Max – Eine Kapitulationserklärung

Publishing "Max tritt an gegen die, die sich mit unserem Namen schmücken", steht auf der letzten Seite von Max, der Zeitschrift, die nur einmal im Jahr erscheint. Ein schaler Witz, denn mit dem Namen Max lohnt sich das Schmücken nicht mehr. Ein Strammer Max ist allemal genießbarer als die wenig inspirierte Melange aus Produkten, Kino- und Rockstars. Das Tragische daran: Erscheint ein Magazin nur so selten, könnte es zu einem Fest der Magazinkunst werden. Es ist leider das Gegenteil davon.

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"55 Gründe, das Leben genau jetzt richtig gut zu finden" verspricht Max, zum ersten Mal unter der Regie von Nikolaus Albrecht (Glamour, Vanity Fair, jetzt Freundin), auf der Titelseite. Es stimmt schon – Miesepeter gibt es genug im Journalismus. Warum nicht mal ein Heft machen, das auf intelligente Weise gute Laune verbreitet? Bei Max wird dieser Ansatz dummerweise nur als Anlass genommen, kräftig Produktwerbung zu betreiben. Mehr als nur ein paar der 55 Gründe sind reine Kaufempfehlungen, so heißt es beispielsweise: "Wegen dieser 16 Dinge werden wir die Geschäfte stürmen". Oder: Was sind die Lieblingsspielzeuge der Superreichen? Wenig überraschend haben einige Markenunternehmen Anzeigen im Blatt geschaltet, deren Produkte zu den redaktionell ausgewählten Gründen für mehr Lebenslust zählen. Das gibt es auch anderswo, das ist leider die Regel im Lifestyle-Magazingeschäft. Das macht es aber nicht besser.

Und dann die Stars im Blatt. Ein Magazin, das eigentlich völlig losgelöst von der Aktualität erscheint, hätte die Chance, sich nicht an den Veröffentlichungsterminen von Filmen, Alben oder Büchern entlangzuhangeln. Ob diese Chance überhaupt gesehen wurde? Die traurige Realität sieht so aus: Til Schweiger spricht über seinen neuen Kinostreifen (Grund 17), Gwen Stefani über das neue Album von No Doubt (Grund 35), ein Bildband mit Traumautos der 70er erscheint im September (Grund 42 – das war ja eigentlich der Sinn des Lebens…), Brad Pitt hat einen neuen Film gemacht. Eine Doppelseite erklärt alles über den "Lausbub der Liga" Franck Ribéry (Ähm, war da nicht was? Am Besten mal schauen, was Google sagt). Ein Einseiter verrät Insidertipps über Rio ("Die besten Partys findet, wer sich mit Einheimischen anfreundet").

Alles im Blatt ist irgendwie superlativ, ohne dass es dafür Belege gäbe: Auf dem Titel "Deutschlands schönste Frau", irgendwo im Heft "das umwerfendste Mädchen Hollywoods". Und dann war da noch Berlin, die Konsensstadt der vermeintlich hippen und unkonventionellen Urbanisten. Allein für die Überschrift des Specials hätte es bei der Max, die einmal Trends und Moden zeitnah aufgespürt hat, die Höchststrafe gegeben. Sie lautet: "15 Gründe, Berlin jetzt gut zu finden". Leute, wir schreiben das Jahr 2012, nicht 1994.

Die Max in 2012 ist eine Kapitulationserklärung. Ein Blatt, das seine Chancen nicht nutzt und darum wie alle anderen Blätter tut, die sich mit Produkten und Stars durchschlagen. Was bedeuten könnte, dass Mutterverlag Burda die Zeitschrift bald wieder öfter erscheinen lässt. Aber das ist nur ein böses Gerücht.    

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