Apple gewinnt den Prozess gegen Samsung

Historischer Sieg für Apple: Unerwartet deutlich hat der iPhone-Hersteller im "Jahrhundert-Prozess" gegen Samsung triumphiert. Die neun Geschworenen stellten in sechs von sieben Fällen Patentrechtsverletzungen des südkoreanischen Rivalen fest. Samsung wurde daraufhin zu einer Schadenersatzzahlung von 1,05 Milliarden Dollar verurteilt. Die Summe kann verdreifacht werden, da die Jury von vorsätzlichem Handeln ausgeht. Das Urteil gilt angesichts der unzähligen Patentstreitigkeiten in der Branche als wegweisend.

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Historischer Sieg für Apple: Unerwartet deutlich hat der iPhone-Hersteller im "Jahrhundert-Prozess" gegen Samsung triumphiert. Die neun Geschworenen stellten in sechs von sieben Fällen Patentrechtsverletzungen des südkoreanischen Rivalen fest. Samsung wurde daraufhin zu einer Schadenersatzzahlung von 1,05 Milliarden Dollar verurteilt. Die Summe kann verdreifacht werden, da die Jury von vorsätzlichem Handeln ausgeht. Das Urteil gilt angesichts der unzähligen Patentstreitigkeiten in der Branche als wegweisend.
Am Ende klang es wie der Epilog in einem monumentalen Hollywood-Blockbuster:  "Die Werte haben gewonnen, und ich hoffe, dass die ganze Welt zuhört", schrieb Apple-CEO Tim Cook in der Stunde des großen Triumphs an seine Mitarbeiter. "Ich bin sehr stolz auf die Arbeit, die jeder Einzelne von Euch tut."
Das kann Cook auch, denn just am Ende seines ersten Jahres als Apple-CEO kann der 52-Jährige auf die größte Woche seiner bisherigen Karriere zurückblicken: Apple notiert an der Börse auf neuen Allzeithochs, ist zum wertvollsten Konzern aller Zeiten aufgestiegen und hat nun auch am späten Freitagnachmittag im zum "Jahrhundert-Prozess" hochgeschriebenen Patent-Streit gegen Samsung triumphiert. 
Apple kann nun Verkaufsstopp erwirken
Und das in einem Ausmaß, mit dem wohl die treusten Apple-Anhänger nicht gerechnet hatten. In gleich sechs von sieben Patentfällen befanden die neun Geschworenen in San José, dass Samsung von Apple bei iPhone und iPad vorsätzlich Funktionen und Design kopiert habe. Der südkoreanische Rivale, der nach verkauften Smartphones inzwischen deutlich an Apple vorbeigezogen ist, wurde daraufhin zu einer Schadenersatzzahlung von 1,05 Milliarden Dollar verurteilt. 
Weil die Jury Vorsatz bei den Patentverletzungen festgestellt hat, könnte die Summe noch verdreifacht werden. Apple hatte ursprünglich auf 2,75 Milliarden Dollar geklagt. Zudem hat der US-Techpionier nun die Möglichkeit, einen Verkaufsstopp gegen die betroffenen Samsung-Produkte zu erwirken. Samsung blieb seinerseits bei der Gegenklage erfolglos: Apple habe in keinem der beanstandeten fünf Fälle gegen Patentrechte verstoßen, hieß es im Urteil der Jury. 
Tim Cook: "Diebstahl lohnt sich nicht"
Nach dem überraschend schnell gefällten Urteil, das bereits am Freitagnachmittag amerikanischer Ostküstenzeit nach nur 21-stündiger Beratung verkündet wurde, bemühten sich beide Seiten um Deutungshoheit. "Das Urteil wird zu weniger Auswahl, weniger Innovation und potenziell höheren Preisen führen", zeigte sich Samsung enttäuscht. Der Verbraucher sei der Verlierer. 
Apple sah das natürlich entsprechend anders. "Wir applaudieren der Jury, dass sie Samsungs Handeln als vorsätzlich einstuft und damit eine klare und deutliche Botschaft sendet, dass sich Diebstahl nicht lohnt".
Schadenersatzzahlung trifft Samsung kaum 
Über die Tragweite des Urteils wird nun von Branchenexperten heiß diskutiert. Klar ist zumindest, dass die eigentliche Schadenersatzsumme von rund einer Milliarde Dollar für beide Konzerne nicht erheblich ist: Apple verdiente allein im vergangenen Quartal 8,8 Milliarden Dollar, Samsung 5,9 Milliarden Dollar. 
Auch die absehbare einstweilige Verfügung gegen Samsungs Smartphones dürfte die Koreaner wirtschaftlich kaum treffen – schließlich betrifft die im Frühjahr 2011 eingereichte Klage längst überholte Modelle wie das Galaxy  S2.
Google könnte nun in Apples Visier rücken
Viel wichtiger dürfte dafür die Wirkung des Urteils sein, die die Rivalen des US-Konzerns dazu zwingen könnte, ihre Produkte klarer vom iPhone und iPad abzugrenzen. Im Gegenzug besitzt Apple mit dem Urteil nun das juristische Rüstzeug, um selbst weitere Klagen anzustrengen. 
In diesem Zusammenhang dürfte auch Google, das mit Android das Betriebssystem für Samsung Smartphones und Tablets bereitstellt, enger in Apples Zielscheibe gerückt sein. In einer ersten Reaktion gewann die Apple-Aktie nachbörslich 12 Dollar bzw. 2 Prozent an Wert, um bei 675 Dollar auf neue Allzeithochs zu schießen. Die Google-Aktie gab unterdessen mehr als 6 Dollar oder ein Prozent an Wert ab – Samsung verlor im frühen Handel in Seoul um bis zu sieben Prozent.

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