Presse-Grossisten bricht der Umsatz weg

Publishing Deutschlands Presse-Grossisten klagen über eine "besorgniserregende" Entwicklung ihres Kerngeschäfts. Mit dem Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften verdienten die 66 deutschen Pressegroßhändler im ersten Halbjahr 2,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Und die Talsohle sei noch gar nicht erreicht, unkt der Grosso-Vorsitzende Frank Nolte. Der Absatz gemessen an Exemplaren sank sogar um 5,6 Prozent. Retter der Bilanz waren u.a. Fußball-Sammelbildchen.

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1,279 Milliarden Euro Umsatz machten die Grossisten im ersten Halbjahr laut einer Umfrage unter allen Unternehmen. Macht 0,8 Prozent Rückgang zum Vorjahr. Positiv wirkte sich die Fußball-Europameisterschaft aus – der Absatz von Sammelbildchen hübschte die Abrechnung auf. Denn der Umsatz mit Zeitungen und Zeitschriften sank auf 1,229 Milliarden Euro. Das bedeutet ein Minus von knapp 30 Millionen Euro zum Vorjahr, oder 2,2 Prozent in relativen Zahlen. Umgerechnet auf abgesetzte Exemplare ist der Verlust zum Vorjahr sogar noch größer – 1,173 verkaufte Zeitungs- und Zeitschriftenausgaben stehen für einen Rückgang von 71,6 Millionen Exemplaren oder 5,6 Prozent. Weil viele Verlage die Preise ihrer Medien hochsetzen, wurde der Rückgang des Umsatzes im Vergleich zum Rückgang der verkauften Exemplare etwas abgefedert. 

Unterm Strich täusche der Gesamteindruck eines moderaten Rückgangs aber, sagte Nolte. Der Grosso-Chef weiß selber nur zu gut, wie es in der Branche zugeht – just verkündete er die Fusion seines Betriebs mit einem anderen, benachbarten Grossisten. Einerseits sind die Presse-Großhändler in ihren Gebieten Monopolisten – andererseits drücken die Verlage seit einigen Jahren Konditionen und Margen. 

Zur gleichen Zeit wie Noltes Hiobsbotschaft vermeldete der Zeitschriftenverlegerverband VDZ das Ergebnis einer Studie, die der Zunft zumindest ein wenig Röte ins bleiche Gesicht haucht. Demnach könne sich das Zeitungs- und Zeitschriftenregal "auch im digitalen Zeitalter" behaupten, insbesondere in großen Supermärkten.

Die Grossisten treffen sich von Montag bis Mittwoch in Baden-Baden, um über drängende Fragen und Herausforderungen zun sprechen. Am Mittwoch haben die Vertriebler sich den TV-Philosophen Richard David Precht eingeladen. Er wird eine Keynote zum Thema "Pressevertrieb 2020 – Kurs Zukunft zwischen Medienpluralität und Wirtschaftsliberalismus" halten. Erstaunlich, wovon der Mann alles eine Ahnung hat. Aber vielleicht kann er ja helfen. 

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