Harald Schmidt: „Ich bin einfach zu gut“

Fernsehen Harald Schmidt kam nicht im Anzug, sondern in Jeans und Pullover. Sein neuer Sender Sky hatte zum Interviewtag in den 14. Stock des Berliner InterConti geladen. Die Medienvertreter waren gerne gefolgt, denn Schmidt verspricht kernige Zitate. Und Schmidt lieferte. Er sagte: "Es gibt Leute, die machen Quote, sind aber langweilig. Ich dränge mich nicht auf, bin aber offen für die Medien, die vom Untergang, dem Internet oder dem eigenen Verleger bedroht sind und Hilfe brauchen."

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Bei Brandenburger Schnittchen (Brot isst der Entertainer nach Selbstauskunft eigentlich gar nicht, er wolle keine "Plautze" bekommen) sprach Schmidt über seine neue Late Night bei der Pay-Sendergruppe von Rupert Murdoch. Um die Sendung ging es zwar auch – sie startet am 4. September – aber da sich am Konzept ohnehin nichts ändern soll ("es bleibt alles exakt gleich") blieb genug Zeit, den Rest der Medienbranche, die Fußball-Bundesliga und den Berliner Flughafen (Schmidt fliegt nicht, er reist mit dem Zug) zu kommentieren(*). 

Über Schmidt bei Sky: "Es bleibt alles exakt gleich. Weil die Sendung wahnsinnig erfolgreich und unglaublich gut ist. Ich hätte sie gern geändert, habe mich in Klausur begeben und fast zwei Minuten ernsthaft nachgedacht. Aber es ist so gut, wie es ist. Und: Es ist auch gar nicht meine Aufgabe, etwas Neues zu machen. Ich begebe mich in den Markt mit einem Produkt. Mit dem Risiko, dass das Produkt irgendwann nicht mehr gewünscht wird. "

Über seine Wunschgäste: "Ich hätte gern Karl Lagerfeld und den Papst in der Sendung. Lagerfeld könnte vielleicht mal klappen, der Papst geht eher nicht in Talkshows."

Über die Auswahl der Gäste: "Sie können mir alles vorwerfen, aber niemals habe ich mich mit einem Gast bei den Zuschauern angebiedert."

Über eine mögliche gemeinsame Sendung mit Helmut Schmidt: "Ich glaube, eine solche Sendung wäre extrem langweilig, denn wenn sie zwei Künstler zusammenbringen, deren Lieblings-Gesprächsform der Monolog ist, dann wird das sehr, sehr zäh für die Zuschauer. Helmut Schmidt lebt zudem gar nicht so sehr davon, dass er redet, sondern dass er ausatmet, Rauch einzieht, neben Swimmingpool-große Aschenbecher ascht. Ich wüsste nicht, wo ein Gespräch entstehen könnte. Was ich von ihm wissen möchte, weiß ich bereits."

Über seinen Sidekick Klaas Heufer-Umlauf: "Klaas ist ein sehr schneller, sehr wacher Moderator. Es hätte aber auch Joko sein können. Ich dachte eigentlich auch, es wäre Joko, der zu mir in die Sendung kommt, Ich kann die beiden noch nicht so lange auseinanderhalten."

Über TV-Quoten: "Vom Quotendenken habe ich mich schon lange befreit. Da kommt es in erster Linie auf geistige Unabhängigkeit an." 

Was passiert, wenn man nicht unabhängig ist? "Sie kennen doch die ganzen Sendungen, bei denen im Fernsehen geraten wird. Ich habe gehört, dass es 10.000 Euro gibt, wenn man in einem Panel von Deutschlands berühmtesten Unberühmten sitzt."

Über seine alte Ratesendung "Psst": "Das Unwichtigste war doch das Raten, die Sendung lebte vom Panel, von Heidenreich, Lück, Feuerstein. Das war eine Schnellfeuersache fürs Dritte. Heute werden in der Primetime aufgeblasene Quiz-Sendungen gezeigt. Es gibt auch wieder Dalli-Dalli und die Pyramide. Ich schau das aber alles nicht."

Über seine Lieblingssendung im TV: "Champions League und Bundesliga ist eigentlich das, was ich im Fernsehen gerne schaue."

