Appsung-Prozess: Einblicke ins Apple-Reich

Der vermeintliche "Prozess des Jahrhunderts" zwischen Apple und Samsung läuft seit vergangener Woche. Während Apple Samsung dreiste Kopie vorwirft und die Koreaner auf 2,5 Milliarden Dollar verklagt, könnte der Erfolgskonzern aus Cupertino für seine Klage einen hohen Preis bezahlen: Immer mehr Interna aus dem notorisch verschlossenen Apple-Imperium werden bekannt. So wurde nun bei der Anhörung etwa öffentlich, dass selbst Steve Jobs einem 7-Zoll großen iPad keinesfalls negativ gegenüberstand.

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Der vermeintliche „Prozess des Jahrhunderts“ zwischen Apple und Samsung läuft seit vergangener Woche. Während Apple Samsung dreiste Kopie vorwirft und die Koreaner auf 2,5 Milliarden Dollar verklagt, könnte der Erfolgskonzern aus Cupertino für seine Klage einen hohen Preis bezahlen: Immer mehr Interna aus dem notorisch verschlossenen Apple-Imperium werden bekannt. So wurde nun bei der Anhörung etwa öffentlich, dass selbst Steve Jobs einem 7-Zoll großen iPad keinesfalls negativ gegenüberstand. 
Es geht ums Ganze: Der Prozess zwischen Apple und Samsung ist nicht weniger als der ganz große Showdown zweier Gorillas beim Kampf um die Vorherrschaft auf dem Smartphone-Markt. Wer die Entwicklung der extrem dynamischen Branche in den letzten Jahren beobachtet hat, den dürfte dieser „Jahrhundert-Prozess“ nicht überraschen.
Apple entwickelte das iPhone – und Samsung zog mit einem optisch verblüffend  ähnlichen Smartphone nach, das wiederum auf Googles Betriebssystem Android basiert. Tatsächlich seien die Ähnlichkeiten der Produkte frappierend, wie Apples Marketingchef Phil Schiller vergangenen Freitag anhand der ersten Galaxy-Generation noch einmal hervorhob. Wer die Galaxy-Werbung flüchtig im Vorbeigehen oder -fahren betrachtete, mochte es für ein iPhone 3G halten.
Phil Schiller holt aus: Samsung-Kopien erschwert die Vermarktung
Der Schreck saß tief. „Ich war ziemlich geschockt, als ich das Galaxy S zum ersten Mal sah“, erklärte Schiller am Freitag in der Anklage: „Wie sehr es dem iPhone ähnelte!“ Samsung habe damit Apples Marketing-Strategie getroffen. „Plötzlich wurde etwas, das leicht zu vermarkten war, schwer zu vermarkten“, so Schiller.
Samsungs Kopien habe die Arbeit der Apple-Vermarkter klar erschwert, da das Image des iPhones durch die Samsung-Kopie „verwässert“ worden sei. „Mein Team glaubt, dass einige Kunden Samsung-Produkte kaufen, weil sie so aussehen wie das iPhone oder iPad.“
Apple-Interna offen gelegt: 2000 Seiten Mails von Steve Jobs gesichtet 
Entsprechend will Apple Schadensersatz für den entstandenen Umsatzverlust sowie entgangene Lizenzzahlungen – auf 2,5 Milliarden Dollar beziffert Apple die Forderungen. Angesichts von Quartalsgewinnen in Höhe zuletzt 8,8 Milliarden Dollar und Bargeld-Reserven von inzwischen 118 Milliarden Dollar fast Peanuts  für Apple. Ein mögliches Verkaufsverbot der Galaxy-Gadgets in den USA wäre für Apple ein ungleich größerer Erfolg.
Doch dafür könnte der Erfolgskonzern aus Cupertino einen hohen Preis zahlen. Konzernchef Tim Cook hatte noch Ende Mai auf der D10-Conference erklärte, er wolle in Sachen Geheimhaltung „drauflegen“. Im Zuge des Prozess werden nun jedoch immer mehr Interna aus dem Apple-Imperium bekannt. 2000 Mails wurden allein von Steve Jobs gesichtet. 100 Seiten Dokumente über Apple-Prototypen erblickten das Licht der Öffentlichkeit.
iPhone-Software-Team unter strengster Geheimhaltung zusammengestellt
Und jede Menge anderer Firmengeheimnisse. Etwa die der Werbekosten. Seit dem iPhone-Debüt 2007 hat Apple 647 Millionen Dollar in die Bewerbung des Smartphones investiert. Für das erst zweieinhalb Jahre iPad hat Apple immerhin 457 Millionen Dollar in die Werbung gesteckt – insgesamt also mehr als eine Milliarde Dollar in den vergangenen fünf Jahren, was für den wertvollsten Konzern der Welt nun auch nicht eine bemerkenswert große Ausgabe ist.
Interessanter waren die Einblick die iPhone-Produktion: Steve Jobs gab bereits im Jahre 2004 an den heutigen iOS-Chef Forstall die Anweisung, ein Software-Team aufzubauen – allerdings aus Gründen der Loyalität ausschließlich rekrutiert aus Apple-Mitarbeitern.
Forstall scharte ein Entwicklerteam um sich, das vorher nicht wusste, woran es arbeiten – das aber unter strengster Geheimhaltung in einem speziell abgeschirmten Gebäude. „Sie wussten nur, dass es etwas Großes werden würde und mehrere Jahre Entwicklungsarbeit nötig wären“, so der heute 42-Jährige über das „Project Purple“, wie die Arbeit am iPhone intern betitelt wurde.
Interne Email: Steve Jobs Anfang 2011 für ein iPad mini „aufgeschlossen“
„Etwas Großes“ konnte Apple auch sehr bald in der Pipeline haben, wie ein Email-Wechsel zwischen Internetchef Eddy Cue, CEO Tim Cook, Phil Schiller und Forestall enthüllt. Cue brach am 24. Januar 2011 die Lanze für eine 7-Zoll-Modell des iPads, über das in den vergangenen Wochen bereits so viel spekuliert wurde.
„Ich glaube, dass es einen Markt für 7-Zoll-Tablets gibt, und dass wir dabei sein sollten“, so Cue. „Ich habe das Steve (Jobs) seit Thanksgiving mehrere Male erläutert, und er schien zuletzt ziemlich aufgeschlossen.“ Damit wäre Jobs’ legendäres Veto gegen kleinformatige Tablets („Fehlgeburten“) überholt – Spekulationen über das iPad mini haben seit Freitagabend neue Nahrung erhalten.

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