Springer dementiert Monster-Kaufpläne

Es gab schon mal bessere Zeiten für Axel Springer – zumindest an der Börse. Die Aktie will 2012 nicht so recht vom Fleck, das Wachstum verlangsamte sich bei den jüngsten Quartalsbilanzen zusehends. Da regt eine Meldung der britischen Financial Times die Fantasien an: Das Blatt sagt den Berlinern nachhaltiges Interesse am amerikanischen Job-Portal Monster nach. Eine Übernahme wäre ein Milliardendeal. Problem nur: Springer hat offenbar null Interesse und das der FT auch so gesagt.

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Es gab schon mal bessere Zeiten für Axel Springer – zumindest an der Börse. Die Aktie will 2012 nicht so recht vom Fleck, das Wachstum verlangsamte sich bei den jüngsten Quartalsbilanzen zusehends. Da regt eine Meldung der britischen Financial Times die Fantasien an: Das Blatt sagt den Berlinern nachhaltiges Interesse am amerikanischen Job-Portal Monster nach. Eine Übernahme wäre ein Milliardendeal. Problem nur: Springer hat offenbar null Interesse und das der FT auch so gesagt.
Wie ein Verlagssprecher auf MEEDIA-Anfrage mitteilt, sei die britische Zeitung bereits vor einer Woche darauf hingewiesen worden, dass an entsprechenden Gerüchten nichts dran sei. Der Sprecher wörtlich: "Wir haben kein Angebot abgegeben und beabsichtigen auch in keiner Weise, das zu tun."
Spekulationen wie die von der Financial Times sind vor dem Hintergrund eines insgesamt wenig befriedigenden Börsenjahrs für Springer zu sehen: Gerade mal um sechs Prozent ging es seit Januar nach oben – und das im Superbörsenjahr 2012, in dem sowohl die Benchmark MDax als auch der Dax bislang um stattliche 25 Prozent abgezogen sind.
Die Axel Springer AG als Börsenunderperformer: Ganz neu ist das Bild nicht. Im vergangenen Jahr büßten Aktionäre sogar 19 Prozent ihres Kapitals ein. Bei nur noch rund 35 Euro notieren die Berliner bereits zweistellig unter den Jahreshochs, fast 20 Prozent unter den Jahreshoch von 2011 und rund 25 Prozent unter dem inzwischen mehr als fünf Jahre alten Allzeithoch aus dem Jahre 2007. 
Und das, obwohl Konzernchef Döpfner erst letztes Jahr stolz den "Wendepunkt in der Struktur des Unternehmens" verkündete, nach dem Europas größter Zeitungsverlag inzwischen mehr Umsätze mit Online- als mit Printwerbung vorweisen konnte.     
Keine Frage: Das Digitalgeschäft ist Springers Wette auf die Zukunft, entsprechend aggressiv wurde zuletzt zugekauft: Ende August sicherte sich der MDax-Konzern MeineStadt.de für kolportierte 50 Millionen Euro; 75 Prozent am polnischen Internetportal Onet.pl gingen für 217 Millionen Euro im Joint Venture mit Ringier im Juni an Springer, während zwei Monate die führende britische Jobbörse Totaljobs von Europas größten Zeitungsverlag für 132 Millionen Euro übernommen wurde
Glaubt man der britischen Online-Ausgabe der Financial Times könnten die aber nur ein Vorgeschmack für den größten Coup der Unternehmensgeschichte sein: Doch die im Blogsegment Alphaville berichtete Absicht einer Übernahme der weltgrößten Jobbörse Monster ist augenscheinlich bei Springer kein Theam – auch wenn sie nach nach den bereits erfolgten Einstiegen bei Totaljobs und Stepstone in Deutschland vermeintlich perfekt in Springers Digitalportfolio passen würde. 
Passend zu den Übernahme-Gerüchten teilten die Berliner heute mit, dass sie ihre auslaufende Kreditlinie von ursprünglich 1,5 Milliarden Euro auf künftig 1,4 Milliarden Euro erneuert hätten. Dazu hat das Medienhaus einen revolvierenden Kredit über 900 Millionen Euro abgeschlossen. "Mit der erneut gesicherten Liquiditätsversorgung von insgesamt 1,4 Milliarden Euro haben wir ausreichenden Spielraum für die weitere Umsetzung unserer digitalen Wachstumsstrategie", kommentiert Springers Finanzvorstand Lothar Lanz den neuen revolvierenden Kredit. Das habe aber nichts mit einer anstehenden Mega-Übernahme zu tun, so ein Sprecher: "Hier einen Zusammenhang zu konstruieren, ist komplett aus der Luft gegriffen."
Dass die Börse aber auch offensichtlich aber auch haltlose Spekulationen in den Kurswert einpreist, kann man am Verlauf der Springer-Aktie ablesen: Seit die Gerüchte Ende vergangener Woche kursierten, verlor das Papier fast fünf Prozent an Wert.
Die Analysten der Berenberg Bank beließen daraufhin zwar die "Halte"-Empfehlung mit einem Kursziel von 40 Euro, gaben aber zu bedenken, dass Springers Gewinn je Aktie durch die Übernahme erheblich verwässert werden könnte. Barclays empfiehlt Anlegern unterdessen gar die Anteilsscheine von Springer "unterzugewichten". Das Kursziel ist das aktuelle Kursniveau: 35,50 Euro. 

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