Mondia Media plant deutsches Hulu

Publishing Kommt das deutsche Hulu nun über einen Umweg? Die ehemalige Bertelsmann-Tochter Mondia Media will bis zum Jahresende eine On-Demand-Videoplattform für deutsche Fernsehzuschauer starten. Das Angebot soll senderübergreifend Inhalte präsentieren und so den Nutzern auch die Möglichkeit geben, Serien und Spielfilme der Privatsender unabhängig vom Sendeplan anzuschauen. RTL und ProSiebenSat.1 hatten bis vor Kurzen eigene Pläne für eine solche Plattform, die ihnen jedoch untersagt wurden.

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Wollen deutsche TV-Zuschauer ihren eigenen Sendeplan zusammenstellen, erwartet sie derzeit großes Chaos. Zwar bieten die meisten Kanäle in Internet on-demand bereits ausgestrahles Material an, in der Regel mit Ausnahme der Spielfilme. Wo jedoch welche Sendungen zu finden sind, ist schwer zu überblicken.
Die Sender haben zum Teil eigene Mediatheken, andere lagern ihr Material wie ProSiebenSat.1 zum Teil kostenpflichtig auf Maxdome aus. Wieder andere Folgen sind auf den Sender-Unterseiten zur jeweiligen Serie zu finden. Der Bedienkomfort bleibt ebenso wie die Übersicht häufig auf der Strecke. Eine einzelne Seite, die Serien aller TV-Sender zeigt, existiert in Deutschland nicht.
Die Firma Mondia Media will dies nun ändern. Bis zum Jahresende will sie eine senderübergreifende Videoplattform veröffentlichen. Mit ersten Sendern befinde man sich bereits in Gesprächen, berichtet Michael Krause, Vizepräsident für Sales & Marketing bei Mondia Media, gegenüber MEEDIA. Mit den TV-Stationen müsse derzeit unter anderem ein Konsens für mögliche Bezahlmodelle gefunden werden. Die Hamburger wolle das Angebot für die Nutzer möglichst homogen halten. Heißt: Für die Inhalte der unterschiedlichen Sender, sollen möglichst einheitliche Bedingungen und Regeln gelten. Voraussichtlich werde das deutsche Hulu, für das noch kein Name feststeht, aus einer Mischung aus freien und kostenpflichtigen Angeboten bestehen.
Volker Glaeser, Chief Operating Officer bei Mondia Media, sieht seine Firma gut für die Arbeit an einem solchen Videoportal gerüstet: "Portale mit digitalem Content sind weltweit unser Kerngeschäft, daher bringen wir alle Kompetenzen für diese Produktentwicklung mit." Glaeser ruft zudem weitere Fernsehmacher auf, sich dem Projekt anzuschließen: "Wir laden alle Sender – sowohl privat als auch öffentlich-rechtlich – dazu ein, sich an diesem Vorhaben zu beteiligen."
Mondia Media firmierte lange Jahre als arvato mobile und damit als ein Tochterunternehmen der Bertelsmann-Tochter arvato AG. 2009 wurde arvato mobile von der Mondia Ltd und der Abu Dhabi Group übernommen. Die Abu Dhabi Group ist im Privatbesitz eines Mitglieds der Adelsfamilie Abu Dhabis. Die Firma wurde in Europa vor allem durch den Kauf des englischen Fußballclubs Manchester City bekannt, den die Abu Dhabi Group mit Millioneninvestitionen im vergangenen Jahr zum englischen Fußballmeister-Titel verhalf.
An Geld wird es Mondia Media für die Umsetzung einer deutschen TV-Video-Plattform im Zweifelsfall also nicht fehlen, auch wenn die Firmenbesitzer anders als im Fall Manchester City sicher auch finanzielle Rendite sehen wollen. Entscheidend wird sein, wie die TV-Sender auf die Einladung von Mondia Media reagieren werden.
RTL und ProSiebenSat.1 hatten 2010 ihren gemeinsamen Plan für eine solche Video-Plattform vorgestellt. Dieser wurde Anfang 2011 jedoch vom Bundeskartellamt untersagt. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, urteilte damals: "Die Gründung der gemeinsamen Plattform würde das marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken."
RTL und ProSiebenSat.1 legten vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde ein. Das Gericht wies diese jedoch Anfang August ab. Vergangene Woche erklärte die RTL Gruppe daraufhin, nicht vor die nächsthöhere Instanz ziehen zu wollen. Als Grund gilt gemeinhin die zu erwartende Dauer des Verfahrens. Stattdessen kündigte RTL an, die eigenen Video-on-Demand Angebote ausbauen zu wollen.

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