Random House top, Gruner + Jahr flop

Publishing Die Halbjahreszahlen von Bertelsmann sind da: Der Umsatz stieg deutlich um 5 Prozent, das Konzernergebnis machte einen Sprung um 84 auf 353 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) stagnierte derweil gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die Umsatzrendite ging leicht zurück – auf 9,7 Prozent. "Insgesamt positiv" sieht Konzernchef Thomas Rabe die Lage. Aber sowohl die RTL Group wie Gruner + Jahr verbuchten deutliche Rückgänge beim operativen Ergebnis. Random House erzielte ein Traumergebnis.

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Grund für die beiden Negativkandidaten ist das schlechte Werbegeschäft im ersten Halbjahr. Bei Gruner + Jahr ging das EBIT von 124 auf 85 Millionen Euro zurück. Der Umsatz blieb im ersten Halbjahr stabil bei 1.111 Millionen. Als Grund für den Rückgang nennt Bertelsmann die rückläufigen Werbeumsätze im In- und Ausland. In einer Telefonkonferenz sagte Rabe, er rechne nach Gesprächen mit dem G+J-Management nicht damit, dass sich der Rückgang des Anzeigengeschäfts in diesem Umfang fortsetze. Allzu große Hoffnungen auf einen anziehenden Werbemarkt weckte der Bertelsmann-CEO aber nicht.

Bei dem Hauptergebnisbringer RTL Group sank das EBIT von 545 auf 498 Millionen Euro, der Umsatz stieg dagegen auf 2.819 Millionen Euro. Auch hier zog der Werbemarkt das Ergebnis nach unten. Positiv habe sich aber das Deutschland-Geschäft sowie die Produktionstochter Fremantle entwickelt. RTL Deutschland habe das beste Halbjahresergebnis überhaupt erzielt. Sowohl G+J wie RTL Group hätten keine Marktanteile verloren, betonte Rabe. Er führe die Rückgänge vor allem auf konjunktuelle Entwicklungen zurück.

Auf der Positivseite steht ein Rekordergebnis für die Buchverlage von Random House, die ihr EBIT von 69 auf 113 Millionen Euro steigerten, der Umsatz kletterte von 787 Millionen Euro auf 947 Millionen. Bestseller wie die Erotik-Trilogie "50 Shades of Grey" und steigende E-Book-Verkäufe trugen vor allem dazu bei. Ein Viertel aller Umsätze mache Random House in den USA bereits mit elektronischen Büchern. Arvato entwickelte sich eher unauffällig mit leichtem Positivtrend.

Für das Gesamtjahr geht Rabe trotz unsicherer Konjunktur davon aus, dass die Umsatzrendite über 10 Prozent klettert. Auch das Ergebnis werde nach jetzigem Stand über Vorjahr liegen. Rabe verweist für das Halbjahr auf ein organisches Wachstum von 3,7 Prozent – auch strategisch stehe im Vordergrund, organisch zu wachsen. Vier Stoßrichtungen hat der CEO ausgemacht: "Erstens die Stärkung unserer Kerngeschäfte, zweitens die digitale Transformation unserer Geschäfte, drittens der Auf- und Ausbau von Wachstumsplattformen sowie viertens die Expansion in Wachstumsregionen, insbesondere Asien und Südamerika." Es gebe bereits "gute Fortschritte".

Für Zukäufe sei der Konzern bestens gerüstet. Auf Fragen, wie das zu bewerkstelligen sei, antwortete Rabe mit dem Hinweis, man könne Eigen- wie Fremdkapital aufnehmen. Über einen möglichen Börsengang schwieg er sich aus. Nach der Umfirmierung des Konzerns von einer AG in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (SE & Co. KGaA) hatte es zunächst geheißen, Rabe strebe einen Gang an die Börse an. Laut Berichten soll die Familie Mohn diesen Plan aber abschlägig beschieden haben – obwohl sie in der neuen Konstruktion keine Kontrolle über das Unternehmen abgegeben hätte.

Zu möglichen Zukäufen machte Rabe keine Angaben. Ein Interesse an Springer Science bekräftigte der CEO erneut (der Fachinformationsanbieter hat bereits einmal zu Bertelsmann gehört), doch es gebe noch andere interessante Spartenunternehmen wie Marktforscher oder Kreditinformationsanbieter. Das Musikrechtegeschäft wolle man gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR ausbauen. In zwei Wochen will Rabe 500 Managern des Konzerns im Gütersloher Stadttheater beim jährlichen Management Meeting die Wachstumsstrategie von Bertelsmann im Detail näherbringen.

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