„Switch reloaded“: mal genial, mal klamaukig

Fernsehen Dem Start der neuen Staffel "Switch reloaded" hatte die eingeschworene Fangemeinde seit langem entgegen gefiebert. Und der Auftakt der ProSieben-Comedy-Sendung erfüllte viele Erwartungen. In gewohnt gekonnter Manier parodierte das Team das TV Programm des eigenen Kanals und anderer Sender und wurde mit guten Zuschauerzahlen belohnt. Dennoch läuft das Format Gefahr, in den Klamauk abzudriften. Die Macher wären gut beraten, nicht nur auf Gags zu setzen.

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Den Auftakt in die neue Staffel machten die "Tatort"-Ermittler Thiel und Börne, die schon vor dem Vorspann eine "Überdosis Switch reloaded" bei einem Toten ausmachten. Die aus den Münsteraner "Tatort" bekannten Charaktere sind zwei von einer ganzen Reihe an neuen Figuren, denen sich das Switch-Team angenommen hat. Ein weiteres Beispiel sind "die Geissens" aus der gleichnamigen RTL 2-Sendung. Eine weise Entscheidung. Nicht erst seit der letzten Staffel von "Switch reloaded" hat sich das deutsche TV-Programm verändert. Eine Sendung, die selbiges parodieren will, kommt daher nicht darum herum, sich auch selbst ständig neue Formate und Figuren zu eigen zu machen.
Und wie es die Frauen und Männer von "Switch reloaded" dies schaffen, sucht seinesgleichen. Die Leistung der Schauspieler, vor allem aber auch der Maskenbildner, ist kaum genug hervorzuheben. In vielen Momenten ist es auf den ersten Blick nicht zu erkennen, ob gerade wirklich Daniela Katzenberger, die Geissens oder Johann Lafer über den Bildschirm flimmern, oder ob es sich um deren Imitatoren aus dem "Switch reloaded"-Team handelt.
Beim zweiten Blick wird der Unterschied dann freilich doch deutlich, immerhin lebt der Switch-Humor davon, die dargestellten Charaktere und deren Sendeformate bewusst zu überspitzen. Besonders gut gelingen die Sketche dann, wenn dies nur einen kleinen Hauch weit geschieht und die Parodie dicht am Original bleibt. Dann gelingt es mitunter, dass der Zuschauer fortan das Original kaum noch sehen kann, ohne an die Parodie zu denken. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die übertriebene Darstellung von Anja Kohl und ihren Metaphern aus "Börse im Ersten".
In der neuen Staffel sind wieder solche Ansätze zu finden. Großartig etwa die Parodie von "Leschs Kosmos" oder der "N24-Nachrichten". Aber es gibt auch Stellen, da wirkt "Switch reloaded" einfach nur noch albern und klamaukig. Deutlich wird dies vor allem an den Beispielen "Lafer Lichter zu Hause" und "Goodbye Großdeutschland". In letzterem wandern ein auf Stromberg gemünzter Hitler sowie die Stromberg-Charaktere Ernie und Ulf nach Argentinien aus. Das ist wie schon die Vorgänger Stromberg-Parodie "Obersalzberg" zum Teil zwar lustig, hat aber nur noch sehr wenig mit dem Original TV-Format gemein.
Das ist sehr schade. Denn "Switch reloaded" kann mehr sein als reine Unterhaltung. In seinen besten Momenten hält die Serie dem Fernsehzuschauer und TV-Produzenten den Spiegel vor. Sie kritisiert zum Beispiel mit spielerischer Übertreibung den Umgang mit wichtigen Nachrichten in den privaten Nachrichtensendern, indem sie die sogar bei einer Alien-Invasion noch weiter nach dem Programmschema handeln lässt.
Sketch-Formate wie "Goodbye Großdeutschland" können das nicht leisten. Das bedeutet nicht, dass sie schlecht sind, solange sie Unterhaltungswert liefern. Die Macher sollten dennoch aufpassen, dass sie nicht Überhand gewinnen. Dann kann "Switch reloaded" weiter eine unterhaltsame und trotz aller Albernheiten intelligente TV-Sendung sein. Und dann steht "Switch reloaded" einem weiteren Erfolg, auch nach sechs Staffeln, nichts im Weg. Die Einschaltquoten zum Auftakt jedenfalls deuten darauf hin.

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