Bucerius schuf die „Blaupause“ für G+J-Deal

Publishing Seit vergangener Woche wird über den offensichtlichen Vorstoß des Bertelsmann-Konzerns diskutiert, die Zeitschriftentochter Gruner + Jahr komplett zu übernehmen. Zum Ausgleich für die Hergabe ihrer Sperrminorität von 25,1 Prozent der Anteile soll die Familie Jahr laut manager magazin rund 5 Prozent der Bertelsmann-Anteile erhalten. Wie ein Blick ins Archiv zeigt, gibt es einen Präzedenzfall für einen solchen Deal: In den 70er Jahren tauschte Gerd Bucerius Vermögenswerte in Gütersloh ein.

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Dem 1995 verstorbenen Hamburger Verleger und Zeit-Gründer war es immer darum gegangen, seine Wochentitel langfristig abzusichern. So entschied sich Bucerius, seinen 100 Prozent-Besitz am Zeit-Verlag an Bertelsmann zu übertragen und sich im Gegenzug 10,1 Prozent der Anteile am größten deutschen Medienkonzern zu sichern. Das Gegengeschäft wurde mit Wirkung zum 1. Januar 1973 in Kraft gesetzt, und damit ging zugleich der 35 Prozent-Anteil, den Bucerius via Zeit-Verlag an Gruner + Jahr hielt, an die Gütersloher über.
Als einige Jahre später der ehemalige Springer-Manager Ernst Naumann seinen 5 Prozent-Anteil an G+J an Bertelsmann veräußerte, ging Reinhard Mohn noch einen Schritt weiter. Der Bertelsmann-Patriarch, der früh das wirtschaftliche Potenzial des Zeitschriftenhauses erkannt und dem Co-Gründer und Druckereibesitzer Richard Gruner 1969 dessen 25 Prozent-Anteil abgekauft hatte, konnte die Familie Jahr überzeugen, ihre 35 Prozent-Anteil auf 25,1 Prozent zu verringern. Dieser Transfer wurde zum 31. Dezember 1976 wirksam und steigerte den Einfluss der Gütersloher beim Hamburger Medienhaus.
Nach dem Tod von Bucerius im September 1995 erbte die Zeit-Stiftung dessen Vermögenswerte, auch den Bertelsmann-Teil. Die BAG kaufte diesen für 600 Millionen D-Mark zurück, zugunsten der Kapitalausstattung der Zeit-Stiftung. Die Transaktion lief damals in drei Tranchen von 1999 bis 2003. Damit erhöhte Bertelsmann seinen Anteil über die Zeit von 25 auf 74,9 Prozent. Diese Gesellschafterverhältnisse blieben über Dekaden unverändert – das könnte sich in den nächsten Monaten ändern. Die "Blaupause" dafür gibt es ja bereits.

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