Gabor Steingarts unmoralisches Angebot

Publishing In seinem morgendlichen Newsletter hat Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart Lesern der Financial Times Deutschland ein attraktives Angebot gemacht. Da die FTD bald nur noch mit 20 bis 24 Seiten unter der Woche erscheinen solle, könnten deren Leser die kommenden 100 Tage das "doppelt so starke" Handelsblatt "frei Haus" bekommen. Sprich: kostenlos, lau, für umme. Ein sportliches Angebot. Eine Mail an ihn genüge, schreibt Steingart in gewohnt forscher Manier. Es beginnt gewissermaßen der 100-Tage-Krieg.

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"Inmitten einer Weltwirtschaft in Turbulenzen werden die Leserinnen und Leser damit auf Diät gesetzt", so Steingart in vermutlich gespielter Empörung an seine Leser. Und weiter, gerichtet an die FTD-Leser: "Ich will Sie nicht zum Wechsel ermuntern, auch um die prekäre Lage unseres Wettbewerbers nicht zu verschärfen." Aber: "Ich möchte Ihnen anbieten, unsere (doppelt so starke) Zeitung zusätzlich zu nutzen." Wobei das Handelsblatt in einem Tabloid-Format erscheint, die  FTD dagegen nicht. Aber so genau wird Steingart die Textmengen, die beide Zeitungen täglich verarbeiten, vermutlich nicht durchgerechnet haben.

Doch gilt das Angebot nur für FTD-Abonnenten? Oder für alle Leser, die eine Mail an steingart@handelsblatt.com schreiben? Letzteres scheint zu stimmen. Ob die Marketing-Abteilung der VHB diese großzügige Offerte durchgerechnet hat? Derzeit wird ein 3-Monats-Abo zur Probe für 99,50 Euro angeboten, inklusive einem "kleinen Dankeschön" wie etwa einem iPhone-Lautsprecher. Das reguläre Abo kostet im Jahr 569 Euro.

Steingart schreibt: "In Zeiten wie diesen sollten wir alle sparen, das ist ja richtig. Aber doch nicht bei der Information und ihrer Einordnung." Tatsache ist: Auch beim Handelsblatt schießen die Werbeumsätze nicht gerade durch die Decke. Und ob solche Aktionen die Kampfreden für Bezahlinhalte nicht postwendend gleich wieder entwerten? Womöglich ist es so, dass Machiavellist Steingart jetzt den Moment gekommen sieht, um dem Rivalen den entscheidenden Todesstoß zu geben.

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