Papst-Prozess: Titanic macht auf Pussy Riot

Publishing Bloß keine Angst vor der Obrigkeit: Am Freitag beginnt in Hamburg das Widerspruchsverfahren gegen den vom Papst verbotenen Titel der Juli-Ausgabe der Titanic. Die Redaktion wiegt sich im Vorfeld schon in Sicherheit. Chefredakteur Leo Fischer sieht sich in einer ähnlichen Rolle wie die verurteilte russische Punkband Pussy Riot. Der Prozess hätte die Welt für Einschränkungen der Meinungsfreiheit durch "entfesselte Autokraten" sensibilisiert. Der Vatikan hält sich weiterhin bedeckt.

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Vor dem Prozess haben die Humoristen offenbar ein wenig Oberwasser: Bislang hätten weder der Pontifex selbst, noch seine Anwälte auf das 15-seitige Widerspruchsschreiben der Titanic geantwortet. Ob das als ein gutes Zeichen gewertet werden kann, sei einmal dahingestellt.

Dennoch kündigte der Titanic-Chef auf der Webseite des Magazins an, kurzerhand mit der gesamten Redaktion nach Hamburg zu reisen. Dem Verfahren vorausgegangen war eine einstweilige Verfügung gegen das Blatt. Der Papst sah seine Persönlichkeitsrechte durch das Cover der Juli-Ausgabe verletzt. Unter dem Titel "Halleluja im Vatikan: Die undichte Stelle ist gefunden" zeigte das Blatt das katholische Kirchenoberhaupt mit einer besudelten Soutane.

Die Redaktion legte als Reaktion auf die päpstliche Verfügung Widerspruch ein. Man argumentierte mit “der Meinungsfreiheit, der Pressefreiheit, der Freiheit der Kunst und dass der Papst eine absolute Person der Zeitgeschichte ist”, wie Chefredakteur Fischer gegenüber MEEDIA erklärte.

Dass sich das Heft nicht vom Vatikan einschüchtern lässt, bewies die Redaktion schon mit der Folgeausgabe. So packte die Titanic Papst Benedikt XVI. für die August-Ausgabe erneut‘>. Die Zeile: "Kein Grund zu klagen: Der Papst bleibt sauber!" Dazu gab es das gleiche Foto vom letzten Mal, nur jetzt mit Kuss-Mündchen und "lustigen" bunten Handabdrücken.

Für den Besuch der Titanic-Redaktion in Hamburg steht laut Fischer auch schon ein Programm fest: Neben Gesprächen mit Medienvertretern verspricht der Blattmacher einen "Papst-Mittelaltermarkt" in der Hamburger Innenstadt – mit Jongleuren, Feuerspuckern, einem Pranger und der Möglichkeit, eine Hexe “symbolisch” zu verbrennen. "Interessierte Bürger sollen sich so in die Lebenswelt des Papstes hineinversetzen können."

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