Der Medientrend Mohammed-Karikaturen

Publishing Diese Woche kommt man beim Rückblicken am Thema Mohammed-Schmähvideo und Mohammed-Satiren einfach nicht vorbei. Die Ereignisse haben mittlerweile eine geradezu groteske Qualität erreicht. Das erkennt man u.a. daran, dass das Bundesinnenministerium einen harmlosen Entwurf für ein Titanic-Cover mit Betty Wulff und einem Säbelrassler auf seinen “Provokationsgehalt” hin prüfte. Laut Tagesspiegel sei das Cover aber durch die Kunstfreiheit gedeckt.

Werbeanzeige

Die mediale Aufregung rund um das Reizthema Mohammed-Karikaturen, bzw. Mohammed-Satiren ist also groß. Die Financial Times Deutschland zeigte einen Cover-Entwurf des Satire-Magazins Titanic mit der Schlagzeile “Der Westen in Aufruhr – Bettina Wulff dreht Mohammed-Film” (ganz nebenein: ein "toller" Scoop wir eine Wirtschaftszeitung …). Das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo tat, was ein Satire-Magazin zu tun pflegt, wenn es einen Aufreger wie das Mohammed-Schmähvideo gibt: Es veröffentlichte Karikaturen. Nun debattiert Medien-Deutschland: Dürfen die das? Sollen die das? Müssen die das? Oder müssen, sollen die das lassen? Einige Medien nehmen dabei eine ziemlich bigotte Haltung ein. Da werden Titanic und Charlie Hebdo vorgeworfen, sie betrieben billige Provokation, um ihre Auflagen zu pushen. Dieselben Medien hatten der Titanic beim Streit um das Papst-Cover allerdings vorgeworfen, die Zeitschrift würde sich ja niemals über den Propheten Mohammed lustig machen. Jetzt macht sich Titanic über den Hype rund um das Mohammed-Schmähvideo lustig und es ist wieder nicht recht. Nun heißt es, das sei billige Provokation und außerdem auch gar nicht lustig. Den Vogel an Bigotterie schießt der Tagesspiegel ab, der es schafft, in einem einzigen Artikel der Titanic gleichzeitig vorzuwerfen, das Mohammed-Film-Cover sei zu lasch (“Nun muss „Titanic“ nicht die Mutprobe machen und eine scharfe Mohammed-Karikatur auf Cover und Markt bringen.”) und Auflagen-Provokation. Es scheint, die Titanic sitzt derzeit zwischen allen Stühlen. Vermutlich ist das für ein Satire-Magazin aber gar kein so schlechter Platz.

Wie man mit dem Thema souveräner umgehen kann als zahlreiche hiesige Medien, zeigten muslimische Twitter-Nutzer in dieser Woche. Das US-amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek war auf den Mohammed-Zug aufgesprungen und titelte reichlich populistisch “Muslim Rage”. Via Twitter forderte die Redaktion dazu auf, unter dem Hashtag #muslimrage über die Cover-Story zu diskutierten. Statt der erwarteten Krawall-Tweets fluteten muslimische Twitterer den Hashtag mit Parodien und sarkastischen Kommentaren zum Newsweek-Cover. Die meisten Tweets beschrieben ironisch, an welchen Alltäglichkeiten sich ihre “Muslim Rage” gerade wieder entzündet hat. Hier ein paar hübsche Beispiele (gefunden bei Gawker.com):

Eine Antwort dürfte den Newsweek-Machern besonders weh getan haben:

Das Internet: unendlicher Spaß. Auch wenn die Sache mit dem derangierten Auftritt von Jenny Elvers-Elbertzhagen bei der NDR-Sendung “DAS!” eigentlich durch ist und sich die Schauspielerin nun glücklicherweise in Behandlung befindet – über diesen Foto-Witz, der bei Facebook die Runde macht und die Themen Elvers-Video und Mohammed-Karikaturen genial zusammenrührt, musste ich dann doch sehr lachen.

Schönes Wochenende! 

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige