Status-Symbol Print: 15 Titel mit Zukunft

Es geht mal wieder um die Gattung Print und ihre Probleme mit dem digitalen Wandel in der Medienwelt. Auflagen und Anzeigenumsätze stehen bekanntermaßen unter Druck. Doch während manche Print-Produkte ums Überleben kämpfen, geht es anderen ziemlich gut im Digitalen Wandel. Wir haben versucht, eine besondere Gattung Print-Erzeugnis zu charakterisieren, die in der digitalen Welt sogar eine rosige Zukunft haben könnte: das Print-Produkt als Status-Symbol.

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Print als Status-Symbol – was soll das denn wieder?

Ein Kennzeichen der digitalen Welt ist die praktisch unendliche Reproduzierbarkeit von Inhalten, auch bekannt als Skalierbarkeit. Dies ist für Medienmacher zugleich Fluch und Segen. Für ein Angebot wie Spiegel Online ist es relativ unerheblich, ob nun zwei oder drei Millionen Menschen die Seite aufrufen. Zwar sind wesentlich höhere Reichweiten auch mit etwas höheren Serverkosten verbunden – verglichen mit den redaktionellen Kosten für das Erstellen der Inhalte, fallen solche Mehrkosten jedoch nicht sehr stark ins Gewicht. Jeder kann Online-Medien konsumieren und das meist kostenfrei und mobil.

Mit einem Print Produkt ist das eine andere, kompliziertere Sache. Eine Zeitung auf Papier zu erstellen und zu vertreiben, ist ungleich teurer. Man braucht Druckmaschinen, einen Vertrieb, der das physische Produkt verteilt usw. Weil Produktion und Vertrieb von Printprodukten ein Vorgang in der analogen Welt sind, gibt es da gewisse natürliche Grenzen der Kapazität. Mit anderen Worten: Print-Produkte sind verglichen mit Onlinemedien ein tendenziell knappes Gut. Das liegt auch daran, dass Print-Produkte wegen der beschriebenen Kosten deutlich teurer sein müssen, als Onlinemedien (so diese den Leser überhaupt etwas kosten). Aus diesen Überlegungen heraus erwächst Print zunächst ein Nachteil gegenüber Online: Print ist knapper, teurer, komplizierter in der Herstellung.

Aber: Wer sein Print-Produkt geschickt positioniert kann diese Eigenschaften auch zum Vorteil wenden. Stern-Vize Dominik Wichmann stellte in einem Interview mit MEEDIA kürzlich die These auf, Printmedien müssten sich zu Luxuskonsumgütern wandeln. Wir gehen noch einen Schritt weiter und meinen, ein Print-Produkt kann nämlich etwas schaffen, das einem Onlinemedium vermutlich niemals gelingen wird – es kann zu einem Status-Symbol werden. Ein teures FAZ-Abo kann durchaus ein Status-Symbol sein. So ein Print-Abo ist etwas, das man sich vielleicht bewusst leistet, um eine Haltung zu demonstrieren. Die gedruckte Zeitung kann für jeden sichtbar im Zug oder sonst einem öffentlich Raum gelesen werden. Man kann Zeitungen oder Magazine für Besucher sichtbar zu Hause auslegen. Mit anderen Worten: Mit Print kann man ein Statement abgeben – mit Onlinemedien nicht.

Wir haben – rein subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit – eine Liste mit 15 Beispielen für Print-Produkte zusammengestellt, die unserer Meinung nach aus den verschiedensten Gründen zum Status-Symbol taugen.

Beef

Warum? Beef ist noch ein relativ junges Magazin, das aus einem internen Projektwettbewerb bei Gruner + Jahr hervorgegangen ist. Das Magazin transportiert wie alle Print-Status-Symbole exzellent die Lebenseinstellung und Haltung seiner Leser.  An Beef ist alles üppig und opulent: Die Seitenzahl ist dick, die Bilder strotzen vor Fleischsaft, gerne wird mit güldener Schrift gearbeitet, die beworbenen Produkte sind in der Regel edel und sauteuer. Beef kennt keine Kompromisse, man liebt so ein Magazin oder man hasst es. Und wenn man es liebt, zeigt man es gerne her.

Brand eins

Warum? Brand eins hat sich über die Jahre vom Geheimtipp zu einem führenden Wirtschaftsmagazin in Deutschland gemausert und dabei nichts von seiner Widerborstigkeit oder vom sophisticated Layout verloren. Wie bitte?, mag mancher denken, „führendes Wirtschaftsmagazin“? Brand eins ist doch so eine Nischenzeitschrift! Weit gefehlt: Zwar haben WirtschaftsWoche, manager magazin und Capital immer noch mehr an verkaufter Auflage, schaut man sich aber nur den harten Einzelverkauf an, hat Brand eins die Nase vorn: Im 2. Quartal 2012 setzte das Magazin an Kiosk und Co. knapp 30.000 Exemplare ab. Capital gerade mal 14.190, das manager magazin 18.784 und die WiWo 10.681. Wer Brand eins liest zeigt, dass er oder sie querdenken kann und einen Sinn für Gestaltung hat. Ein perfektes Print-Status-Symbol mit Langzeit-Wirkung.

