Warum Bauers ACP-Kauf ein Schnäppchen ist

Publishing Mit einem Megadeal überraschte Yvonne Bauer die Medienbranche. Rund 407 Millionen Euro will der Bauer-Verlag für das australische Zeitschriftenhaus ACP Magazines zahlen. Aber was kaufen die Hamburger da eigentlich ein? Fakt ist: ACP ist Teil eines der größten australischen Medienhäuser, das wiederum von einer Private-Equity-Firma kontrolliert wird. Für diese bedeutet der Deal einen Milliardenverlust. MEEDIA gibt einen ersten Überblick über Bauers Zukauf.

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"Wir glauben an Print und haben mit ACP starke Medienmarken in Australien und Neuseeland erworben”, ließ Verlegerin Yvonne Bauer am Dienstag in einer Pressemitteilung verlauten. Tatsächlich ist ACP, genauer ACP Magazines, der wichtigste Zeitschriftenverlag Australiens.

52 Magazine gibt das Medienhaus allein in Australien heraus. Nach eigenen Angaben in einer verlagsweiten Gesamtauflage von 100 Millionen Exemplaren. Damit erreicht ACP jedes Jahr 15 Millionen Leser. Der erfolgreiche Verlag verfügt in fast jedem Segment über führende Titel. Die größten darunter sind die australische Women’s Weekly, Woman’s Day, Cleo, Take 5, TV Week, Australian House & Garden, Gourmet Traveller und Zoo.

Die Women’s Weekly ist außerdem die erfolgreichste Zeitschrift auf dem fünften Kontinent. Das Frauenmagazin wurde 1933 gegründet und kommt auf eine Auflage von rund 465.000 Exemplaren. Darüber hinaus besitzt der Verlag Lizenzen für OK!, Cosmopolitan, Grazia, Harper’s Bazaar und den RollingStone.

In Neuseeland ist das Medienhaus, eine hundertprozentige Tochter von Nine Entertainment Co., mit 16 Titeln vertreten, in erster Linie Frauenmagazine. Außerdem ist ACP mit Special Interest-Titeln in Australien und Custom Publishing in Hong Kong erfolgreich aktiv. Würde man versuchen wolllen, ACP mit dem deutschen Markt zu vergleichen, wäre wohl Gruner + Jahr das passende Äquivalent. Auf Ninemsm, einem Joint-Venture von Nine und Microsoft, erklärte der Konzern am Dienstag, mit dem Verkauf dem Bauer-Verlag die Schlüssel zu insgesamt 110 Printtiteln zu überreichen.

ACP Magazines ist eine Tochter von Nine Entertainment Co., das wiederum zur milliardenschwerden Private-Equity-Firma CVC Asia Pacific zählt. Neben ACP besitzt Nine eine Fernsehsparte mit neun TV-Sendern und einen Digitalarm mit Beteiligungen im News- und Rubrikengeschäft. Doch das Anzeigengeschäft hatte auch in Australien mit enormen Einbußen zu kämpfen. Nine Entertainment ist hochverschuldet. 

Deswegen dürften dem Medienverbund die Finanzspritze über 512 Millionen US-Dollar, die Bauer demnächst an die Australier abtreten muss, gerade recht kommen. Das Nachsehen hat allerdings CVC. Der Eigentümer zahlte zwischen 2006 und 2008 5,3 Milliarden Dollar für die Übernahme von Nine. Mit einem Verkaufspreis von 512 Millionen Dollar für die Magazinsparte macht der Investor laut Reuters einen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar. Das wäre das der größte Verlust, den eine Private-Equity-Firma jemals im asiatischen Raum jemals abschreiben müsste, heißt es weiter.

Der Deal zwischen Nine und Bauer muss nun erst einmal von der australischen Regierung genehmigt werden. CVC muss das Geld nutzen, um die immensen Schulden von Nine bei den vielen Gläubigern abzuzahlen. Unter anderem 2,7 Milliarden australische Dollar, die seit 2013 zu 80 Prozent von Investmentfirmen wie Apollo Global Management and Oaktree Capital Group übernommen wurden. Kommt das Netzwerk nicht schnellstmöglich aus den Miesen, droht die Zerschlagung. Die Schuldner könnten die Außenstände gegen Anteile eintauschen, was wiederum den Einfluss und den Profit von CVC schmälern würde.

In der gemeinsamen Pressemitteilung mit Bauer Media formulierte man das so: "Die Entscheidung, unsere Magazinsparte zu verkaufen, haben wir uns nicht leicht gemacht. Unterm Strich aber erfährt NEC durch den Verkauf eine attraktive Steigerung des Barvermögens. ACP hat den Vorteil, Teil eines weltweit tätigen Verlagshauses zu werden. Der Verkauf wird es uns auch erlauben, uns wieder stärker auf die Kernkompetenz TV und auf unsere wachsenden Digital- und Event-Sparten zu konzentrieren“, sagt David Gyngell, Chief Executive Officer. CVC selbst will den Vorgang nicht kommentieren.

Nine versuchte offenbar seit dem vergangenen Jahr, seine Printsparte mit einem Marktanteil von 50 Prozent zu verkaufen. Mit Blick auf den ursprünglichen Wert von Nine hat der Bauer-Verlag ein Schnäppchen gemacht. ACP Magazines ist in mehreren Märkten international gut aufgestellt. Der große Verlierer in diesem Fall der bisherige Eigentümer CVC.

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