Dortmund-„Tatort“: Held mit Nervfaktor

Fernsehen Es sind spannende Zeiten für "Tatort"-Fans: In Hamburg ermitteln ab 2013 gleich zwei neue Ermittler, neben Til Schweiger auch Wotan Wilke Möhring. In Erfurt tritt im kommenden Jahr ebenso ein neues Team an wie im Saarland und der WDR belebt in Dortmund den Ruhrpott-"Tatort" wieder. Mit "Alter Ego" wird nun der erste Krimi der vier Kommissare um Jörg Hartmann gesendet. Es ist ein etwas altmodischer, unspektakulärer Krimi geworden, der zu viel Wert darauf legt, den Spielort und die Ermittler einzuführen.

Werbeanzeige

Sie treten ein schweres Erbe an, die vier neuen Dortmunder "Tatort"-Ermittler: Nach Kommissar Haferkamp in den 1980er Jahren in Essen und dem legendären Duisburger Kommissar Schimanski, der innerhalb des "Tatorts" von 1981 bis 1991 Verbrechen aufklärte, ist der Dortmunder Krimi erst der dritte Ruhrpott-"Tatort" in der Geschichte der Reihe. Und als ob er seinen Zuschauern den Ort des Geschehens eintrichtern muss, gibt es – zu viele – Ruhrpott-Klischees und -Anspielungen: Ständig werden triste Bilder der Stadt gezeigt, einer der vier Ermittler ist BVB-Fan und will zum Lokalderby, ein Taubenzüchter wird befragt, eine Stahlmagnaten-Familie rückt in den Mittelpunkt des Geschehens und und und.

Neben der Einführung des neuen Ort des Geschehens müssen dem Publikum auch noch die Protagonisten vorgestellt werden – und das sind auch noch vier auf einmal – so viele Ermittler gab es wohl noch in keinem "Tatort". Da wäre der depressive, schlecht gelaunte, eigenbrötlerische Kommissar Faber, der aus Lübeck kommend seinen neuen Job in Dortmund antritt, seine Kollegin Bönisch, die eigentlich Fabers Job bekommen hätte, darauf aber verzichtete, sowie die beiden Nachwuchs-Kräfte Nora Dalay und Daniel Kossik, die den "Tatort" mit einer gemeinsamen Sex-Szene eröffnen.

Das Vorstellen der Figuren gerät dabei allzu oft in den Mittelpunkt: Das Techtelmechtel der beiden jungen Kommissare nervt ebenso wie die latente Aggressivität von Faber. Für die eigentliche Krimi-Handlung bleibt damit nicht genug Raum zur Entfaltung: Zwei Morde an schwulen Männern. War es ein Schwulenhasser? Ein holzschnittartiger christlicher Fundamentalist wird zumindest verdächtigt. Oder war es jemand, der seine Homosexualität unterdrückt?

Vor allem dem Peter-Faber-Darsteller Jörg Hartmann ist es zu verdanken, dass der erste Dortmunder "Tatort" dennoch relativ sehenswert ist – trotz des immer wieder aufkeimenden Nervfaktors der Figur. Das Hineinversetzen in den Täter spielt Hartmann intensiv und seine Melancholie könnte in der Zukunft zu interessanten Handlungssträngen führen. Die drei anderen Charaktere lassen sich hingegen noch kaum einschätzen. Bleibt Bönisch die etwas farblose Assistentin und spielt die Affäre der beiden jungen Kommissare auch in den kommenden Dortmund-Krimis noch eine so entscheidende Rolle, so wären vier Ermittler wohl mindestens zwei zu viel.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige