Julia Jäkel: die Marissa von Gruner + Jahr

Publishing Die Berufung von Julia Jäkel zur Deutschland-Chefin von Gruner + Jahr ist ein Signal nach innen und nach außen. Nach innen heißt die Botschaft: Kontinuität, die neue Chefin ist eine aus dem eigenen Stall, Mehrheitsgesellschafter Bertelsmann glaubt noch ans Verlagsgeschäft. Nach außen lautet die Message: Wir können überraschen, G+J ist nicht abgeschrieben, jetzt werden die Ärmel hochgekrempelt. Die Berufung von Julia Jäkel weckt Erinnerungen an Marissa Mayer, die jüngst den Chefsessel bei Yahoo übernahm.

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Den Vergleich zwischen Julia Jäkel und Yahoo-Chefin Marissa Mayer zog MEEDIA schon, als wir das Kandidaten-Karussell für die Nachfolge des scheidenden G+J-Chefs Bernd Buchholz drehten. Der Vergleich liegt auf der Hand: Marissa Mayer ist ungefähr im gleichen Alter (die Yahoo-Chefin ist 37, die neue G+J-Chefin 40), beide gelten als Powerfrauen. Julia Jäkel hat ihre Zwillinge schon zur Welt gebracht, Marissa Mayer erwartet die Geburt ihres Kindes im Oktober. Beide Frauen übernehmen ein Unternehmen im Umbruch: Yahoo gilt als Krisenfall, wurde von anderen Internet-Größen überholt und muss seine Rolle in der Digitalen Welt neu finden und definieren.

Gruner + Jahr gilt als traditionsreiches Verlagshaus mit starken Marken, das im Digitalen aber Nachholbedarf hat. Sowohl Marissa Mayer als auch Julia Jäkel stehen für einen neuen Typ von Managerin, die es schaffen, tatsächlich Spitzenpositionen einzunehmen und ein Familienleben zu führen. Beide sind auch mit genügend Selbstvertrauen gesegnet, um die Erwartungen der Öffentlichkeit und anderer interessierter Parteien an ihre Role-Model-Rolle erst einmal gepflegt zu ignorieren.

Was aber bedeutet es für G+J, dass das lange Jahre männlich dominierte Medienhaus nun von einer Frau geführt wird? Zunächst einmal: Es dürfte sich einiges ändern. Julia Jäkel ist nicht bekannt dafür, in Bezug auf geschäftliche Entscheidungen sentimental oder zimperlich zu sein. Bei der Brigitte hat sie in ihrem alten Wirkungsfeld schon damit begonnen, neue Saiten aufzuziehen und durchzugreifen. Der langjährige Chefredakteur Andreas Lebert wurde durch Multi-Chefredakteur Stephan Schäfer ersetzt. Dessen quasi erste Amtshandlung war es, Leberts Idee von den Amateur-Models rückgängig zu machen. Zu teuer, bringt nix. Rückblickend wirkt der Einfall, nur noch Amateur-Modelle für Brigitte-Shootings einzusetzen, wie ein aus der Zeit gefallener Marketing Gag. Die Personalie Lebert zeigt, wie konsequent Julia Jäkel durchgreifen kann, wenn sie eine Entscheidung getroffen hat.

Man braucht nicht sehr viel Fantasie, um zu erkennen, welche Bereiche sich die neue Deutschland-Chefin und ihr Lieblings-Chefredakteur Schäfer als nächstes vornehmen: Stern und Geo sind große, alte Marken des Hauses. Gut möglich, dass die vom aktuellem Führungsteam schon angestoßene Frischzellenkur dort noch an Fahrt aufnimmt. Auch das Thema Digital dürfte von der neuen Chefin mit Verve angepackt werden. Und dann ist da ja noch die Sache mit der Wirtschaftspresse …

Die Gemeinschaftsredaktion aus FTD, Capital, Impulse und Börse Online schreibt nach wie vor rote Zahlen und groß sparen kann man nicht mehr. Da wird es nicht einfach, richtige Entscheidungen zu treffen. Julia Jäkel hat selbst einmal für die krisengeschüttelte Financial Times Deutschland gearbeitet, hat dort die Kommunikation gleitet und die Beilage “How to spend it” für Deutschland entwickelt. Sie dürfte also durchaus gewisse Sympathien für das lachsrosa Blatt haben. Doch um Jäkel Sympathien auszuleben zu lassen, dürften die Gesellschafter aus Gütersloh sie nicht zur Chefin gemacht haben.

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