DJV: „Leserkommentare ernst nehmen“

Publishing Der Deutsche Journalisten-Verband mischt sich in die Diskussion um Leserkommentare ein: Die Journalisten-Gewerkschaft fordert Medienunternehmen auf, der Diskussion von Lesern mit ihren Redaktionen eine größere Bedeutung beizumessen. "Leserkommentare müssen ernst genommen werden", sagt DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken. Dazu gehöre auch, dass ihre Moderation durch erfahrene Journalisten verantwortet werde. "Wie im gesamten Journalismus gilt auch hier: Qualität geht vor billig", so Konken.

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Konken betont, Leserkommentare und Blogbeiträge in Medien seien Teil der demokratischen Debattenkultur. Wie mit den Zuschriften umgegangen werde, könne zudem über das Verhältnis der Autoren zu ihren Medien entscheiden. "Wenn Medien aus Personalmangel die Kommentare stiefmütterlich behandeln, suchen sich die User auf Dauer andere Plattformen zur Kommunikation", warnte der DJV-Vorsitzende.
Die Kommentar-Verwaltung müsse zudem die Aufgabe von erfahrenen Journalisten sein. Es sei unverantwortlich, wenn Verlage aus Kostengründen ungelernten Hilfskräften diese Aufgabe übertrage. In wie vielen Redaktionen Hilfskräfte hierfür zum Einsatz kommen, konnte der DJV auf Nachfrage nicht beziffern. Generell sei jedoch festzuhalten, dass der Bereich personell stiefmütterlich behandelt werde.
Die Debatte um den richtigen Umgang mit Leserkommentaren war am Montagabend ausgebrochen. Markus Beckedahl hatte auf dem von ihm gegründeten, bekannten Blog Netzpolitik seinen Frust über die geringe Qualität der Kommentare zum Ausdruck gebracht. Er schrieb, dass ihm die Moderation zu viel Zeit abverlange und diese Zeit für ihn verschwendet sei. Am liebsten würde er die Kommentarfunktion daher deaktivieren.
Auf Anfrage von MEEDIA berichteten mehrere Journalisten großer Nachrichtenportale von ihren Problemen im Umgang mit Nutzer-Feedback und äußerten Verständnis für Beckedahl. Sueddeutsche.de-Chef Stefan Plöchinger etwa sagte: "Zu oft gehen bei Artikeldebatten der Aufwand und der Ertrag – im Sinne von: Bringt die hier geführte Debatte den normalen Leser weiter? – zu weit auseinander."

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