Wulff-Memoiren: „Tagebuch eines Teenies“

Publishing Sollte Bettina Wulff gehofft haben, mit ihrem Buch die negative Presse loszuwerden, ist sie gescheitert. Über die ehemalige First-Lady erschüttet sich viel Spott in den Rezensionen zu ihrem Buch. Die Nürnberger Zeitung sieht eine "Selbstdemontage" nach der es keine Rolle mehr Spiele, "ob an den Rotlicht-Gerüchten etwas dran ist". Die Berliner Zeitung schreibt, Bettina Wulff rufe "in Erinnerung, warum wir so froh sind, dass sie und ihr Mann aus dem Schloss Bellevue verschwunden sind."

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Schon die Überschrift der Buch-Rezension des Cicero zu "Jenseits des Protokolls" ist wenig schmeichelhaft. Mit "Tagebuch eines Teenies" ist der Beitrag von Wulf Schmiese betitelt. Der urteilt weiter, Bettina Wulff ziehe mit dem Buch "nicht nur das höchste Amt der Deutschen ins Banale". Allgemein wirke die Autorin naiv. Schmiese schreibt: "’Leicht genervt‘ sei sie gewesen, als ihr Mann ihr den ersten Entwurf seiner Rücktrittserklärung vorlas. ‚Warum konnte er nicht einfach nur sagen: ‚Ich trete zurück‘, und der Drops war damit gelutscht. Nein. Stattdessen wurde jedes Wort dreimal überdacht‘, regt sich Bettina Wulff auf. Es scheint wirklich so, als habe die Präsidentengattin gar nicht gemerkt, dass sich gerade eine Staatskrise auftat."
Positiver fällt das Fazit von Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung aus. Das Buch sei zwar "weder klug noch liebenswürdig oder grazil", dafür aber "ziemlich deutlich".
Ulf Poschardt sieht bei Bettina Wulff keine kritische Auseinandersetzung mit sich selbst. Für Die Welt kommentiert er: "Bettina Wulff ahnt, dass sie noch so weit aus Großburgwedel flüchten mag, ohne die von ihr attestierte Langweiligkeit des 9000-Seelenortes ablegen zu können. Sie hätte sich den Namen ihrer Heimatstadt in Runen auf den Bauch stechen lassen müssen. Doch dazu wäre ein Mindestmaß Selbsterkenntnis notwendig gewesen. Jenseits des Protokolls findet man davon keine Spur."
Der Generalanzeiger aus Bonn sieht das anders. Ulrich Lüke hält Bettina Wulff nicht für naiv, ein positives Bild zeichnet aber auch er nicht und schreibt: "Bettina Wulff ist dennoch PR-Frau genug um zu wissen, was sie jetzt tut. Sie, kein anderes Medium, zerrt ihre Kinder in die Öffentlichkeit, gibt Gerüchten über den Zustand ihrer Ehe neue Nahrung, befördert den Verkauf ihres Buches. Das kann man tun, aber man darf sich dann nicht beklagen."
Ähnlich sieht es auch Hajo Schumacher in der Berliner Mogenpost. "Der kalkulierte Krawall passt zum Überlauten, das die Wulffs stets umgab: Deutschlands schillerndster Selfmademan Maschmeyer, Deutschlands schillerndster Party-Veranstalter Schmidt, Deutschlands schillerndster Filmproduzent Groenewold und nun eben Deutschlands schillerndster Verlag mit Deutschlands schillerndster Nicht-Escortlady", heißt es hier.
Der Tagespiegel wittert sogar eine gemeinsame Marketing-Strategie des Ehepaars: "Von Christian Wulff heißt es, dass er an einer Biografie seines politischen Lebens sitzt. Seine Frau, die PR-Beraterin Bettina Wulff, hat alles dafür getan und tut alles dafür, dass die Spannung wächst. Vielleicht ist das der tiefere Sinn der öffentlich gemachten Frau. Getrennt schreiben, gemeinsam gelesen werden", spekuliert Joachim Huber.
Für Zeit Online kommentiert David Hugendick das Buch. Er sieht darin "überdosiertes Geschwätz". Das Werk sei das, was die Leser verdien hätten, nämlich: "Eine Art Gegenschallanlage in Buchform, die den Klatsch mit wahllosem Gerede niederquatscht und zugleich die gerechte Strafe für all jene bedeutet, die ständig ihre Nase überall reinstecken."
Die Nürberger Zeitung bilanziert: "Die Selbstdemontage dieser Frau ist so komplett, dass es schon fast keine Rolle mehr spielt, ob an den Rotlicht-Gerüchten etwas dran ist."
Hart mit ihrer Namenskollegin ins Gericht geht auch Bettina Vestring in der Berliner Zeitung: "Bettina Wulff will bemitleidet werden, und sie will bewundert werden. Sie bedient gezielt die Gier der Öffentlichkeit, das Menschelnde hinter den Kulissen der Macht vorgeführt zu bekommen. Und zugleich hilft sie damit der Familienkasse auf, die durch die Anwaltsrechnungen ihres Mannes belastet ist." Vestring sagt, nichts von alle dem sei verboten. Ganz unabsichtlich rufe Wulff damit jedoch in Erinnerung, "warum wir so froh sind, dass sie und ihr Mann aus dem Schloss Bellevue verschwunden sind."

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