Ein schwarzer Freitag für Gruner + Jahr

Publishing Da redet ohnehin schon die ganze Branche über die Zukunft von Gruner + Jahr und das Schicksal von Vorstandschef Bernd Buchholz und dann auch noch das: drastisch schlechte Zahlen in der Halbjahres-Bilanz. Der operative Gewinn ist im 1. Halbjahr geradezu weggebrochen: von 124 Mio. Euro im Vorjahr auf 85 Mio. Euro. Das Kerngeschäft mit den Anzeigen ist offensichtlich faul. Dafür aber allein die Schuld Gruner und Bernd Buchholz zu geben, ist nicht gerechtfertigt.

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Es ist ein schwarzer Freitag für Gruner + Jahr. Zwar blieb der Umsatz mit 1,111 Mrd. Euro stabil (Vorjahr: 1,113 Mrd. Euro), aber die Zahl aus der Halbjahresbilanz, die alles überschattet lautet 85 Mio. Euro. Soviel, bzw. so wenig Nettogewinn erwirtschaftete das Traditionshaus im ersten Halbjahr 2012. Im ersten Halbjahr 2011 waren das noch 124 Mio. Euro. So ein Erdrutsch lässt sich nicht mehr schönreden und auch nicht mit Investition in das das eher wolkig anmutende Forschungsprojekt „House of Content“. Soviel kann man ja gar nicht nicht forschen, dass da in so kurzer Zeit so viele Millionen verschwinden.

Nein, der Grund für den Ergebnis-Einbruch liegt in allererster Linie daran, dass das Anzeigengeschäft massiv eingebrochen ist. In Deutschland gibt es extrem starke Rückgänge, in den G+J-Kernländern Frankreich, Spanien und Österreich läuft es ebenfalls schlecht. Und G+J ist nicht in der Lage, die Einbrüche zu kompensieren. Das schlägt sich nun in der Bilanz nieder. Die Vertriebserlöse sind ebenfalls leicht rückläufig (387 Mio. Euro nach 390 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2011), aber verglichen mit dem Anzeigenmarkt sind sie noch ein Hort der Stabilität. Die Rendite von G+J sank entsprechend im ersten Halbjahr von sehr guten 11,1% auf ziemlich bescheidene 7,7%. Allerdings sank auch beim Mutterhaus Bertelsmann im 1. Halbjahr die Rendite von 10,3% auf 9,7% und ist somit einstellig.

Fast verzweifelt versucht der Verlag, seine Investitionen und Bemühungen im Digitalgeschäft herauszustellen. Das Forschungscenter House of Content „berät weltweit die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei der Aufgabe, gemeinsam mit Verlag und Redaktionen die Qualitätsinhalte der Zeitschriftenmarken von G+J erfolgreich in die digitale Welt zu übertragen.“ Dabei würden „erhebliche Investitionsmittel“ fließen. Außerdem bündle der Verlag seine digitalen Aktivitäten in der neuen G+J Digital GmbH, „um den rasanten Entwicklungen auf dem IT-Sektor Rechnung zu tragen“.

Damit würde G+J „insgesamt profitieren und massiv Tempo aufnehmen.“ Aber warum hakt es denn aktuell so sehr mit dem Tempo? Der wegbrechende Anzeigenumsatz ist die eine Seite. Insider bei Gruner verweisen freilich auch darauf, dass der Verlag bei Investitionen in der Vergangenheit nicht so freihändig agieren konnte, wie die Konkurrenz. So habe beispielsweise die Axel Springer AG in den vergangenen zehn Jahren knapp 2 Mrd. Euro ins Digitalgeschäft investiert und noch zusätzlich rund eine Mrd. Euro an Dividenden ausgeschüttet. Im gleichen Zeitraum habe G+J sogar über 2 Mrd. Euro an die Gesellschafter, sprich: vor allem an Bertelsmann, überweisen müssen. Gleichzeitig hat Bertelsmann wichtige Zukunftsprojekte, wie den bereits viel zitierten Kauf des britischen Marktforschungsunternehmen Yougov blockiert.

Gruner + Jahr hat außerdem noch das besondere Problem, dass die wichtigsten Auslandsmärkte des Verlags mindestens genauso krisenbehaftet sind wie der Heimatmarkt. Stichwort Frankreich und Spanien. Die Vertriebserlöse sind zwar derzeit noch stabil, Wachstum ist auf dieser Seite aber auch nicht zu erwarten. Gerade die Auflagen der großen Klassiker stehen unter Druck und das Erhöhen der Copypreise ist irgendwann nicht mehr möglich.

Fazit: G+J kämpft mit einem stagnierenden (Vertrieb) bis stark rückläufigen (Anzeigen) Kerngeschäft. Bei der Expansion in neue Geschäftsfelder sieht es mau aus, bzw. sind die Hände gebunden. Gleichzeitig drängelt der Gesellschafter Bertelsmann auf Wachstum und Tempo. Im Digitalgeschäft muss man aufholen. Die wichtigen Auslandsmärkte schwächeln. Egal wie der Vorstandschef heißt. In der derzeitigen Konstellation bleibt es schwierig für G+J.

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