Google Transit: Routenplaner für Bahnfahrer

Publishing Zwei Quasi-Monopolisten unter sich: Google und die Deutsche Bahn haben am Montag eine Kooperation vorgestellt: Google Transit. Aus Google Maps heraus lassen sich ab sofort Zugverbindungen recherchieren. Mit einem Klick können Nutzer direkt in das Bahn-Angebot springen und dort die bereits gewählte Zugverbindung buchen. Praktisch für die Bahn: Sie muss keine Vermittlungsgebühren an den Internet-Konzern zahlen. Google will das Angebot offenbar über Werbung monetarisieren.

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Google Transit, das Routenplanung nicht nur für den Automobilisten, sondern auch für Reisende mit Bus und Bahn möglich macht, gab es bereits in einer Reihe von Ländern, nun auch in Deutschland. Erster Kooperationspartner hierzulande ist die Deutsche Bahn. Zunächst werden auf Wunsch bei Google Maps die Daten von Fernzugverbindungen ausgegeben, später sollen Nahverkehrsverbindungen folgen. Wo die Deutsche Bahn Nahverkehrszüge betreibt – wie in Berlin die S-Bahn – werden diese Verbindungen bereits jetzt anzeigt.

Mit einem Klick ist der Nutzer dann auf der Bahn-Seite, die eine spezifisch ausgewählte Verbindung bereits in ihre Suchmaske übertragen hat. Dieser Deep Link hat beide Partner offenbar viel Zeit und Arbeit gekostet – insgesamt habe das Projekt zwei Jahre Vorbereitung gekostet. Dieser Fakt wurde bei der Pressekonferenz im achten Stock des Berliner Hauptbahnhofs mindestens ebenso oft betont, wie beide Seiten gegenseitig ihre Freude über die Kooperation zum Ausdruck brachten.

Was bringt den Partnern Google Transit? Die Bahn hat das nachvollziehbare Anliegen, ihre Angebote stärker auf Fremdseiten darzustellen. Dass eine Reise von Berlin nach Hamburg im Zug schneller ist als per Auto, hat sich vielleicht noch nicht überall herumgesprochen. Die Bahn kooperiert bereits mit Angeboten wie Opodo.de, L’tur und Mitfahrgelegenheit.de. "Vertrieb über alle Kanäle hinweg" ist das Ziel. Eingeschlossen natürlich der mobile Kanal Smartphone. Hier bietet die Bahn bereits eine App, doch die Google-Kooperation dürfte deutlich reichweitenstärker sein. Google Maps hat nach eigenen Angaben eine Milliarde Nutzer im Monat. Knapp die Hälfte verwenden bei der Anfrage nach Orten und Verbindungen mobile Endgeräte.
Google wiederum nützt die Kooperation, weil der Maps-Service noch einmal hilfreicher für seine Nutzer wird. Je nützlicher ein Service, desto wahrscheinlicher ist, dass alternative Angebote weniger oft aufgerufen werden. Bei der Präsentation sprach Google-Produktmanager Raphael Leiteritz über Maps als dem schnellsten Routenplaner überhaupt. Selbst die Anzeige von Verbindungen zwischen zwei Ländern benötige kaum eine halbe Sekunde.
Eine Vermittlungsprovision für Fahrkartenbuchungen bekomme Google nicht, betonte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg auf Nachfrage. Trotzdem sei die Kooperation eine "Win-Win-Situation". Google-Mann Leiteritz ergänzte, Google arbeite an der Monetarisierung von Maps, ging aber hier nicht ins Detail. Wahrscheinlich ist, dass eine Refinanzierung über zusätzliche Werbeeinblendungen angedacht ist. Bei einer einfachen Suche nach einer Verbindung zwischen den Hauptbahnhöfen Berlin und Hamburg wurde am Montag als Ergebnis ein gastronomisches Angebot am Zielort ausgegeben: "Verbindung nach Mr. Clou Hauptbahnhof Südsteg". 

Kritik an der Kooperation wird bereits laut: Auf der Plattform Open Petition fordert ein Nutzer, die Bahn möge ihre Rohdaten, die an Google geliefert werden, auch anderen Anbietern zur Verfügung stellen. Die Daten könnten etwa unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden. Anfang September hatte eine Initiative unter dem namen OpenPlanB den kompletten deutschen Zugfernverkehr als Datensatz veröffentlicht. Die Bahn hatte dazu bisher nicht ihre Zustimmung erteilt. 

Als Giveaway der Pressekonferenz gab´s für die Journalisten einen Regenschirm. Ob das bedeuten soll, dass die Bahn und Google ihre Kunden nicht im Regen stehen lässt – unklar.

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