Bauer Media Group: Die Print-Gläubigen

Publishing Kein Medienunternehmen in Deutschland setzt derzeit so konsequent auf das Zeitschriftengeschäft wie die Bauer Media Group. Durch den Zukauf der australischen ACP steigen die Hamburger im Ranking der weltweit größten Zeitschriftenverlage auf. Wo Springer sich aus Print offenkundig geistig-strategisch schon lange verabschiedet hat und G+J zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist, legen die Bauers zu. "Wir gehen auf Angriff", sagt Geschäftsleiter Andreas Schoo zu MEEDIA.

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"Entweder entscheidet man sich für eine konsequente Zeitschriftenstrategie oder dagegen", sagt Schoo. "Wir haben uns dafür entschieden. Das ist nicht ohne Risiko, und man muss sich das zutrauen. Und das tun wir." Der Zukauf des größten australischen Zeitschriftenverlags ACP, den der bisherige Eigentümer CVC wegen großen Liquiditätsbedarfs abgestoßen hat, illustriert die Bauer-Strategie eindrücklich. Denn ACP ist beileibe kein heruntergewirtschafteter Laden, sondern erlöst im Jahr etwa 80 bis 100 Millionen Dollar. Mit Marken wie Cosmopolitan, Harper’s Bazaar und Women’s Weekly. Allein der Zugang zu diesen Lizenzen ist wertvoll. Zudem wird Bauer in Down Under seine Talente unter Beweis stellen können, was Kostenoptimierung angeht. Auch wird das Management die Digitalisierung der Print-Marken stärker als bisher vorantreiben müssen. Wobei diese Aufgabe auch in Deutschland ansteht. Doch Bauer sieht sich hier nicht als "first mover". "Das ist eine Frage des Timings", sagt Andreas Schoo. Klar sei, dass der Verlag "massiv" im Digitalgeschäft wachsen wolle.   

Während für viele Medienunternehmen im In- und Ausland Print kein Wachstumsgeschäft mehr ist, geht Bauer den umgekehrten Weg – kauft Print zu, um weltweit seine Zeitschriften-Marktstellung auszubauen. In den USA ist Bauer nicht erst seit dem Erfolg von InTouch eine Größe. In Großbritannien gelang mit der Übernahme der Emap-Zeitschriften vor vier Jahren ein Coup. Jetzt folgt der Einstieg in einen Markt, der zumindest in Westeuropa bisher nicht auf dem Radar war. Womöglich zu Unrecht. Der Umsatz von Bauer klettert, sobald es grünes Licht für die Übernahme gibt, auf geschätzte 2,5 Milliarden Euro im Jahr. Der Auslandsanteil am Umsatz dürfte von derzeit etwa 59 auf knapp 70 Prozent steigen. Unter Deutschlands größten Medienunternehmen liegt Bauer küntig etwa auf Augenhöhe mit Hubert Burda Media. International ist derzeit wohl nur Hearst so print-proaktiv wie Bauer.

Mit Yvonne Bauer an der Spitze des Verlags hat sich sowohl die Geschwindigkeit der Neugründungen erhöht wie auch der Wille zum Wachstum durch Zukäufe vergrößert. Innerhalb von Deutschland kassierte Bauer zuletzt die MVG-Titel Cosmopolitan, Joy und Shape ein. Ein halbes Dutzend Zeitschriften gingen allein in diesem Jahr neu in den Markt hinein. Darunter das Wochenmagazin Closer, das sich offenbar sehr gut entwickelt. Hieß es in der Medienbranche früher "Zu Bauer geht man nicht, von Bauer kommt man", will Schoo nun einen neuen Branchen-Claim etablieren: "Wir möchten mit den besten Redaktionen die besten Zeitschriften produzieren." Ein Drittel der Zeit verbringe die Verlagsführung allein mit Produktdiskussionen, sagt der Manager.

Nun ist klar, dass Bauer in absehbarer Zeit kein Nachrichtenmagazin entwickeln wird oder aufwändige Print-Experimente eingeht. Der Anspruch des Kostenführers bleibt erhalten. Im Wesentlichen konzentrieren sich die Hamburger inhaltlich auf das, was sie können. Und freilich ist es derzeit völlig offen, ob die aggressive Wachstumsstrategie auch aufgeht. Ob Zeitschriften – gedruckt und digital – langfristig eine gute Wertanlage sind. Eine Reihe von Medienunternehmen scheint dies nicht zu glauben, ansonsten wäre ACP nicht so günstig unter den Hammer gekommen. Das Credo der Bauers heißt also: Antizyklisch handeln. Wenn andere aussteigen, steigen wir ein.

Fragt sich, wo da eigentlich Gruner+Jahr auf der Landkarte bleibt. Der australische Verlag wäre eine sehr sinnvolle Ergänzung gewesen, G+J ein natürlicher Käufer. War die Kaufsumme von rund 400 Millionen Euro, eigentlich ein Schnäppchen, zu hoch? Oder ist der Verlag zu sehr mit sich selbst beschäftigt? Oder Australien zu weit weg? Was immer die Branche über Bauer denkt und sagt, und das ist oft und immer noch nicht schmeichelhaft: Die tun wenigstens was. 

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