„Sympathischer Grinse-Kasper“ Gottschalk

Fernsehen Es war der Coup des Fernsehjahres, den RTL mit der Verpflichtung von Thomas Gottschalk für "Das Supertalent" landete. Dementsprechend groß waren die Erwartungen an den Ex-"Wetten, dass..?"-Moderator für die erste Sendung. Seit dem vergangenen Samstag steht für die Kritiker fest: Gottschalk ist neben Bohlen nur ein Statist, dem die große Bühne fehlt. Zwar bleibe er sich und seinen Vorsätzen weitestgehend treu, an Niveau würde die Show dadurch aber nicht hinzugewinnen.

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Antje Hildebrandt, Welt: Verwundert rieb man sich vor dem Fernsehschirm die Augen. War das noch das "Supertalent"? Oder hatte RTL "Wetten, dass..?" geklont? Der geduldete Asylant aus dem Tempodrom, er hatte einem Moderator Platz gemacht, der sich in seiner Rolle als Pendant zum Pöbel gefiel. Der Zuschauer erlebte einen Gottschalk, wie man ihn noch aus glücklicheren ZDF-Zeiten kennt. Schlagfertig, lakonisch, treffsicher.

Alexander Tieg, stern.de: Thomas Gottschalk ist kein Juror. Er ist ungewöhnlich still und zurückhaltend mit seinen Kommentaren, hinter seinem Pult wirkt er wie ein sympathischer Grinse-Kasper, der nicht weiß, was er sagen soll. Besonders wenn er sich bemüht, die Auftritte einzelner Kandidaten anzukündigen, wird deutlich, dass er lieber auf der Bühne stünde, als auf seinem Jury-Hocker festzukleben. Gottschalk ist Größeres gewöhnt als Ja zu sagen zu einem Mann, dessen Talent es ist, sich Rasierschaum ins Gesicht zu schmieren.

Bernd Gäbler, Tagesspiegel: "Was aber macht nun Thomas Gottschalk in einer solchen Show? Auf jeden Fall spielt er nicht die Hauptrolle. Die ist Bohlen vorbehalten. Schon vom ersten Auftritt an wird er als Chef inszeniert. Gottschalk sitzt halt mit am Jury-Tisch und kann keine seiner Stärken, etwa die besondere Schlagfertigkeit oder das Aufleben vor dem Publikum, ausspielen. Zu Bohlen scheint er ein höfliches Nichtverhältnis zu pflegen." 

Daniela Zinser, Spiegel Online: "Dem Nachwuchs darf Gottschalk erklären, warum das alles noch zu früh ist mit dem Showbusiness. Seine Zeit komme erst. "Du bist so jung, das werde ich gar nicht mehr erleben", das ist der "Wetten, dass..?"-Humor, dazu gibt es ab und an die typische weltumarmende Gottschalk-Geste. Und als der mit 87 Jahren älteste Bungee-Springer der Welt zu seinem 105. Sprung antritt und das Seil dabei nur von seinem muskelbepackten Kompagnon gehalten wird, da ist das mehr verrückte Idee als Talent – und Gottschalk wieder der Alte. Er fragt und erklärt, er moderiert, und es fehlte nur noch ein ‚Top, die Wette gilt‘."

Marcus Bäcker, Frankfurter Rundschau: "Tatsächlich versuchte der einstige ARD- und ZDF-Moderator noch, dem unverdrossen auf der Bühne ausharrendem Objekt des allgemeinen Spotts ins Gewissen zu reden (‚Du tust dir selbst keinen Gefallen‘), drängte ihn geradezu, schnell das Weite zu suchen, aber dafür war es längst zu spät. Wer in einer Show, in der es auch um Bloßstellung geht, den Menschenfreund gibt, ändert nichts an der Sendung, sondern schlüpft in eine Rolle, die letztlich nur der Show dient. Man sollte annehmen, dass Gottschalk das weiß."

Carsten Rave, dpa: "Gottschalk blieb trotz Mitsprache die Nebenrolle mit Anflug von Hofnarr und Sidekick. Mit gelegentlichen Bonmots, wenn auch auf Sparflamme, versuchte er seine leichte, zu Anfang ersichtliche Verkrampfung zu lockern. Zum Beispiel: Als ein ‚Handfurzer‘ allein mit der Kraft seiner Finger Dieter Bohlens alten Modern-Talking-Titel ‚Cheri Cheri Lady‘ darbot, entfuhr es Gottschalk: ‚Er hat was aus dem Lied gemacht!‘ Etwas forscher wurde er dann auch schon mal bei einem Sänger, der sich als Wolfgang-Petry-Imitat versuchte: ‚Das heißt hier Supertalent – Du hast Dich verlaufen.’" 

