Broder, Augstein und die “Dreckschleuder”

Publishing Der Streit um das Mohammed-Schmäh-Video “Innocence of Muslims” sorgt auch bei deutschen Journalisten für die eine oder andere verbale Entgleisung. So hat der Publizist und Welt-Kolumnist Henryk M. Broder in seinem Blog “Die Achse des Guten” den Freitag-Herausgeber Spiegel-Online-Kolumnisten Jakob Augstein als “antisemitische Dreckschleuder” beschimpft, weil er "antisemitische Argumentationsmuster" bediene und fordert diesen auf, ihn zu verklagen. Augstein bleibt gelassen.

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Der Frankfurter Rundschau sagte Jakob Augstein: "Ich schätze und respektiere Henryk M. Broder sehr, auch in seinen Irrtümern." Anlass des Broder’schen Zorn-Ausbruchs war eine Kolumne von Augstein bei Spiegel Online mit dem Titel “Wem nützt die Gewalt?”, in der es um das umstrittene Mohammed-Schmäh-Video “Innocence of Muslims” geht. Im Nahen Osten haben Radikale wegen des Videos Unruhen angezettelt, in deren Verlauf es mittlerweile zahlreiche Verletzte und auch Tote gab.

Augstein weist auf den zeitlichen Zusammenhang der Ausschreitungen und der nahenden US-Präsidentschaftswahl hin. Außerdem dränge “die israelische Regierung immer heftiger, der angenommenen Gefahr einer iranischen Atombombe mit präventiver Gewalt zu begegnen.” Dies sei, so Augstein, “eine bemerkenswerte Koinzidenz.” Augstein weiter: “Kann man sich vorstellen, dass der kriminelle Kopte, der sich das (das Video, Anm.d.Red.) vermutlich im Gefängnis ausdachte und seine Crew ohne ihr Wissen dafür missbrauchte, in anderem als im eigenen Auftrag handelte? Zumindest traut man den Fundamentalisten im Lager der US-Republikanern und in der israelischen Regierung zu, die unerwartete Schützenhilfe politisch auszunutzen – was sie auch tun.”

Damit deutet er an, es könne einen wie auch immer gearteten “Auftrag” für den Film aus Kreisen der US-Republikaner oder der israelischen Regierung gegeben haben. Dies bringt Henryk M. Broder auf die Palme: “Das ist ein klassisches antisemitisches Argumentationsmuster, das Augstein bei den Alt- und Neonazis abgekupfert hat. Die behaupten auch, Hitler sei mit Hilfe vom amerikanischen und jüdischen Finanzkapital an die Macht gekommen, die Zionisten hätten mit den Nazis kooperiert und den Tod von Millionen Juden billigend in Kauf genommen, nur um am Ende ihren Staat gründen zu können.”

Gleich vier mal schreibt Broder darum in seiner Replik, Augstein sei ein “lupenreiner Antisemit und eine antisemitische Dreckschleuder”. Er sei “ein Überzeugungstäter, der nur Dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen”, so Broder weiter. Das es sich dabei um eine Beleidigung handelt, ist dem streitbaren Broder wohl bewusst: “Ich weiß, das ist eine schwere Beleidigung. Ich fordere Augstein auf, mich zu verklagen. Er ist vermögend, er kann sich die besten Anwälte leisten.” Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Augstein hat gegenüber der FR gesagt, dass er nicht daran denke, gegen Broder rechtlich vorzugehen.

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