‚Mit Tierschützern über Wochen seinen Spaß‘

Fernsehen Happy Birthday "Zapp": Das NDR-Medienmagazin feiert heute sein 10-Jähriges mit einer großen Sause samt Web-Livestream. Passend dazu will Redaktionsleiter Steffen Eßbach die Web-Aktivitäten bis Jahresende kräftig ausbauen. Ansonsten sind bei NDR alle mächtig stolz auf ihr Format. Programmdirektor Frank Beckmann spricht ihm gar "Einfluss auf das Programm" zu. "'Zapp' hinterfragt die Medienproduzenten und zwingt sie damit, sich mit den eigenen Standards selbstkritisch auseinanderzusetzen".

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Dementsprechend sieht Beckmann auch nicht die Gefahr, dass das Medienmagazin, dass oftmals auch sehr hart mit den ARD-Anstalten ins Gericht geht, irgendwann einmal zu einer Belastung für den Senderverbund werden könnte. "Das kann ich mir nicht vorstellen", sagte er gegenüber MEEDIA. "’Zapp‘ trägt in hohem Maße zur Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei. Und nur, wenn ‚Zapp‘ selbstkritisch auch über das eigene System berichten kann, hat die Sendung das Recht, andere zu kritisieren. Das mag nicht jeden freuen, viele finden dieses Bekenntnis zur Transparenz problematisch, der NDR aber steht dazu."

Den Redaktionsleiter wird das freuen. Für die Entwicklung seines Formats in den kommenden Monaten hat der Redaktionsleiter klare Vorstellungen: "Wir wollen den Bereich der neuen Medien kräftig ausbauen. Unser Ziel ist es z.B., die Interviews, die wir geführt haben, in ganzer Länge bereits vor der Sendung online zu stellen", sagte er gegenüber MEEDIA. "Interessierte Medien können dann bereits im Vorfeld darüber berichten oder sie als Quelle für ihre eigenen Storys verwenden." Dieser Plan könnte allerdings auch ein paar Nachteile mit sich bringen. "Die Gefahr, bereits vor der Sendung eine Unterlassungserklärung zu kassieren, steigt dann natürlich."
 
Eßbach will bald einen Schritt weitergehen und die "Zapp"-Beträge bereits dann im Web veröffentlichen, wenn sie fertig geschnitten sind.

Dieser Plan zeigt: Die NDR-Sendung gehört zu den wenigen Regional-Formaten, die in ganz Deutschland für Aufsehen sorgen. "Wir haben tatsächlich die bundesweite Aufmerksamkeit. Alleine deshalb glaube ich, dass es richtig spannend wäre noch einmal zu schauen, ob ‚Zapp‘ nicht auch dauerhaft in der ARD funktioniert. Das haben wir in der Vergangenheit ja schon ganz erfolgreich ausprobiert." Allerdings immer mit dem Ergebnis, dass es die Sendung nicht dauerhaft ins ARD-Programm schaffte.

An den nötigen Themen für einen ARD-Einsatz würde es den Hamburgern nicht mangeln. "Von denen gibt es im Moment wahrlich genug", sagt Eßbach. Die Herausforderung bestehe vielmehr darin Storys zu finden, die auch im Medium Fernsehen funktionieren. "In einem Bericht über einen Print-Aufreger reicht es einfach nicht, einfach nur die entsprechende Zeitung abzufilmen. Das wird bildlich sehr schnell, sehr öde".

Bei der Suche nach guten TV-kompatiblen Themen wurden die Hamburger oft genug auch bei den Öffentlich-Rechtlichen fündig. "Wir haben schon früh über das ZDF berichtet, als bekannt wurde, dass die Verantwortlichen in Mainz offenbar das rechtzeitige Sparen vergessen haben. Zudem haben wir liebevoll den MDR durch die verschiedenen Skandale der vergangenen Jahre begleitet", erzählt der Redaktionsleiter. Ob bei der Kika- und Foth-Affäre oder gescheiterten Intendanten-Wahlen: "Zapp" war immer dabei. "Wir wissen, dass die MDR-Rundfunkräte sich regelmäßig durch unsere Sendung informiert haben, wie es in ihrem eigenen Haus zugeht."

Programm-Chef Beckmann hält die kritischen Berichte über die Schwester-Anstalten für "schmerzlich", "aber auch notwendig um besser zu werden: Ob Nebenverdienste von Moderatoren, der Kika- Betrugsfall, die Zuschauertäuschung bei Scripted Reality oder auch Pornographie im Videotext der Kommerzsender – ‚Zapp‘ legt den Finger in die Wunde. Und das soll auch so bleiben."

Das letzte Beispiel, bei dem es viel Ärger im eigenen Haus gab, war die Berichterstattung über die Medien-Apps, da zeigte sich so manch eine andere ARD-Anstalt wenig begeistert über die Recherchen der Hamburger.

Auch wenn er es nicht direkt sagt, ein Teil von Eßbachs-Job besteht auch darin, mit den Beschimpfungen und Beschwerden der Menschen und Institutionen fertig zu werden, über die er berichtet. Der Tag nach der Sendung am Mittwoch ist wohl am härtesten. Allerdings ist auch der Freitag nicht ganz ohne. Denn: "Am Freitag kommen die qualifizierten Beschwerden. Am Donnerstag konnten sich die Empörten schon mit ihren Anwälten besprechen und die haben dann einen ersten Schriftsatz aufgesetzt."

Besonders mit Tierschutz-Organisationen hat der Journalist zu kämpfen. "Da hat man auch mal über Wochen seinen Spaß", erzählt er. "Die sitzen auf unglaublich viel Geld und können sich deshalb viele, teure Anwälte leisten". Doch: "Wir können uns wirklich auf den NDR verlassen. Unser Chefredakteur und unser Justiziariat sind immer bereit, mit uns in die Schlacht zu ziehen."

Alleine wegen dieser Rückendeckung glaubt der Redaktionsleiter, dass nichts gegen zehn weitere "Zapp"-Jahre spricht. "Auch wenn wir dann viel mehr online sein werden, als wir uns heute noch vorstellen können."

Sollte es der Redaktion gelingen, ihre hohe Maßstäbe auch weiterhin zu halten, hat der Programmchef nichts dagegen einzuwenden, wenn die Hamburger auch in den kommenden zehn Jahren "die rasante Entwicklung der Medien" mit "kritischem Blick – fair und unabhängig" begleiten.

Die Geburtstagsfeier wird ab 19.00 Uhr live im Web übertragen

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