monaten deutlich offensiver als bisher. Will heißen: Seine Vertreter wie Verbandspräsident Heinen betonen, dass die deutschen Verlage "wirtschaftlich stark" sind. Voraussetzung für den künftigen Erfolg sei allerdings, dass Verlage "größere unternehmerische Einheiten" bilden dürfen. Mit anderen Worten: Übernahmen müssen leichter als bisher möglich sein. Eine Reform der Pressefusionskontrolle, für die Verleger lange und harte Lobbyarbeit betrieben haben, wird voraussichtlich in diesem Herbst von Bundesrat und Bundestag beschlossen. Heinen sprach selber von einer "behutsamen Lockerung".

Der Verlegerpräsident glaubt, dass nun die Zeit gekommen sei, um "Reichweiten in Einnahmen umzumünzen". Verlage wollten "als Gewinner aus der Digitalisierung hervorgehen": "Das Glas unserer Reichweite war noch nie so voll." Es brauche aber weitere zusätzliche Geschäftsmodelle – analog und digital. Als Mutmacher zitierte Heinen den Investor Warren Buffett, der vor einigen Monaten gleich 63 Lokalzeitungen auf einen Schlag kaufte.

Auf der medienpolitischen Seite stehen auf der To-Do-Liste der Verleger: Leistungsschutzrecht durchsetzen ("unerträglicher Zustand, dass Inhalte ungehemmt genutzt werden"), Liberalisierung des Briefmarktes erreichen ("würden bedauern, wenn es nicht dazu kommt"), Google in die Schranken weisen (Sorge vor "Intransparenz" der Algorithmen), Tagesschau-App ("Problem ist nicht gelöst"). Im letzteren Fall steht in wenigen Tagen ein Urteil des Kölner Landgerichts an, ob die ARD ihre App weiter in der bisherigen Form anbieten kann – die Verleger kritisieren Presseähnlichkeit. Nach Verkündung des Urteils seien die Verleger gegebenenfalls bereit, wieder in Verhandlungen mit der ARD einzusteigen. Es sei aber auch möglich, dass die EU-Kommission "in Kenntnis gesetzt" werden müsse, dass die Verhältnisse zwischen Zeitungsverlagen und Öffentlich-Rechtlichen nicht klar geregelt seien.

Medienpolitik wird auf dem Zeitungskongress groß geschrieben – Tagesmoderator Claus Strunz spricht am Nachmittag mit Olaf Scholz (SPD), Franz-Josef Jung (CDU), einem Vertreter der Piratenpartei (Piratenchef Bernd Schlömer hat abgesagt) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Einen Punkt setzte bereits Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, der zu den führenden Medienpolitikern der SPD gehört. Zwei Eingeschaften seien nicht hilfreich: Furcht und Gier.

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