Über einen Besuch in der Fußball-Sendung von Oliver Pocher: "Ja, es ist geplant, dass ich da mal dabei bin. Selbstverständlich. Es gibt keinerlei Krach mit Olli. Dass man sich über die Medien ab und zu mal ein paar Zärtlichkeiten schickt, ist Teil der Branche. Zumindest von meiner Seite hat das keinen persönlichen Hintergrund."

Über Sky-Eigentümer Rupert Murdoch: "Ich kenne Rupert Murdoch leider nicht persönlich, würde ihn aber wahnsinnig gerne kennenlernen. Seine Frau Wendi Deng natürlich auch. Ich finde es schön, zwischen zwei Mogulen angesiedelt zu sein. Gestartet bin ich mit Leo Kirch, in die vielleicht letzte Runde gehe ich mit Rupert Murdoch. Ich war immer ein Freund von großen internationalen Unternehmerpersönlichkeiten."

Wie ist das gemeint, letzte Runde? "Welcher Sender sollte noch mal eine Late-Night-Show machen? Es wird doch nichts mehr riskiert. Und außer mir kann es doch auch keiner. Wer soll es machen? Darum wär das Thema nach Sky für mich durch. Als Knecht in einem Panel sitzen oder ein Herz für Nieren moderieren – das ist nicht mein Ding."

Über Pay-TV und zur Frage, warum die Etablierung des Geschäftsmodells in Deutschland so lange braucht: "Das liegt vermutlich daran, dass das andere Pay-TV, also das von ARD und ZDF, das aber keiner so nennt, einfach locker mit den Millionen um sich schmeißt, wenn es um so massenattraktive Sachen wie Olympia geht. Natürlich bin ich für das Duale System, aber bin auch für Wettbewerb."

Über Thomas Gottschalk: "Ich hoffe, dass Tommy lange bei Bohlen in der Sendung bleiben kann. Da verspreche ich mir auch als Zuschauer viel davon. Das kann funktionieren, wenn beide verstehen, dass das Uninteressanteste an der Sendung die Talente sind. Vielleicht könnte man die Talente nur im Netz vorstellen und Tommy und Bohlen gehen aufeinander los, mit der sehr netten Michelle dazwischen. Das will ich sehen. Aber ob da einer einen Salto auf dem Toaster macht oder Papageien imitiert – das interessiert auch niemanden bei RTL."

Über das Papst-Cover der Titanic: " Ich finde, unter gesetzlichen Gesichtspunkten darf Titanic so ein Titelbild machen. In meiner Wahrnehmung dürfte der Vatikan aber niemals auf eine deutsche Satirezeitschrift reagieren. Das ist eine viel zu geringe Schwelle."

Wundert es Schmidt, dass die Medien sich immer noch für ihn interessieren? "Nein, ich bin einfach zu gut. Es gibt Leute, die machen Quote, sind aber langweilig. Ich dränge mich nicht auf, bin aber offen für die Medien, die vom Untergang, dem Internet oder dem eigenen Verleger bedroht sind und Hilfe brauchen."

Zum Abschluss der Runde sprach Schmidt den Reporterinnen vom Radio noch kurze Sprüche in die Mikrofone ("Hallo, hier ist Harald Schmidt…"), ließ sich fotografieren – und wanderte weiter zum nächsten Termin. Ein Brandenburger Schnittchen hatte er dann doch nicht gegessen. 

Die Eckdaten zur Sendung: Harald Schmidts LateNight startet am 4. September bei Sky. Die Shows laufen dienstags, mittwochs und donnerstags um 22.15 Uhr auf Sky Hits und Sky Hits HD, sowie um 23 Uhr auf Sky Atlantic HD. Unabhängig vom gebuchten Sky-Paket ist die Show für alle Sky-Abonnenten bis Jahresende freigeschaltet. Potenziell können Schmidt 3 Millionen Sky-Kunden bei der Arbeit zusehen. So viele Zuschauer hatte Schmidt aber auch bei seinem letzten Free-TV-Sender Sat.1 nicht – dort erreichte er im Durchschnitt 730.000 Zuschauer in der werberelevanten Zielgruppe. Schmidt wird bei Sky von wechselnden Sidekicks besucht, darunter sind Klaas Heufer-Umlauf, Olli Dittrich, Pierre M. Krause, Nathalie Licard, Stefanie Stappenbeck und Mirjam Weichselbraun.

(* Die Antworten gab Harald Schmidt in einer Journalistenrunde)

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