Print-Spiegel startet ein Redaktions-Blog

Publishing Der gedruckte Spiegel öffnet sich dem Internet – ein wenig zumindest. Denn am Samstag hat die Print-Redaktion des Nachrichten-Magazins ein eigenes Weblog gestartet, um laut Chefredakteur Georg Mascolo Einblicke „in die Arbeit der rund 200 schreibenden Spiegel-Redakteure, 87 Dokumentationsjournalisten und der weiteren Verlagsabteilungen“ zu liefern. Neben dem Blattmacher ist Stefan Niggemeier mit bislang drei Postings der einzige Autor des neuen Redaktionsangebotes.

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Der gedruckte Spiegel öffnet sich dem Internet – ein wenig zumindest. Denn am Samstag hat die Print-Redaktion des Nachrichten-Magazins ein eigenes Weblog gestartet, um laut Chefredakteur Georg Mascolo Einblicke „in die Arbeit der rund 200 schreibenden Spiegel-Redakteure, 87 Dokumentationsjournalisten und der weiteren Verlagsabteilungen“ zu liefern. Neben dem Blattmacher ist Stefan Niggemeier mit bislang drei Postings der einzige Autor des neuen Redaktionsangebotes.

Das neue Spiegel-Blog

„Die Arbeit von uns Journalisten endet längst nicht mehr mit der Publikation dessen, was wir recherchiert haben“, schreibt Mascolo in seinem Eröffnungs-Posting. „Wir wollen deshalb hier am Gespräch über unsere Arbeit teilnehmen – etwa indem wir über den Ablauf, aber auch die Folgen und Auswirkungen von Spiegel-Recherchen berichten“.
Tatsächlich finden die meisten Debatten über aktuelle Storys des Nachrichtenmagazins längst im Internet statt. „Betroffene melden sich zu Wort, Blogger sezieren Thesen und Argumente, Leserinnen und Leser loben und kritisieren unsere Geschichten“, schreibt Mascolo weiter. Dies sei Ausdruck einer skeptischen und kritischen Öffentlichkeit. Mit ihrem neuen Blog wollen die Hamburger nun Teil „dieser Konversation sein“.

In einem der ersten Postings benennt die Redaktion schon einmal mit angenehmer Offenheit zwei Schnitzer aus der letzten Nummer. So war das Todesdatum von Franz Josef Strauß in einer Infografik falsch, genauso wie die Ordensbezeichnung. So schrieb das Nachrichtenmagazin über ein altes Cover aus dem Jahr 1962, auf dem der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr Friedrich Foertsch in vollen Ornat zu sehen war, dass dieser ein „Eisernes Kreuz“ trug. Tatsächlich ist es ein Ritterkreuz. Auch die riesige Dokumentation des Spiegels kann also nicht jeden Fehler verhindern.
Es wird spannend sein zu beobachten, ob die Redaktion wirklich das Blog nutzt, um auf aktuelle Diskussionen rund um ihre Recherchen und Veröffentlichungen zu reagieren. Wie hätte sich beispielsweise die Debatte um die Gülen-Bewegung entwickelt, wenn die Redaktion recht schnell über solch ein offenes Format mit den Deutsch Türkischen Nachrichten konstruktiv gestritten hätte?
Zudem könnte das Blog eine prima Chance sein zu zeigen, dass auch die Print-Kollegen Internet können. Vor allem beim Spiegel entsteht immer wieder der Eindruck, als ob die Onliner sich für die beste Web-Redaktion in Deutschland halten, die Print-Redakteure dagegen überhaupt nichts für ihre Netz-Kollegen übrig haben, aber noch nie den Beweis angetreten haben, ob auch sie im WWW eine ähnliche Qualität hinbekämen.
Damit dies gelingt, müssen allerdings noch mehr Spiegel-Leute in die Tasten hauen als Stefan Niggemeier. Denn, wenn es einen Journalisten in Deutschland gibt, der wirklich bloggen kann, dann er. Allerdings reicht ein Top-Autor nicht, um solch ein ambitioniertes Projekt mit Leben zu füllen.

Übrigens: Chefredakteur Mascolo scheint im neuem Redaktionsblog noch kein Nutzer-Account zu haben. Sein Posting ist ohne Autorenzeile.

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