Familie Jahr & die „Freunde“ bei Springer

Publishing In stürmischen Zeiten bei Bertelsmann oder Gruner + Jahr ist für Branchenbeobachter der frühe Griff zur neuen Ausgabe des manager magazins Pflicht, dessen Korrespondent Klaus Boldt immer wieder mit exklusiven Stories aufwarten kann. So auch diese Woche. Im morgen erscheinenden Heft verrät er die Abfindung von Ex-G+J-Chef Buchholz (5 Mio. Euro). Fast spannender ist allerdings der zweite Textteil, der nicht via Klappermeldung verbreitet wurde: Details zu den Verhandlungen mit den Jahrs.

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Bekanntermaßen (und im vergangenen Monat ebenfalls vom manager magazin enthüllt) will Bertelsmann der Hamburger Verlegerdynastie die Sperrminorität von 25,1 Prozent am Medienhaus abkaufen und gegen eine Beteiligung an Bertelsmann tauschen. Die Jahrs, so heißt es, sind prinzipiell nicht abgeneigt, stellen aber weitreichende Bedingungen, was wiederum in Gütersloh nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt.
Wie das manager magazin jetzt schreibt, scheinen die Verhandlungen ins Stocken geraten zu sein. Denn der Mutterkonzern von G+J soll versuchen, den Minderheitsgesellschaftern anstelle eines Fünf-Prozent-Anteilspaket am Gesamtkonzern (steuerfrei veräußerbar nach sieben Jahren) eine Beteiligung an der börsennotierten Sendergruppe RTL "schmackhaft" zu machen. Dies gefalle den Jahrs gar nicht. Schon vor einigen Jahren und lange vor der Ära Thomas Rabe soll diese Variante diskutiert worden sein. Dem Vernehmen nach hat vor allem Angelika Jahr-Stilcken dies abgelehnt, da ihr als langjähriger Verlegerin der Tauschhandel Print gegen Fernsehen als nicht statthaft erschienen sei.
Denkbar ist dagegen, dass ein Kompromiss die Lösung sein könnte – hieße: Die Jahrs erhalten einen kleineren Teil am Gesamtkonzern als gefordert und obendrein RTL-Aktien. Von einer interessanten Drohgebärde Richtung Gütersloh berichtet in diesem Zusammenhang das manager magazin, indem es eine übellaunige Stimme aus dem Kreis der Jahrs (natürlich ohne Namensnennung) zitiert. Tenor: "Wenn sich Bertelsmann unseren Anteil nicht leisten kann, warum verkaufen wir ihn dann nicht an unsere Freunde vom Axel-Springer-Verlag?"
Das dürfte sitzen, denn die guten Kontakte zwischen den Jahrs und Friede Springer haben sich branchenweit herumgesprochen. Und so muss sich das Berliner Medienhaus nach dem Dementi hinsichtlich einer angeblichen Kaufabsicht für das US-Jobportal Monster in diesen Tagen wohl zum zweiten Mal gegen Spekulationen über einen anstehenden Milliardendeal zur Wehr setzen. Denn diese Möglichkeit erscheint nicht nur wegen des Vorkaufsrecht von Bertelsmann als wenig wahrscheinlich. Klar ist aber auch, dass die Jahrs im Interesse der Enkel-Generation bei jeder Art von Verkauf oder Tausch mittelfristig flexibel bleiben wollen – zu unsicher scheint die Langzeitprognose für Medienbeteiligungen.

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