The Economist

Warum? Fast schon ein Klassiker unter den Print-Status-Symbolen. Mit der Aussage, dass man den Economist lese, gewinnt man zwar längst keinen Schrulligkeitspreis mehr – das erfolgreiche, dünnblättrige Heftchen von der Insel zeigt aber immer noch vorbildlich, wie man Haltung und Anspruch gedruckt hinbekommt, ohne dabei langweilig zu werden. Der Economist ist furchtbar klug (manchmal sogar altklug), unterhaltsam und auch witzig (!) geschrieben. Und er greift Themen oft früher auf als andere. Wer ihn liest zeigt sich an internationalen Zusammenhängen interessiert und ist der englischen Sprache mächtig. Dass diese Zeitschrift es mit ihrem Nicht-Layout soweit gebracht hat, ist ein Triumph des Inhalts über Äußerlichkeiten. (Poser-Tipp: Beim nächsten Smalltalk en Passant fallen lassen, wie brillant die Nachrufe auf der letzten Seite geschrieben sind. Der Spruch der Wahl lautet: „Die lese ich immer als erstes!“)

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Warum? Die gute, alte Tante FAZ pflegt ihre Schrulligkeiten und gerade das macht sie für erstaunlich viele – auch jüngere Menschen – begehrenswert. Das immer wieder überraschende Feuilleton, der grundsolide Wirtschaftsteil und oft auch interessante Themen und Reportagen auf der Seite „Deutschland und die Welt“. Dazu kleine Skurrilitäten wie das stets mit besonderer Sorgfalt und von hinten durch die Brust ins Auge betextete Aufmacherfoto auf Seite eins. Die FAZ ist Old School in bestem Sinne und somit zeitlos. Solche Beständigkeit wird geschätzt.

Halali

Warum? Hochwertig gemachte Special-Interest-Magazine sind geradezu prädestiniert als Status-Symbole. Weil sie eben die Interessen und Lebenshaltung ihrer Leser idealtypisch repräsentieren können. Das Jagdmagazin Halali ist ein besonders schöner Vertreter dieser Spezies. Hier merkt man, dass die Macher selbst begeisterte Jäger sind aber gleichzeitig wissen, wie eine moderne Zeitschrift geht. Der Begriff Jagd-Zeitschrift ist hier weit gefasst. Es geht auch um Kultur, Natur, Mensch und Tier. Und genauso finden sich vermutlich viele der intelligenteren Vertreter des Jagdsports in einem solchen Magazin mit ihren Anschauungen wieder. Man könnte auch sagen: Halali ist das 11 Freunde für den Waidmann.

Intelligent Life

Warum? Intelligent Life ist das Lifestyle Magazin vom Economist und demonstriert eindrücklich, dass der Verlag auch Layout. Themen, die beim manchmal doch furztrockenen Economist nur die zweite bis gar keine Geige spielen (Kunst, Kultur, Fotografie, Reise, um einige zu nennen) finden ihren Weg zu Intelligent Life. Schon der Titel der Zeitschrift ist reichlich anmaßend. Umso erstaunlicher, dass die Briten den hochtrabenden Anspruch (meistens) einlösen. Allein der Satz: „Das ist das Lifestyle-Magazin vom Economist“ kommt in gewissen Kreisen ziemlich gut.

Motor Klassik

Warum? Retro liegt im Trend und Oldtimer haben einfach Stil. Ganz ähnliche wie Zeitungen wie FAZ oder NZZ Ruhe und Beständigkeit ausstrahlen, umgibt schöne alte Autos eine Aura des Verlässlichen und auch Schönen. Fließende Formen, edle Materialen, gutes Handwerk. Diese Themen werden in einer Zeitschrift wie Motor Klassik ansprechend transportiert. Allerdings funktioniert solch ein Special-Interest-Magazin natürlich nur als Status-Symbol, wenn man sich selbst für das Thema interessiert und am besten auch einen Old- oder Youngtimer sein eigen nennt. Sonst wirkt‘s und ist‘s aufgesetzt.

Neue Zürcher Zeitung

Warum? Wem die FAZ zu sehr Mainstream ist, der greift gleich zur NZZ. Die NZZ ist s etwas wie die FAZ für Fortgeschrittene und ist nun wirklich an Seltsamkeiten kaum zu überbieten. Dabei ist die internationale Ausgabe der Neuen Zürcher oft erstaunlich dünn und hat für eine internationale Ausgabe auch noch verdammt viel Schweiz-Content – sie wird halt doch in erster Linie für Exil-Schweizer gemacht. Dafür kann man sich mit dem angenehm handlichen Blatt in Deutschland deutlich von Medien-Massenkonsumenten abheben. Schön teuer ist sie obendrein.

