Wie Satire mit dem Mohammed-Video umgeht

Publishing Die Aufregung ist groß, da die Titanic nun via Financial Times Deutschland angekündigt hat, dass ihr nächstes Titelbild sich mit dem umstrittenen Mohammed Schmähvideo auseinandersetzen wird. Ein Entwurf des Covers zeigt Bettina Wulff im Arm eines mit Säbel bewaffneten Arabers und der Zeile “Der Westen in Aufruhr - Bettina Wulff dreht Mohammed-Film”. Auch zahlreiche andere Satire-Magazine befassen sich mit dem Thema. Für den meisten Wirbel sorgt die französische Zeitschrift “Charlie Hebdo”.

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Charlie Hebdo hat eine Zeichnung des Propheten Mohammed auf dem Cover, der in einem Rollstuhl sitzt und von einem orthodoxen Juden geschoben wird. Die beiden sagen in einer Sprechblase “Kein Grund, sich lustig zu machen”. Darüber steht geschrieben: “Intouchables 2”. “Intouchables” ist eine französische Filmkomödie (Deutsch: “Ziemlich beste Freunde”), die sich um die Freundschaft eines Dunkelhäutigen mit einem hellhäutigen Rollstuhlfahrer dreht.

Im Innenteil des Heftes veröffentlicht Charlie Hebdo weitere Mohammed-Karikaturen, die deutlich geschmackloser sind. Beispielsweise wird der Prophet gezeigt, wie jemand mit Kamera seinen nackten Hintern filmt. Die Zeichnungen verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Redaktion steht unter Polizeischutz, weltweit schloss Frankreich aus Angst vor Anschlägen 20 Botschaften.

Deutsche Satire-Medien setzen sich mit dem Thema bisher auf dezentere Art und Weise auseinander. Neben dem geplanten Titanic-Cover wurden das Mohammed-Schmähvideo auch in der Satire-Rubrik SPAM von Spiegel Online thematisiert. SPAM macht sich über Forderungen, das Video zu verbieten, lustig und zählt einige weitere vorgeblich schockierende Vorgänge auf, bei denen die Bundesregierung mit Verboten einschreiten sollte. Beispiel: “Sorgen macht den Behörden eine Drohung der Organisation ‘Zweites Deutsches Fernsehen’. Die orthodox-seniorenpopulistische Gruppierung hat angekündigt, am 23. September um 20.15 Uhr den Film "Rosamunde Pilcher: Die falsche Nonne" öffentlich in Deutschland auszustrahlen. Darin geht es um mysteriöse "Unfälle" in einem Nonnenkloster. Die Polizistin Sabrina ermittelt, als Novizin verkleidet, und lernt dabei den schönen Tom kennen, der vor Ort als Restaurator arbeitet. Der Innenminister: ‘Das läuft eindeutig auf Unzucht unterm Kirchendach hinaus. Ich werde diese obszöne Provokation stoppen. Oder wollen wir abwarten, bis sensible Katholiken den Fernsehgarten plündern oder auf dem Petersplatz Gundula-Gause-Puppen abfackeln?!”

Die Satire-Rubrik von Welt.de, Glasauge, hat mehrere Meldungen zum Mohammed-Schmähvideo gebracht, u.a., dass der Papst und ein Mob aus radikalisierten Kardinälen und Nonnen die deutsche Botschaft in Rom wegen dem Titanic-Papst-Cover mit einer Panzerfaust verwüstet hätten. Die Satire-Website “Der Postillon” ergreift in einem Artikel Partei für die ausgepowerten Radikal-Islamisten: “Erschöpfte Islamisten bitten darum, Propheten nicht so oft hintereinander zu schmähen.” Zitat: “Qasim Abduh, ein Sprecher der Union leicht reizbarer Fanatiker (UlrF), forderte heute den Westen auf: ‘Liebe Ungläubige, bitte veröffentlicht nicht so viele Mohammed-Schmähungen auf einmal. Wir sind auch nur Menschen und schaffen es einfach nicht, unseren heiligen Zorn kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten. Übrigens: Tod euch!’”

Titanic-Herausgeber und Satiriker Martin Sonneborn erklärte auf seiner Facebook-Seite, dass es keine Herausforderung mehr sei, Satire über Moslems, Juden, Christen oder die FDP zu machen. Sonneborn: “Deshalb lobe ich jetzt einen Preis aus für die Zeitschrift, die es schafft, die Buddhisten gewaltbereit auf die Straßen zu treiben. Hopp, auf!”
Auch in den USA machen sich Satire-Websites über das Thema Mohammed-Schmähvideo lustig. Die us-amerikanische Satire-Website “The Onion” veröffentlichte eine Karikatur, die auf obszöne Weise gleichzeitig Moses, Jesus, den Hindu-Gott Ganesh und Buddha verunglimpft. Überschrift: “No One Murdered Because Of This Image” Auf Deutsch: “Niemand wurde wegen diesem Bild getötet”. Im Text heißt es u.a.: “Allerdings fühlten sich Berichten zufolge einige Mitglieder des jüdischen, christlichen, hinduistischen und buddhistischen Glaubens von dem Bild beleidigt. Quellen bestätigen, dass sie bei Ansicht des Bildes einfach ihren Kopf schüttelten, mit den Augen rollten und mit ihrem Tagwerk weitermachten.”

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