Tim Berners-Lee: „Mischt euch ein“

Publishing Sir Tim Berners-Lee, auch bekannt als der Erfinder des World Wide Web, gab sich zum Abschluss der Campus Europe Party in Berlin die Ehre. "Ihr seid die Hoffnung für die Zukunft", rief er den Teilnehmern zu, die ihre Zelte für eine Woche auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof aufgeschlagen hatten, um über Themen wie Bio Hacking, Nanotechnologie oder das Internet der Dinge zu sprechen - und um selber in Workshops und Hackathons in die Tasten ihrer Laptops zu greifen.

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Berners-Lee entwickelte vor mehr als 20 Jahren am Kernforschungszentrum CERN die Grundpfeiler für das World Wide Web. Wer also könnte mit mehr Autorität über die Zukunft des Webs sprechen? Berners-Lees Botschaft gründete sich auf den Prinzipien, nach denen er das Web entwickelt hatte: Offenheit, Dezentralität, Vernetzung. Das Web müsse "frei" bleiben – "frei wie in Freiheit", so der Physiker zu seinen Zuhörern. Berners-Lee spielte damit auf den Schlachtruf des Wired-Magazins von vor zwei Jahren an, als dessen Chefredakteur erklärt hatte: "Das Web ist tot". 

Doch das Web sei keineswegs tot, erklärte dessen Erfinder. Die Zukunft gehöre Web-Apps und nicht nativen Apps, die keinen Browser mehr benötigen. Diese Apps, vorangetrieben u.a. von Apple, seien nicht Teil des Webs und damit auch nicht Teil des Diskurses der Menschheit. Diesen Diskurs sollen junge Menschen mitgestalten, regte Berners-Lee an: "Mischt auch ein", rief er, und: "Nutzt die Technik um die Probleme der Welt zu lösen". Wichtige Zukunftsthemen für das Web selbst seien Sicherheit, Zugang und Datenschutz. Berners-Lee rief dazu auf, die "Do not track"-Initiative zu unterstützen, die eine vollständige Kontrolle der Internet-Nutzer durch Unternehmen und Organisationen verhindern will.

Am Samstag ging die Campus Party Europe zuende. Die Veranstaltung selber nennt sich das "weltweit größte Technologiefestival". Hauptsponsor ist der spanische Telekommunikationsriese Telefonica. Im Schatten großer Schiffscontainer mit Motivationssprüchen ("Hast du ein Gehirn, hast du ein Start-up", "Coders der Welt, vereinigt euch") waren mit Netzwerkkabeln versehene Tischreihen über mehrere hundert Meter auf dem Flughafengelände aufgebaut. Zahlreiche Firmen wie Microsoft und Google luden zu Workshops ein, auf einer Vielzahl von Bühnen referierten Geeks und Gründer. Spiegel Online erinnerte die Veranstaltung eher an einen Kirchentag als an eine Party.

Das riesige Angebot forderte bei manchen Teilnehmern seinen Tribut – bei Berners-Lee Vortrag senkte sich der ein oder andere Kopf müde zu Boden. Sicherlich kein Ausdruck der Langeweile – vermutlich war mit diesen Netz-Jüngern am Vorabend schlicht die Begeisterung durchgegangen. Sir Tim wird es ihnen nicht übel genommen haben. 

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