Condé Nast: Meister der Modefotografie

Publishing Modefotografie ohne professionelle Models? Für die Vogue war das nie eine Option. Eine Berliner Ausstellung mit mehr als 150 Fotografien aus den Archiven von Condé Nast macht deutlich, warum. Modefotografie biete "Anregungen zum Träumen", sagt Christiane Arp, die Chefredakteurin der deutschen Vogue. Dass die "No Model"-Kampagne der Brigitte nun beendet wurde, habe sie nicht überrascht. "Was die Kollegen in ihrem Heft gezeigt haben, war keineswegs die Frau von der Straße."

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Christiane Arp, als Vogue-Chefin eine der obersten Modeversteherinnen der Republik, war am vergangenen Mittwoch zu einem "Private View" der Ausstellung "Zeitlos schön" in die Galerie C/O gekommen. Für die Schau hat der Condé Nast Verlag erstmals sein gigantisches Archiv geöffnet. Die Kuratorin Nathalie Herschdorfer hat den Bogen von Edward Steichen ("Anfänge bis 1939" – Steichen war zwischen 1923 und 1937 Cheffotograf bei Vogue und Vanity Fair) über John Rawlings ("Die Goldenen Jahre" bis 1959) und Bruce Weber ("Neue Welle" bis 1979) zu Tim Walker ("Anerkennung und Erneuerung" bis zur Gegenwart) gespannt.
 
Edward Steichen, Vogue 1923

John Rawlings, Vogue 1943

Erwin Blumenfeld, Vogue 1945

In der Ausstellung gibt es neben den Prints auch zahlreiche Ausgaben der Magazine des Condé Nast Verlags zu sehen (mit interessanten Informationen am Rande – so trug die Zeitschrift Glamour nach dem Zweiten Weltkrieg den Untertitel: "for the girl with a job"). An den Wänden hängen Abzüge von Originalausgaben, in Vitrinen liegen Magazine mit teilweise bearbeiteten Bildern.

Constantin Joffé, Vogue 1945

Clifford Coffin, Vogue 1949

Norman Parkinson, Glamour 1949

Vogue erschien in den USA erstmals 1892, der Verleger Condé Nast kaufte die Zeitschrift 1909. Nast habe die Haute Couture mit seinen Publikationen überhaupt erst zur Kunst erhoben, heißt es in einem Text für die Presse. Das klingt pathetisch, ist aber darum nicht verkehrt. Losgelöst aus dem Kontext eines Magazins wird noch deutlicher, welche ästhetische Kraft in herausragender Modefotografie steckt. Christiane Arp glaubt, dass die Ausstellung "etwas bewegen" werde. Viele jungen Modefotografen seien die Werke solcher Künstler wie Horst P. Horst oder George Hoyningen-Huene nicht mehr geläufig. Dabei bildeten sie "die Basis einer Ästhetik" – und wirkten zudem auch heute noch unglaublich modern. Wobei nicht jedes Modefoto in ein Museum gehöre. Arp: "Sie brauchen in einem Magazin auch die weniger ikonographischen Bilder, die gemeinsam mit den Highlights eine Art Singsang im Heft erzeugen."

David Bailey, Vogue 1962

Franco Rubartelli, Vogue 1967

Deborah Turbeville, Vogue 1975

Modefotografie ist fraglos auch ein Spiegel der Zeit, und so sieht Arp die Natürlichkeit auf dem Weg zurück in die Modefotografie, "auch ausgelöst durch Katastrophen wie Fukushima". Doch Natürlichkeit bedeutet in ihrem Verständnis nicht, dass Modezeitschriften auf Laien-Models setzen sollen. Dies sei nicht im Sinne der Leserin. Denn Brigitte habe in den "No Model"-Heften auf eine Idealisierung der Frau von der Straße gesetzt. "Das musste frustrierend für die Leserin sein", glaubt Arp.
 
Albert Watson, Vogue 1977

Miles Aldridge, Vogue Italia 2002

Die Vogue setzt dagegen seit Juni auf einen anderen Ansatz – im Rahmen der Health Initiative soll durch den Einfluss der insgesamt 19 Vogue-Ausgaben auf aller Welt "ein gesundes Körperbild und -bewusstsein innerhalb der Modebranche" gefördert werden.
Die Ausstellung läuft bis zum 28. Oktober in der Galerie C/O in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte. Bei Prestel ist ein Katalog mit den ausgewählten Fotografien erschienen.  

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