StudiVZ: das Ende der Dauer-Misserfolgsstory

Publishing Stefan von Holtzbrinck hat StudiVZ verkauft. Endlich! Denn obwohl der Verleger mit dem einst hochgewetteten Facebook-Rivalen wohl einen der schlechtesten Medien-Deals der vergangenen Jahre komplett abschreiben muss, ist er endlich den Ballast los, der stets den Blick auf den eigentlich hoch erfolgreichen und innovativen Web-Unternehmer verstellte. Allerdings könnte der VZ-Deal auch unschöne Auswirkungen auf die Bewertung anderer Netz-Investments wie dem Burda-Einstieg bei Xing zur Folge haben.

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Stefan von Holtzbrinck hat StudiVZ verkauft. Endlich! Denn obwohl der Verleger mit dem einst hochgewetteten Facebook-Rivalen wohl einen der schlechtesten Medien-Deals der vergangenen Jahre komplett abschreiben muss, ist er endlich den Ballast los, der stets den Blick auf den eigentlich hoch erfolgreichen und innovativen Web-Unternehmer verstellte. Allerdings könnte der VZ-Deal auch unschöne Auswirkungen auf die Bewertung anderer Netz-Investments wie dem Burda-Einstieg bei Xing zur Folge haben.

Als die Pressemitteilung über den Verkauf von Poolworks, dem neuen Mutterunternehmen von StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ am Dienstagnachmittag die Redaktionen erreichte, hat vor allem der Name des Käufers für viele Fragezeichen gesorgt. Selbst nach einer eingehenden Recherche gibt das Internet keine Informationen über Vert Capital preis. Der Mediendienst Werben & Verkaufen veröffentlichte immerhin eine Pressemitteilung mit der Information, dass die Investmentgesellschaft auch hinter Bebo stehe und das UK- und US-Network nun auch hierzulande online ginge. Ob dies tatsächlich so kommt, ist jedoch noch völlig unklar. Theoretisch möglich auch: Vert Capital ist eine Luftnummer.

Für jeden anderen Fall klar ist allerdings, dass Holtzbrinck Digital mit Vert Capital einen Abnehmer für die VZ-Netzwerke fand – was aktuell kein Experte hierzulande für möglich gehalten hätte. Anders als bei der Übernahme von StudiVZ im Jahr 2007 durch das Stuttgarter Medienhaus haben die neuen Käufer wohl kaum sonderlich tief in die Tasche gegriffen. Holtzbrinck berappte damals geschätzte 85 Millionen Euro. Damit wird es aber nicht getan sein. Denn fünf CEOs, Hunderte Mitarbeiter, etliche Relaunches, Entwicklungs- und Innovations-Offensiven dürften danach noch viele zusätzliche Millionen verschlungen haben. Auf der Habenseite der Web-Company stehen lediglich ein paar Monate, in denen die Berliner operativ schwarze Zahlen schrieben.
Sicher: Springers Vorstandschef hat mit dem Postauslieferer Pingroup auch einen Riesenverlust (über 600 Mio. Euro) auf dem Abschreibungskonto zu verbuchen gehabt. Aber dieser wurde schnell und damit einigermaßen geräuschlos abgewickelt. Der lange währende Niedergang der Social Media-Unit von Holtzbrinck dagegen war immer wieder Gegenstand branchenöffentlicher Erörterungen. 

Sehr defensive Schätzungen gehen davon aus, dass das StudiVZ-Investment Holtzbrinck unterm Strich weit über 100 Millionen Euro gekostet hätte. Für das Medienhaus dürfte allerdings schon seit längerem feststehen, dass man eigentlich kaum noch eine Chance gehabt hat, diese hohen Investitionen wieder reinzuholen. Am Ende ging es wohl nur noch darum, überhaupt einen Käufer ausweisen zu können, um die scheinbar endlos qualvolle Misserfolgsstory endlich abzuhaken. Darin liegt der gefühlte Gewinn: Endlich ist Stefan von Holtzbrick die immense VZ-Hypothek los.

Immer, wenn der Verleger ein neues Web-Investment in den vergangen Jahren tätigte, wiesen die Kritiker auf sein wenig erfolgreiches VZ-Engagement hin. Dabei hat Stefan von Holtzbrinck längst zum wiederholten Male (Zalando, BrandsforFriends, Groupon, Parship) sein hervorragendes Näschen für die Chancen, die im Medienwandel stecken, bewiesen. Neben Springer und Burda taugt der Bruder von Dieter von Holtzbrinck längst als ein höchst positives Bespiel, wie ein Verleger mit den Herausforderungen 2.0  umgeht.

Allerdings: Der VZ-Deal könnte mittelfristig eines der wichtigsten Burda-Investments der vergangenen Jahre belasten. Für rund 48 Millionen Euro hatten die Münchner 25,1 Prozent von Xing übernommen und halten aktuell um 30 Prozent der Anteile. Nach einem Höhenflug an der Börse kämpft das Papier des Business-Netzwerk seit Monaten mit einem anhaltenden Abwärtstrend. Es besteht die Gefahr, dass die Anleger das Vertrauen in die Kraft des deutschen Netzwerkes verlieren, sich gegen den scheinbar übermächtigen US-Rivalen LinkedIn durchzusetzen.

Die Situation erinnert an StudiVZ vor vier Jahren. Auch damals kämpfte der deutsche Marktführer gegen den US-Herausforderer. Der hieß damals Facebook. Das Ende vom Lied: Facebook ist längst mit riesigen Abstand hierzulande Marktführer und die VZ-Netzwerke haben auf ganzer Linie verloren. StudiVZ, MeinVZ und SchülerVZ sind bedeutungslos. Daran wird auch der neue Besitzer kaum etwas ändern können – wenn er denn (siehe Bebo-Variante) real existiert und nicht nur die kreative PR-Ummäntelung der Totalabschreibung des Holtzbrinck-Fehlinvests ist.

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