Michael Hanfeld, FAZ: "Nach dem ersten Abend mit Thomas Gottschalk als Juror der RTL-Show ‚Das Supertalent‘ gilt es festzustellen: Der Untergang des Abendlandes ist verschoben. Zumindest was diese Sendung betrifft. Mit ihr fällt Gottschalk auch nicht, wie vielfach beschrieben, ins Bodenlose. Er sinkt ins Mittelmaß und fällt darin nicht weiter auf. Er ist jetzt Teil einer Show, die und deresgleichen früher für die herben Sprüche Dieter Bohlens berüchtigt waren und dafür, dass sie Kandidaten der Lächerlichkeit preisgaben bis auf die Knochen."

Merkur-online: "Natürlich ist Gottschalk auch im „Supertalent“ noch Gottschalk – ein Mann, der pointiert zu kommentieren weiß, der Sottisen loslässt, wie man sie von früher kennt. Und doch bleibt er blass, haben manche seiner Sätze nun einen seltsamen Klang, etwa, wenn er gleich zu Beginn einen Kandidaten, der mit viel Rasiercreme auf Gesicht und Oberkörper recht kindlich wirkende Verwandlungsspielchen treibt, sagt: ‚Du hast sicher viel Schaum fressen müssen, bis Du so weit warst.‘ Gilt das nicht auch für ihn selbst?"

Focus Online: "Ex-‚Wetten, dass..?‘-Moderator Gottschalk durfte in dem Zusammenschnitt von Aufzeichnungen zwar bei jedem Kandidaten, der sich präsentierte, etwas sagen, doch es war eher Bohlen, der über Wohl und Wehe der ‚Supertalent‘-Bewerber entschied, auch wenn er sich verbal vergleichsweise zurückhielt."

Philipp Stempel, Rheinische Post: "Dass der Altmeister der großen Bühne sich im Kleinen schwer tut, hat sich schon bei Gottschalks grandios gescheitertem ARD-Talk gezeigt. Und siehe da – beim Supertalent schwächelt er auf dem gleichen Terrain.
Der Standard: Anfangs war das durchaus charmante Familienunterhaltung der Marke Gottschalk, ein bisschen Zirkus, ein übergewichtiges Kind (das von Onkel Thomas ganz herzig darüber hinweggetröstet wurde, dass es leider nicht so gut singen kann) und – weil RTL eben doch ein Privatsender ist – leichte Zugeständnisse in Richtung Sozialporno: ein Wolfgang-Petry-Klon, dessen Bundeskanzlerin ‚Angelika‘ heißt und der hochnotpeinlich seinen Text nicht konnte (‚Ich wollte doch Vollplayback!‘). Irgendwann aber wurde aus der Show ein Himmelfahrtskommando."

Pia Rolfs für Frankfurter Neue Presse
: "Derjenige, der dieses Publikum seit fünf Staffeln perfekt bedient und lenken kann, ist Dieter Bohlen. Neben ihm wirkt Michelle Hunziker wie eine dekorative Zugabe, Thomas Gottschalk wie ein Statist. Der einstige Star des Samstagabends trottet nur hinterher, wenn Bohlen auf den sprechenden Vogel zugeht. Er kann keine eigenen Akzente setzen, sich nicht ausleben."

Juliane Stich, Augsburger Allgemeine: "Thomas Gottschalk musste  sich sichtlich Dieter Bohlen unterordnen. Die ‚alten Hasen‘ im Geschäft schoben sich die jeweiligen Aufgaben zu. Bohlen war für die Beschwichtigung der Kinder zuständig, womit Gottschalk schon zu ‚Wetten, dass…?‘-Zeiten überfordert war. Gottschalk nahm die Kommentierung der an eine ‚Außenwette‘ erinnernden Auftritte unter freiem Himmel in die Hand. Auch neu: Zwischenkommentare innerhalb der Jury wurden jetzt aufgezeichnet, sodass man auch interne Gespräche mithören konnte."

Michael Niehus und Christian Seidl für Bild: "Auftakt zur sechsten Staffel von Deutschlands beliebtester Castingshow. Und schon nach der dritten Nummer scheint klar: Der Laden läuft wieder – und die Paarung der bislang konkurrierenden Show-Riesen Bohlen und Gottschalk kann große Momente hervorbringen.
Doch die großen Momente bleiben rar." 

B.Z.: "Um es vorweg zu nehmen: Es geht ganz gut, auch wenn der große Wow-Effekt fehlte. Thomas Gottschalk, der Altmeister des lockeren Plauderns, gibt eine Art Sidekick für den castingerfahrenen Dieter Bohlen, der letztlich die Entscheidungen über das Wohl und Wehe der Bewerber traf."

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