“Mohammed-Video weiterer Witze kaum wert”

Publishing Der Publizist Wolfram Weimer bringt als Verleger und Herausgeber im Dezember eine zunächst einmalige Sonderausgabe der legendären Satirezeitschrift Pardon auf den Markt. MEEDIA sprach mit Weimer über die aktuelle Debatte rund um das Mohammed-Schmähvideo und Mohammed-Satiren in französischen und deutschen Magazinen. Ein Mohammed-Cover, wie es die Titanic angekündigt hat, wäre nicht sein Stil, so Weimer, "aber ich würde immer verteidigen, dass Titanic so etwas darf”.

Werbeanzeige

Sie arbeiten als Verleger gerade an einer Neu-Belebung des Satire-Magazins "Pardon" – wird es in der Ausgabe auch Witze über das Mohammed-Schmähvideo geben?

Das Schmähvideo ist weitere Witze kaum wert. Die dadurch ausgelöste  Kulturdebatte aber schon. Denn seit der Auseinandersetzung um die dänischen Karikaturen gibt es eine schleichende Selbstzensur im öffentlichen Diskurs, zuweilen herrscht sogar ein Klima der Angst. Die Islamisten haben damit bereits einen Etappensieg errungen. Leider, denn wenn die Narren unserer Tage keine Spiegel mehr hochhalten dürfen, dann droht eine schleichende Rückkehr von Denk-, Rede- und Lachverboten, letztlich ein Triumph totalitärer Haltungen. Ich plädiere daher für eine Offenhaltung der kritischen Karikatur, auch in religiösen Dingen.

Wo ziehen Sie persönlich die Grenzen für Satire?

Unsere Gesetze ziehen kluge, aber weite Grenzen. Die sollten wir nicht jetzt plötzlich einengen, nur weil einige Taliban das gerne hätten und uns drohen. Meine persönlichen Grenzen für die Satire sind, weil ich viel von Respekt halte, bestimmt enger als der Raum, den ich für die Freiheit anderer verteidigen würde.

Wie beurteilen sie das vorgehen der französischen Satirezeitschrift "Charlie Hebdo"? Ist das gerechtfertigt oder pure Provokation?

Es ist beides.

Einerseits soll Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst gelten und es heißt "Satire darf alles". Andererseits sterben im Nahen Osten Menschen wegen der Randale von Extremisten, die sich über das Schmähvideo und Mohammed-Satiren aufregen – wie können Humoristen mit dieser Zwickmühle umgehen?

Diese Zwickmühle gibt es gar nicht. Radikalislamistische Gewalttäter suchen sich lächerliche Anlässe, um ein Klima der Bedrohung zu erzeugen und anderen ihre Weltsicht aufzuzwingen. Wir können doch nicht ernsthaft unsere Maßstäbe der Kunst- und Meinungsfreiheit an Fundamentalisten ausrichten. Wenn morgen die Taliban wieder Menschen umbringen, die Fußball spielen oder ins Kino gehen, wollen wir das dann auch infrage stellen?

Gelten verschiedene Maßstäbe, ob jemand ein dummes und diffamierendes Video macht oder ob jemand eine intelligente Satire zu Mohammed macht? Oder anders gefragt: Sind satirische Mohammed-Karikaturen OK, das Schmähvideo aber nicht?

Natürlich gibt es Unterschiede. Nicht jede Bösartigkeit ist gleich Satire. Und nicht jede Häme sollte sich als ein Akt der Meinungs- und oder Kunstfreiheit adeln. Dafür braucht es aber keine Polizei. Das aufgeklärte Publikum hat ein feines Gespür für den Unterschied zwischen humorvoller Kritik, feinsinniger Hinterfragung einerseits und billiger Häme oder schierer Bösartigkeit andererseits. Pardon wird sich definitiv ersterem verschreiben.

Die Titanic hat nun in der FTD angekündigt, ihrerseits ein Cover zum Thema Mohammed-Video zu machen. Was halten Sie davon?

Das wäre nicht mein Stil. Aber ich würde immer verteidigen, dass Titanic so etwas darf.

Gibt es mittlerweile einen genauen Erscheinungstermin von Pardon?

Wir erscheinen am Nikolaustag Anfang Dezember.

Wie weit ist das Heft?

Das Heft wächst und gedeiht, die Redaktion werkelt fleißig und ist ein herrlich offenes Haus. Freuen Sie sich auf ein Pardon, das Sie so nicht erwarten!

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige