Wolff-Preis: Nichts gegen ein wenig Hybris

Publishing Bundespräsident Joachim Gauck ist nicht nur mit einer Journalistin liiert, er hat auch für den Beruf als solchen etwas übrig. Genauer gesagt: Viel hat er für den Journalismus übrig. Am Mittwochabend hielt er die Hauptrede bei der Verleihung des Theodor-Wolff-Preises. Die Texte hatte er nicht nur gelesen, er leitete auch aus ihnen ab, was guten Journalismus ausmacht. Distanz zu den Akteuren, Glaubwürdigkeit, eine anständige Bezahlung. Denn: "Wir wollen nicht von billigen Leihkräften informiert werden."

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Eine "Grundsatzrede" wolle er gar nicht halten, informierte Gauck die Zuhörer. "Das mache ich vielleicht später mal." Ein bisschen grundsätzlich wurde es dann doch – aber mit präsidialen Mahnungen und Warnungen zur Lage und Zukunft der Presse hielt sich der Bundespräsident weitgehend zurück. "Sich selber nicht so wichtig nehmen" sei eine gute Maxime für einen Journalisten. Das war gewiss nicht die verkehrteste Empfehlung, könnte aber ebensogut an Politiker gerichtet gewesen sein.

Eine kleine Einlassung zum Internet hatte Gauck dann auch im Gepäck. Natürlich gebe es im Netz einen "kreativen Diskurs", der "nicht ohne Reiz" sei und in Despotien sogar mehr als segensreich. Er hätte sich gewünscht, die Möglichkeit seine Meinung frei im Netz äußern zu können hätte es schon 1989 gegeben. Aber Gauck sprach auch von einem "Meinungs-Tsunami im Netz", in dem jeder "posten und petzen" könne, wie es ihm oder ihr beliebe. Redaktoneller Journalismus sehe jedenfalls anders aus.

Das Kuratorium und die Jury des Theodor-Wolff-Preises hat sich indes im 50. Jahr des Bestehens darauf geeinigt, künftig auch Texte zur Einreichung zuzulassen, die ausschließlich im Internet (auf Angeboten von Zeitungsverlagen) erschienen sind. Das ist vermutlich auch im Sinne von Springer-Chef Mathias Döpfner, der Gastgeber der Preisverleihung war. Er erinnerte in der Ullstein-Halle daran, dass der Geist die Materie bestimme. Sprich: Nicht das Papier gelte es zu verteidigen, sondern den Journalismus. Ein wenig Medienpolitik durfte nicht fehlen: Das Leistungsschutzrecht sei eine "Schlüsselvoraussetzung dafür, dass der Journalismus in der digitalen Welt noch ein Geschäftsmodell" sei.

Während Gauck vom "nicht so wichtig nehmen" sprach, merkte Döpfner an, gute Journalisten bräuchten wie Theodor Wolff "eine gesunde Portion Hybris". Bei den Preisträgern überwog – zumindest auf der Bühne – weder das eine noch das andere, sondern die Freude über den Preis. Gewonnen haben: Alexander Gorkow (Süddeutsche Zeitung) mit einem Porträt des Schauspielers Matthias Brandt. Lars Fischer (Wümme-Zeitung) für einen Selbstversuch – er war eine Woche "containern" gegangen, hatte sich also Essen aus Mülltonnen gefischt. Harald Martenstein (Tagesspiegel, Zeit) für einen Essay über den "Sog der Masse". Philip Cassier (Berliner Morgenpost) für einen Text über einen Besuch bei zwei jüdischen Damen in Berlin, die mit ihm über ihr Leben sprachen. Volker Zastrow (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) über den Fall des Karl-Theodor zu Guttenberg.

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