Bettina Wulff – der banale Bestseller

Publishing Alle sind sich sicher: Dieser Titel wird rennen. Bettina Wulffs Buch “Jenseits des Protokolls” dürfte einer der großen Buch-Hits dieses Herbstes werden. Die mediale Resonanz kurz vor der Frankfurter Buchmesse ist gewaltig. Der ganze Auftritt ist vom Cover bis zum Titel fein ausgearbeitet, um eine ganz bestimmte, mutmaßlich weibliche, Zielgruppe zu bedienen. Dabei ist der Inhalt des Werkes der Ex-Präsidentengattin fast schon erschreckend banal - eine Art wahr gewordener Groschenroman.

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Ein bisschen dünne ist es dann doch, was Bettina Wulff in ihrem Buch zusammen mit einer Journalistin zu Papier gebracht hat. Dass an den Rotlicht-Gerüchten nie etwas dran war, ist keine Überraschung. Und man kann sich auch sehr gut vorstellen, wie eine Frau und Mutter unter solchen Verleumdungen leidet. Überraschend ist höchstens, dass sie erst jetzt dagegen vorgeht. Die Begründung, sie und ihr Mann hätten zuvor gefürchtet, dass ein Schritt in die Öffentlichkeit, “dem anonymen Rufmord eine viel zu große Aufmerksamkeit” einräumt, mag nicht recht zünden. Die Aufmerksamkeit war schon da und wird nun von ihr selbst nochmals tüchtig befeuert.

Das Buch zeichnet ein groschenromanhafte Bild von der unbedarften, jungen Frau aus der Provinz, die sich in den großen Politiker verliebt und an der bösen, intriganten Welt von Politik und Medien scheitert. Da war die Bild-Zeitung. Bettina Wulff: „Wenn man einen bestimmten Grad an Öffentlichkeit erreicht hat, kommt man nicht um die Bild herum. Auf einer gewissen Ebene gilt es, mit dem Blatt zurechtzukommen.“ Soweit Lieschen-Müller-Point-of View. Die mutmaßlich in der Überzahl weiblichen Leser von “Jenseits des Protokolls” dürften solch eine Sichtweise gerne glauben, wird sie doch seit Jahr und Tag als herrschende Mainstream-Meinung über die Bild kolportiert: Ohne die böse Bild geht es nicht. Was freilich so nicht stimmt. Showstar Stefan Raab zeigt seit eniger Zeit, dass es durchaus ohne die Bild geht. Wenn man denn ohne die Bild will.

Die Berufung Christian Wulffs zum Bundespräsidenten beschreibt seine Frau als etwas, das sie gar nicht so recht wollte: „Mir lag und liegt es fern, nur die Frau von … zu sein, nur Mutter zu sein, dazu ein eigenes Haus mit Garten zu haben, aber keinen Euro selbst zu verdienen.“ Quasi ihm zuliebe habe sie dann eingewilligt und das Drama nahm seinen Lauf. Die Dienstvilla in Dahlem? Leider “in keiner Weise warm und kuschelig.” Überall Leibwächter, Kameras und diese Medien. Die Position als Frau des Bundespräsidenten sei ein “Full-Time-Job” ohne Vergütung. Ein Anhängsel ihres Mannes, eine fast entwürdigende Tätigkeit, die noch nicht einmal bezahlt wird.

Die Ungereimtheiten rund um ihren Hauskredit, die in Anspruch genommenen Vergünstigungen aus der Zeit als Christian Wulff noch Ministerpräsident in Niedersachsen war – all dies wird erwähnt und erläutert, bleibt aber im Ungefähren – Neuigkeiten gibt es keine. Vor allem scheint Bettina Wulff zu stören, dass sie für die Verfehlungen ihres Mannes in ihrer Lesart mit verantwortlich gemacht wurde: „Mein Mann und ich, wir als Ehepaar Wulff, wurden gerne, als es um die lange Liste der möglichen Vergehen ging, von den Medien über einen Kamm geschoren.“

Auch den letzten Auftritt bei seiner Rücktrittserklärung habe sie nicht gewollt (“Warum sollte ich mich da mit hinstellen?”) Ihre Gedanken galten vor allem ihrer Garderobe. “Ich wollte mich als starke Frau präsentieren”, schreibt sie. Bewusst sei sie bei der Rücktrittserklärung ein bisschen von ihrem Mann abgerückt, um ihre Eigenständigkeit zu demonstrieren. So könnte man auch das Buch “Jenseits des Protokolls” lesen: Bettina Wulff rückt ein bisschen von ihrem Mann ab. Ob diese Geschichte Happy End haben wird? Das Publikum bleibt gespannt. Und wartet auf den ersten Talkshow-Auftritt.
Nachtrag: In einer früheren Form des Artikels stand, dass Stefan Raab und Jürgen Trittin ohne Bild auskommen. Das stimmte so auch nicht ganz. Ein Bild-Sprecher wies darauf hin, dass Jürgen Trittin 2010 in der Bild am Sonntag ausführlich über seinen Herzinfarkt sprach. Stefan Raab schrieb längere Zeit eine Kolumne für Bild. Raab hat sich später allerdings mit Bild überworfen und kommt seither ganz gut ohne sie aus. Der Text wurde entsprechend angepasst.

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