Psychologie heute

Warum? Psychologie heute aus dem kleinen Beltz Verlag in Weinheim ist eine Art Lebenshilfe-Magazin für Schlauberger. Dort werden Themen wie Partnerschaft, Karriere, Lebensplanung und vieles mehr wissenschaftlich fundiert und trotzdem verständlich abgehandelt. Das Heft wirkt wie eine Light-Variante einer wissenschaftlichen Fachpublikation und weist den Leser als jemanden aus, der sich nicht vom oberflächlichen Geschwafel der Mainstream-Nutzwertmedien einlullen lässt.

ramp

Warum? ramp ist ein Prototyp für Couchtisch-Magazine. Es schaut einfach verdammt gut aus, wenn man das dicke Teil beiläufig irgendwo rumliegen hat. ramp betrachtet das Thema Automobil oft aus unerwarteten und frischen Blickwinkeln und setzt vor allem in Sachen Optik, Fotografie und Layout Maßstäbe. Der Claim „Auto. Kultur. Magazin“ ist Programm. ramp ist für Autofans im Prinzip das, was Beef für Freunde der reich- und fleischhaltigen Kost ist. Ein radikal auf Opulenz ausgerichteter Ansatz für ein Print-Magazin, der sich womöglich auch noch auf andere Interessensgebiete übertragen ließe.

Ride

Warum? Ride ist ein Mountainbike-Magazin aus der Schweiz. Im Gegensatz zu den deutschen Vertretern des Sub-Genres setzt Ride mehr Gewicht auf Optik und Bilder. Geräte und Gadgets für Biker werden hier deutlich größer in Szene gesetzt, der Touren-Fotografie wird viel mehr Platz eingeräumt, das ganze Magazin wirkt dadurch deutlich „cooler“ als manch vergleichbares Produkt. Dazu kommt der Exotenfaktor, Ride kommt immerhin aus der Schweiz. Allerdings erobert das Magazin zunehmend auch den deutschen Bahnhofsbuchhandel und findet hierzulande den einen oder anderen Anhänger.

SZ-Magazin

Warum? Mehr noch als das Mutterblatt Süddeutsche ist das freitäglich erscheinende SZ Magazin eine Stil-Ikone und gilt als Ausweis von Geschmack und Kennerschaft. Das Magazin der Süddeutschen greift gerne und gut gesellschaftliche Trend-Themen auf und ist nach wie vor angenehm layoutet. Als Status-Symbol ähnelt es dem Zeit Magazin, allerdings ist der Hipness-Faktor, den das SZ Magazin der Süddeutschen verleiht bedeutend größer als bei Zeit Magazin und Zeit.

Wired

Warum? Das Digital-Magazin Wired galt jahrelang als Bibel fürs Internet-Volk. Man musste das Heft direkt aus den USA abonnieren oder sauteuer am Bahnhofskiosk kaufen. Das perfekte Status-Symbol für den informierten Nerd. Mittlerweile kann man sich die US- und UK-Ausgaben auch praktisch aber unspektakulär aufs iPad laden. Das hat dann natürlich nicht mehr den angesprochenen Status-Faktor, zumal es ja nun auch ab und zu eine deutsche Ausgabe gibt. Wired hat seine Funktion als Status-Symbol also ein wenig eingebüßt, war aber auf diesem Segment aber so etwas wie ein Vorreiter. Darum gehört es jetzt auch noch in unsere Liste.

Die Zeit

Warum? Weil die Zeit es geschafft hat, sich über lange Zeit hinweg ein Image als führendes Intellektuellenblatt zu erarbeiten. Dazu gehört das sperrige Großformat genauso wie die langen Dossier-Artikel und das beigelegte Magazin mit den allseits beliebten Rätseln. Wer die Zeit im ICE oder Flughafen spazieren führt, zeigt, dass das er oder sie eine Person mit Anspruch und Niveau ist. Sie ist nicht so misanthropisch wie der Spiegel, nicht so entertainig wie der Stern. Die Zeit suggeriert stets Tiefgang, Niveau und Tradition. Auch bei Studenten (Geisteswissenschaften!) sehr beliebt.

11 Freunde

Warum? 11 Freunde ist mit einem Wort: authentisch. Die Macher bringen das Kunststück fertig, eine kluge und witzige Zeitschrift zum Allerweltsthema Fußball zu machen und ihre Leser lieben sie dafür. Wer 11 Freunde liest, dokumentiert, dass er Ahnung vom Fußball hat und das Hirn dabei trotzdem eingeschaltet lassen kann. Die edle Haptik und die immer einfallsreichen Optik-Ideen unterstreichen das.

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